FBMA-Präsident Oliver Fudickar „Bei uns sollen alle Generationen ­voneinander lernen“

Oliver Fudickar (32) ist seit Frühjahr Präsident der FBMA. (Bild: FBMA)

Ist die FBMA überaltert? Bekommen Interessierte beim Mentoring wirklich einen persönlichen Ansprechpartner? Wie wird man Mitglied, wenn der Arbeitgeber einen dabei nicht unterstützt? Im Tophotel-Interview beantwortet Präsident Oliver Fudickar auch kritische Fragen.

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Tophotel: Herr Fudickar, die FBMA gehört zu den ältesten Branchenverbänden. Da drängt sich die Befürchtung auf: Das ist doch nichts für junge Leute. Ist die FBMA in die Jahre gekommen?
Oliver Fudickar: Nein. Bei uns sollen alle Generationen voneinander lernen. Für uns als FBMA ist es wichtig, dass wir uns verjüngen und somit den Anforderungen unserer Branchen und neuen potenziellen Mitgliedern gerecht werden. Das Vorstandsteam der FBMA steht für den generationsübergreifenden Austausch und hat sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen aus Hotellerie und Gastronomie eine Heimat zu geben, um das persönliche Fachwissen weiterzuentwickeln und neue Kontakte zu knüpfen.

Wie hoch ist denn der Altersdurchschnitt der FBMA?
Ganz ehrlich: Derzeit ist er zu hoch. In den vergangenen Jahren haben immer weniger junge Menschen eine persönliche Mitgliedschaft abgeschlossen. Aus diesem Grund haben wir bei der FBMA die Betriebsmitgliedschaften eingeführt. Das ganze Unternehmen ist dann Mitglied. Wer aus dem Betrieb an den Veranstaltungen teilnimmt, kann variieren. Die Betriebe können uns quasi dafür nutzen, ihre F&B-Leute weiterzuentwickeln und kontrolliert in eine Community zu integrieren.

Sie werben damit, dass Mitglieder bei der FBMA eine Plattform zum Erfahrungsaustausch finden. Was heißt das konkret?
Wir wollen bei unseren FBMA-Camps oder Expeditionen in den Dialog kommen und unseren Mitgliedern die Chance geben, an den Themen gemeinsam zu arbeiten, um am Ende eine Lösung für den eigenen Betrieb mit nach Hause zu nehmen.

Auch mit dem Thema Mentoring werben Sie immer wieder. Wie sieht das in der Praxis aus? Steht Interessierten da wirklich jemand über einen längeren Zeitraum hinweg zur Seite?
Ja. Unser FBMA-Format ‚Meet the Best‘ sollte von Anfang an eben keine weitere
Gala-Veranstaltung sein. Wir wollten bewusst junge Menschen mit ‚Branchengrößen‘ zusammenbringen, und das auf Augenhöhe. Natürlich bleibt nicht jeder mit den Mentoren in Kontakt. Aber ich weiß von einigen Mentoren aus der Vergangenheit, dass sie bis heute mit ehemaligen Teilnehmern im Austausch sind.

Wenn ein Arbeitgeber sagt „FBMA, das ist Kunst für die Kunst, dafür haben wir weder Zeit noch Geld.“ Was erwidern Sie darauf?
Das kann passieren, solche Betriebe gibt es bestimmt weiterhin. Ich würde sagen: Wir bieten den Unternehmen einiges. Wir wollen Teil der Arbeitgebermarke jedes Betriebes für F&B sein. Unsere Veranstaltungsformate sind darauf ausgerichtet, dass dort lösungsorientiert diskutiert wird. Ebenfalls profitieren können die Mitglieder von der FBMA University next. Zusammen mit der DHA haben wird dafür ein Fernstudium „F&B Management“ aufgesetzt. Mit Webinaren möchten wir auch die Mitglieder ansprechen, die es sich nicht leisten können, ihre Mitarbeiter durch die Republik zu jagen.

Was ist mit Interessierten, die ihren Chef gar nicht erst mit einbeziehen wollen?
Jeder kann natürlich auch persönliches Mitglied werden. Hier teilen wir in drei Altersgruppen: Persönliche Mitgliedschaft next, diese geht bis 28 Jahre, sowie eine persönliche Mitgliedschaft und Senior Chapter ab 65 Jahren.

Fungiert die FBMA auch als Jobbörse?
Nein, wir wollen nicht als Jobbörse fungieren, sondern die Arbeitgebermarken unserer Mitglieder stärken. Sicher wollen wir nicht nach jedem Event die Anrufe bekommen, dass die Mitarbeiter gekündigt haben und zu einem anderen FBMA-Mitglied gehen. Da nehmen wir den internen Kodex sehr ernst.

Frauenquote, Arbeitszeitverkürzung, Überstundenregelung … sind das auch Themen bei der FBMA?
Wir beschäftigen uns auch mit diesen Themen, da diese wichtig sind, um unsere Branche langfristig stabil zu halten.

Kann ich mich der FBMA auch anschließen, wenn ich eher am Rande mit Gastronomie zu tun habe?
Jeder Mensch, der im gastronomischen Bereich tätig ist, kann bei uns Mitglied werden. Natürlich betrachten wir bei Anfragen zu Mitgliedschaften immer, um welchen Branchenzweig es sich handelt, und gehen bei Anfragen, die wir nicht einschätzen können, auf die entsprechenden interessierten Menschen zu.

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