Erwacht aus dem Dornröschenschlaf

1 Eingangshalle mit Hotelaufzügen: Anleihen an die Ästhetik aus Jugendstil und Art déco in heutiges Interior Design übersetzt. (Bild: Haushahn/Merkur Schoppe)

Bei der Renovierung des Hotels am Steinplatz in Berlin legten die Planer größten Wert auf ­Qualität und individuelle Gestaltung. Selbst der maßgefertigte Hotelaufzug wurde perfekt auf den exklusiven Stil des Hauses abgestimmt. – von (kp)

Anzeige

Treffpunkt der High Society: Nach einer wechselvollen Geschichte beansprucht das Fünf-Sterne-Hotel ein gutes Jahrhundert nach seiner Gründung wieder seine ursprüngliche Bedeutung als Berliner Nobelherberge am Steinplatz. Umfangreiche Baumaßnahmen machten die Wiederauferstehung möglich. Nach drei Jahren Bauzeit und einer Investitionssumme von 32 Millionen Euro ist es Bauherren und Architekten gelungen, eine Ikone des Jugendstils aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken. Da außer der in Mitleidenschaft gezogenen Fassade kaum erhaltenswerte Bausubstanz übrig war, musste das Gebäude komplett entkernt und wieder aufgebaut werden.

Hotel – Seniorenheim – Hotel

„Auch die Aufzugsschächte wurden im Zuge der Maßnahmen neu errichtet“, berichtet Ahmet Gür vom Berliner Aufzugshersteller Merkur Schoppe, der zum deutschlandweiten Haushahn-Netzwerk gehört. Die Hotelgeschichte beginnt im Jahr 1908. Besitzer Max Zellermayer wandelt das Wohnhaus, gebaut vom damals renommierten Jugenstilarchitekten August Endell, zum Hotel um, das sich in den folgenden Jahren als Luxusresidenz, vornehmlich für russische Adelige und Intellektuelle, etabliert. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzt die Familie Zellermayer das schwer zerbombte Gebäude peu à peu instand und nimmt den Betrieb des Grand Hotels wieder auf. 1976 endet diese Ära, und das Haus am Steinplatz fungiert für die nächsten 30 Jahre als Seniorenheim. Nach dem Verkauf des Anwesens im Jahr 2006 werden erste Entkernungsarbeiten durchgeführt, die Bausubstanz wird jedoch dem Verfall preisgegeben. Erst die Gründung der Eigentümergemeinschaft DG Steinplatz 4 GmbH gibt den Startschuss für die Wiederbelebung als Hotel. Der neue Investor beauftragt das Büro morgen Architekten um Claudia Dressler mit der Planung der Umbau- und Renovierungsarbeiten sowie die DSH GmbH als Generalunternehmer.Die Architektin und ihr Team entwerfen 84 Zimmer mit individuellen Grundrissen neu. Eine Junior-Suite, zwei Spa-Suiten sowie ein großer Konferenzraum ergänzen das Angebot. Das Denkmalamt gibt grünes Licht für die Aufstockung des ursprünglich fünfgeschossigen Gebäudes. So entsteht das zweigeschossige Rooftop Spa mit spektakulärem Blick über Berlin.

Tragriementechnologie sorgt für höchsten Fahrkomfort im Aufzug

Von außen beeindruckt das neue Hotel mit seiner denkmalgeschützten olivgrünen Jugendstilfassade, die sorgfältig restauriert wurde. Bei dem Deckengewölbe im Eingangsbereich konnten sich die Restauratoren an der erhaltenen Originalvorlage orientieren. Neue Architekturelemente sind das Eingangsdach mit seinen geschwungenen Ornamenten und die Balustrade, die behutsam August Endells Formensprache variieren. Für die reibungslose Mobilität zwischen den Etagen sorgen vier Aufzuganlagen. Sie wurden nicht nur technisch, sondern auch optisch bis ins Detail dem hohen Anspruch des Hotels angepasst. „Direkt neben der Eingangshalle erwartet den Hotelgast eine hochwertige Aufzuggruppe in einem offenen Stahlgerüst in einem Lichthof“, erläutert Haushahn-Vertriebsleiter Ahmet Gür. Dazu wurde auf einem im Untergeschoss gemauerten Schacht ein verglastes Stahlgerüst gesetzt und im Lichthof diagonal verspannt. Integrierte Lichtbänder betonen die Diagonalen und hellen den Raum auf. Der Schacht ist mit zwei maschinenraumlosen Aufzügen vom Typ designLine bestückt, die individuell konfiguriert wurden. Sie sind über die Gruppensteuerung miteinander verbunden. „So landet nach Anforderung immer die Kabine beim Gast, die den Fahrtwunsch am schnellsten bedienen kann“, erläutert Ahmet Gür die Funktion. Ein getriebeloser Antrieb, der direkt im Schachtkopf untergebracht ist, sowie die Tragriementechnologie, die statt der sonst üblichen Stahlseile eingesetzt wird, sorgen dabei für höchsten Fahrkomfort.

Bei der Kabinengestaltung arbeiteten Aufzugshersteller und Innenausstatter Hand in Hand. So setzt sich das Designkonzept des Innenarchitekten Tassilo Bost nahtlos bis in die Aufzugkabinen fort. „Merkur Schoppe lieferte zunächst die Kabinen ohne Auskleidung“, erläutert Ahmet Gür. Anschließend führte die bost group berlin die Wandverkleidungen aus, die für das gesamte Interieur Design des Hotels verantwortlich zeichnet. „Um Gegengewicht und Antrieb exakt abzustimmen, musste dazu bereits im Vorfeld das Gewicht der Innenverkleidung festgelegt werden.“ Auch dort bestimmen edle Materialien das Erscheinungsbild: Die Edelstahlkabinen mit LED-Lichtdecke sind auf der Rückseite mit einer Spiegelwand und einem Holzhandlauf versehen. Das Edelstahltableau ist – wie in Hotels mittlerweile üblich – gekoppelt mit einem Kartenleser, über den die Zugangsberechtigung zu den Etagen via Zimmerkarte freigeschaltet werden kann. Über dem Tableau versorgen integrierte Bildschirme den Fahrgast mit Hotelinformationen. Auf der gegenüberliegenden, mit schwarzem Leder bespannten Seitenwand greifen gesteppte Zierlinien das Muster der diagonalen Verspannung im Lichtschacht und der Lichtdecke wieder auf. |

Anzeige