Anzeige
Anzeige
Anzeige
StartBusiness & ManagementHoteltestHoteltest im Erbprinz Ettlingen::Adel verpflichtet  –  eigentlich

Hoteltest im Erbprinz EttlingenAdel verpflichtet  –  eigentlich


DI. 16/08, 13:20 – Check-in

 

Ist das der Hintereingang? Danach sieht das stattliche Portal, das vom Parkplatz ins Haus führt, gar nicht aus. Über grüne Granitstufen, flankiert von sehr pinkfarbenen Lilienarrangements, geht es nach oben, von dort leitet ein Schild nach rechts zur Rezeption. Erneut muss ich einige Stufen nehmen. Bis hierhin habe ich mein Gepäck getragen, von einem Portier/Pagen/Hausdiener war nichts zu sehen. Das bleibt auch während des ganzen Aufenthaltes so. An der klassisch in dunklem Holz gehaltenen Rezeption begrüßt mich Herr W. auf angenehm höfliche und doch lockere Art. Ein Willkommensschlückchen wäre jetzt angenehm, wird mir aber nicht angeboten. Nach den Anmeldeformalitäten trägt der distinguiert gekleidete Empfangsmitarbeiter mein Köfferchen einige Stufen nach oben, ab da begleitet mich eine – ebenfalls in Anzug mit Krawatte gewandete – Mitarbeiterin zum Zimmer. Unterwegs zeigt sie mir den Weg zum Fitnessraum und zum Spa. In Zimmer 132 lässt sie mich allein und wünscht einen schönen Aufenthalt. Zimmer 132 ist ein ziemlich kleines Einzelzimmer, das offenbar zu den »neuen« Zimmern gehört – mit Holzboden, buntem Teppich unter dem Einzelbett und verwegen gemusterter Tapete an einer Wand. Das Zimmer ist nett, aber: Das Öffnen der Tür zum französischen Balkon offenbart einen Blick auf braungebrannte, nackte Oberkörper. Daran ist im Prinzip nichts auszusetzen, aber die Oberkörper gehören zu Bauarbeitern, die auf dem Dach des gegenüberliegenden Gebäudes arbeiten, und zwar mit quietschender Kreissäge. Das gefällt mir gar nicht. Also zurück an die Rezeption. Herrn W. war gar nicht bewusst, dass dieses Zimmer zu einer Baustelle geht (»Wir haben im Moment so viele Baustellen im Haus«) und schickt mich mit einer Mitarbeiterin in ein anderes Zimmer. Dieses liegt nun direkt unter dem Dach, auf dem die Bauarbeiten stattfinden, was den Lärmpegel nicht geringer werden lässt. Das dritte gezeigte Zimmer nehme ich schließlich, es liegt »nur« zu den Straßenbahnschienen. Ich kann ja nicht ahnen, dass in Ettlingen die Straßenbahnen (gefühlt) die ganze Nacht fahren.
Wertung: gut

Zimmer 307

»Zeitlos. Klassisch. Elegant.« So lautet der Slo-gan des Hotels. Mit etwas Wohlwollen lässt sich auch mein Zimmer so beschreiben. Der Ausdruck »zeitgemäß« passt jedenfalls nicht. Cremefarbene Wände, ein rostrot-gemusterter Teppichboden und klassische Stilmöbel in – vermute ich mal – Kirschbaumholz. Das Bett 140 Zentimeter breit mit hohem Polsterrückenteil, darüber links und rechts zwei Messinglampen, falls doch einmal zwei Personen hier übernachten. Vor dem Bett ein gepolstertes Bänkchen. Links neben dem Bett eine Kommode mit geschwungenen Füßen, rechts ein runder Nachttisch und der Kleiderschrank. An der Wand gegenüber reihen sich ein Halbsessel, ein Tisch mit Mittelfuß, ein Minibarmöbel, auf dem der Flatscreen steht, und ein 110 Zentimeter breiter Sekretär, der, muss man in diesem Zimmer arbeiten, einen Schreibtisch nur unzureichend ersetzt. Vor dem bodentiefen Fenster rot-goldene Vorhänge, die tagsüber zur Seite geschlagen werden. Am Abend müssen sie als Verdunkelung ausreichen. Alle drei Bilder hängen schief und der schwarz-weiße Philips-Radiowecker mit iPhone-Docking-Station wirkt in dieser Umgebung wie von einem anderen Stern. Doch wenn wir die Tatsache außer Acht lassen, dass es hier kein wirklich bequemes Sitzmöbel gibt, lässt sich das Zimmer als recht behaglich charakterisieren. Auch lässt es sich klimatisieren, was bei den während meines Besuches herrschenden Temperaturen gar nicht hoch genug gewertet werden kann. Allerdings ist der Teppichboden in den Ecken und unter dem Bett schlecht gesaugt und auf den Bilderrahmen, der Garderobe und dem Schrank liegt fingerdick Staub. Im Schrank müssen sechs Holz- und ein Klemmbügel reichen, dem Bademantel fehlt eine Schlaufe und die Frotteeschlappen tragen kurioserweise die Aufschrift »Burghotel Schlitz«. In der Minibar finden sich halbe Flaschen Sekt und Champagner, badische Weine, regionales Bier, die üblichen Softdrinks und ein paar Spirituosen. Die Tafel Fedora Schokolade wird für 3 Euro angeboten, dabei hat man doch im hauseigenen Café so viel feinere Naschereien. Auch Paprika-Chips und Erdnüsse zeugen nicht von Originalität. Wein-, Wasser- und Bierglas sind nicht sauber poliert, der Kühlschrankboden ist richtig schmutzig. Ziemlich angeschmuddelt wirkt der Telefonhörer und er riecht auch so. Die Gästemappe auf dem Sekretär offenbart Briefpapier und Broschüren, die Room Service-Karte und ein nettes Büchlein mit der Hotelchronik. Notizblock und Kugelschreiber mit Hotellogo sind ebenso vorhanden wie eine Telefoninformation, ein TV-Programm und ein Aufsteller, der auf die bereits erwähnten Autos hinweist. Was allerdings schmerzlich fehlt, ist eine Gästeinformation. WLAN ist kostenlos und mit Eingabe des Wortes »Erbprinz« frei zugänglich. Als einziges Willkommen steht eine halbe Flasche Wasser bereit. Kein Obst, kein Pralinchen aus der hauseigenen Patisserie, nicht einmal ein Betthupferl gibt es für mich im Komfortzimmer. Und auch kein Begrüßungskärtchen. »Persönlich. Traditionsbewusst. Inhabergeführt« steht neben dem Porträt von Bernhard Zepf, dem Inhaber, in der goldfarbenen Hotelbroschüre. Das kommt so nicht zum Ausdruck. Das alles würde noch für ein »Befriedigend« in der Gesamtnote langen, doch die schlimmen Schweißränder auf dem Kopfkissen und die gelblichen Flecken auf dem Bettdeckeninlett gehen gar nicht.
Wertung: mangelhaft

Bad

Das Schönste an diesem Bad ist sein Fenster. Tageslicht in einem Hotelbad ist etwas Seltenes und Angenehmes. Grüner Granit und ein zartrosa Marmor zieren Boden, Waschtisch und die großzügige begehbare Dusche – Materialien, die dem Bad eine hochwertige Anmutung geben. Wände, Armaturen und Sanitärobjekte präsentieren sich in gutem Zustand, nur der Türrahmen ist an einer Seite über dem Boden aufgequollen. Wahrscheinlich das Resultat einer Duschüberschwemmung, denn es gibt keine Duschtür. Für Komfort sorgen ein Hocker, ein Haartrockner mit Stufenschaltung und ein höhenverstellbarer, beleuchteter Kosmetikspiegel. Schade, dass dieser so weit hinten montiert ist. Durch die Tiefe des Waschtisches ist er kaum zu erreichen und damit auch kaum zu nutzen. Während Hand- und Badetuch von guter Qualität sind, passen die schlichten Guest Supplies (zwei Flakons mit Duschgel und Body Lotion, eine kleine Seife, eine Duschhaube) nicht zum Fünf-Sterne-Superior-Standard. Genauso wenig wie die Ablagerungen unter dem Rand der Toilettenschüssel. In puncto Umweltschutz fällt auf, dass auf Hinweise zum sparsamen Gebrauch von Handtüchern verzichtet wird.
Wertung: gut

Newsletter-Registrierung

Topaktuell auf den Punkt gebracht!
Werktäglich berichtet der kostenlose Tophotel-Newsletter über aktuelle Ereignisse in der nationalen und internationalen Hotelwelt. Profitieren Sie von journalistisch hochwertiger Information und Inspiration für das tägliche Business.
ANMELDEN
Sie interessieren sich für Produktnews und technische Innovationen in der Hotellerie? Testen Sie auch unseren kostenfreien HOTEL+TECHNIK-Newsletter​
close-link