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StartBusiness & ManagementHoteltestHoteltest im Erbprinz Ettlingen::Adel verpflichtet  –  eigentlich

Hoteltest im Erbprinz EttlingenAdel verpflichtet  –  eigentlich


19:26 – Roomservice

 

Die Roomservice-Karte macht in ihrer Form der Gastronomie keine Ehre. Ein einfaches gefaltetes DIN-A4-Blatt listet sechs Vorspeisen und Suppen, ein vegetarisches Gericht sowie neun Fisch- und Fleischgerichte. Weder Desserts noch Getränke sind aufgeführt und auch die Zeit, in der der Roomservice verfügbar ist, wird nicht angegeben. Einmal mehr fehlt das Gäste A-Z, das solche Informationen alternativ verfügbar macht. Die Telefon-Kurzwahltaste »Zimmerservice« verbindet mich mit der Rezeption, wo ein freundlicher Mensch meine Bestellung aufnimmt. Er erkundigt sich auch nach einem Getränkewunsch und gibt als Servierzeit 20 bis 25 Minuten an. Nach 36 Minuten klopft es an meiner Zimmertür und eine sichtlich erhitzte Mitarbeiterin freut sich, das von ihr etwa 130 Schritte getragene Tablett endlich absetzen zu können. Doch ich sehe es gleich: Der von mir bestellte Weißburgunder fehlt. »Den hab ich vergessen bei all dem Durcheinander«, gesteht die Mitarbeiterin und macht sich auf den Weg, das Vergessene zu holen. »Haben Sie ein Glas hier?« Tatsächlich bringt die junge Frau wenig später ein Steingutkrüglein mit dem Wein – als Glas muss ich eines aus der Minibar benutzen. Die Tatsache, dass ich zur Hauptstoßzeit bestellt habe, hat sich wohl auch auf die Darreichungsform der Mahlzeit niedergeschlagen. Das braune Plastiktablett einfachster Güte ist mit einer sehr schlichten Serviette belegt. Besteck und Mundserviette liegen planlos übereinander, es gibt weder Menagen noch ein Blümchen noch einen Abräumhinweis. Bei der Suppentasse fehlt die Untertasse. Der warme Hauptgang (ein Klassiker: hausgemachte Maultaschen mit Kartoffelsalat und Zwiebelschmelze) wird zeitgleich mit der kalten Vorspeise (Joghurtkaltschale mit Champignon und Radieschen, Kalbslyoner) serviert. Dazu gibt es gutes, frisches Brot und Salzbutter. Das Essen selbst versöhnt mich mit dieser lieblosen Präsentation. Die Kaltschale ist ein frisch-herber Genuss, die hauchdünnen Scheibchen Kalbslyoner – im Wechsel mit Radieschenscheiben auf einem Holzstäbchen quer über die Suppe gelegt – zergehen auf der Zunge. Umso deftiger danach die Maultaschen mit kräftig-kräuteriger Brätfüllung, süßlich geschmelzten Zwiebeln und einem sämigen schwäbischen Kartoffelsalat, angemacht mit Brühe, Zwiebelchen und einem bisschen Senf. Der Weißburgunder – ich bat um eine Empfehlung – ist viel zu blumig und passt eigentlich nicht zu diesem Hauptgang. Nach Beendigung meiner Mahlzeit stelle ich das Tablett auf ein Tischchen im Flur. Dort steht es bis zum Mittag des nächsten Tages.
Wertung: befriedigend

Schuhputzservice / Turndownservice

Ich erkundige mich bei Herrn K., dem Nachtportier mit Pferdeschwanz, ob es nicht vielleicht doch ein Gäste A-Z gibt. Er gibt mir einen Hausprospekt. Schuhputzservice? Der junge Mann verweist mich auf das Schuhputztuch im Schrank. Und gibt es einen Turndownservice? »Einen was bitte?«
Wertung: ungenügend

21:50 – »Green Horse Bar«

Drei halbseidene Typen fläzen sich in den Sesseln der englischen Bar und nebeln den Raum mit dicken Zigarren ein. Die »Green Horse Bar« ist offiziell zertifizierte Davidoff-Lounge und darauf ist man im Hotel sehr stolz. »Für Gäste, die es rauchfrei mögen, steht unsere Hotellobby zur Verfügung.« Na, danke schön, da setze ich mich lieber noch ein wenig auf die Terrasse. Nach zehn Minuten des Wartens begebe ich mich zum Desk des Restaurantleiters und erkundige mich, ob es vielleicht möglich wäre, etwas zu trinken bestellen zu dürfen. »Der Barkeeper müsste gleich bei Ihnen sein. Wo ist der überhaupt? Der hat doch noch andere Gäste!« Immerhin erhalte ich schon einmal die Barkarte. Nach weiteren fünf Minuten taucht ein blonder Stoppelkopf auf (ohne Namensschild) und nimmt meine Bestellung entgegen. Noch einmal zehn Minuten später wird mir eine Margarita serviert mit halbherzigem Salzrand und zu viel Cointreau. Und ohne Nüsschen. Um die muss ich erst bitten. Aber dann kommt eine Viererschale mit Cashews, Erdnüssen, Rauchmandeln und Wasabinüssen, dazu ein Löffel, aber keine Serviette. Als ich darum bitte, die Rechnung aufs Zimmer zu buchen, wird mir der Kassenbeleg zum Unterschreiben auf die blanke Tischdecke gelegt.
Wertung: mangelhaft

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