Einheitlich uneinheitlich Wie deutsche Hoteliers mit Urlaubern aus Gütersloh umzugehen haben

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Zum Start der Ferienzeit wird deutlich, dass Bund und Länder nicht ausreichend auf ein abgestimmtes Vorgehen bei neuerlichen Corona-Ausbrüchen in einzelnen Landkreisen vorbereitet sind. Zudem wird scheinbar viel Verantwortung an die Hoteliers abgetreten – sei es hinsichtlich des Herkunfts-Checks der Gäste oder des Storno-Managements.

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“EILMELDUNG: Gäste aus dem Landkreis Gütersloh dürfen nicht beherbergt werden.” Diese Nachricht erreichte gestern Mitglieder des Dehoga Bayern, der über einen aktuellen Beschluss der Landesregierung informierte. Demnach dürfen Beherbergungsbetriebe im Freistaat keine Gäste aus dem Raum Gütersloh und mittlerweile auch aus dem Landkreis Warendorf aufnehmen – es sei denn, diese verfügen über einen aktuellen Nachweis, dass sie Corona-negativ getestet wurden. Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen haben ähnliche Beherbergungsverbote erlassen. In Schleswig-Holstein müssen sich Reisende aus Corona-Risikogebieten wie dem Kreis Gütersloh in Quarantäne begeben. Einer DPA-Meldung zufolge sollen die Urlauber unverzüglich nach der Einreise ihre Wohnung oder eine andere geeignete Unterkunft beziehen, um sich dort 14 Tage zu isolieren.

Ganz anders agiert die Tourismusregion Sauerland: Man werde Gästen aus den massenhaft vom Corona-Ausbruch betroffenen Kreisen Gütersloh und Warendorf nicht den Urlaub in der Region verwehren. “Bei uns sind alle willkommen”, sagte Rouven Soyka, Sprecher von Sauerland-Tourismus, auf Anfrage der “Westfalenpost”. Die Branche habe dies mit der Politik so vereinbart. “Wir bitten alle Gäste im Sauerland einmal mehr, sich streng an die Hygiene- und Abstandsregeln zu halten”, sagte Soyka. “Aber wir wollen niemandem den Aufenthalt bei uns untersagen.” Wer Symptome verspüre, die auf eine Erkrankung hindeuteten, solle eigenverantwortlich von einem Urlaub absehen. Einzelne Betreiber von Unterkünften könnten jedoch von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und bestimmte Urlauber ablehnen.

“Gäste, Gastgeber und Reiseregionen brauchen dringend Klarheit”

Kommt ein neuerlicher Flickenteppich auf die deutsche Hotellerie zu? Es hat ganz den Anschein; zumindest fordern Politiker aus Schleswig-Holstein bereits eine bundeseinheitliche Lösung. Dafür macht sich auch der DTV stark: „Bund und Länder müssen sich unverzüglich auf ein abgestimmtes Vorgehen bei neuerlichen Corona-Ausbrüchen verständigen. Die Gäste, Gastgeber und Reiseregionen brauchen jetzt dringend Klarheit“, sagt Geschäftsführer Norbert Kunz.

Für die Hoteliers ist die Lage einmal mehr unübersichtlich: In Bayern beispielsweise müssen die Gastgeber künftig bei jedem Gast wissen, aus welchem Landkreis dieser kommt. Kurz vor der Anreise müssen die Hoteliers dann die aktuellen Corona-Zahlen des Robert-Koch-Instituts abfragen. Die Gäste müssen dann gegebenenfalls nach einem negativen Corona-Test gefragt oder schlussendlich abgewiesen werden. Ein ebenso aufwendiges wie unschönes Szenario. Zudem: Wie verhält es sich bei Gästen aus dem EU-Ausland, wo sich die Nachverfolgung sehr viel schwieriger gestalten wird?

Hotels als Quarantäne-Quartier?

Darüber hinaus müsse nach Ansicht des DTV ausgeschlossen werden, dass Ferienwohnungen oder Hotels in den Reiseregionen für Quarantäne genutzt werden. Es sei für den Gesundheitsschutz besser, wenn klare Regelungen und Vorgaben auf der Ebene der von Corona-Ausbrüchen betroffenen Regionen erfolgen.

Gleiches trifft auf die damit in Zusammenhang stehenden Stornierungen zu, denn auch hier gibt es kein klares Szenario. So will nicht nur Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Dehoga Bayern, seitens der Politik geklärt wissen, wer die Kosten für Stornierungen und Verdienstausfall übernimmt. Man warte noch auf die Verordnung mit den genauen Details, teilte Geppert dem Bayerischen Rundfunk mit.

Landrat übt scharfe Kritik

Nicht vergessen werden dürfen in der gesamten Causa die Urlauber aus dem Raum Gütersloh, die unverschuldet ist diese Lage gekommen sind. Entsprechend verstimmt reagierte der Landrat des Kreises Gütersloh auf das bayerische Beherbergungsverbot. “Das halte ich für eine ganz schlimme und stigmatisierende Behandlung der Bürgerinnen und Bürger des Kreises Gütersloh, die ich so nicht toleriere”, erklärte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU).

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