Hotelaktien 12.2012Ein neuer Hochseilakt


Europa

Dass Europa nicht flächendeckend von Rezession heimgesucht wird, zeigt die Türkei: Hier ist die Entwicklung des Tourismus positiv. Die Zahl der ausländischen Reisenden ist im Oktober um 0,37 % auf 3,05 Mio gestiegen. Für die ersten zehn Monate wird ein Anstieg um 0,5 % auf 38,5 Mio gemeldet.

Anzeige

An Europas Aktienbörsen sorgte das angebliche Begehren der Private-Equity-Gruppe KKR zur Übernahme einer 15,7%igen Beteiligung an der wegen hoher Verschuldung von rund 1 Mrd € schwankenden NH Hoteles für Aufmerksamkeit. KKR und NH Hoteles wollten sich zu den Gerüchten nicht äußern. 2011 waren Verhandlungen zwischen NH Hoteles und HNA über eine Kapitalspritze der Chinesen gescheitert. Die Spanier hatten Anfang des Jahres in Verhandlungen mit Kreditgebern eine Refinanzierung von 76% ihrer Schulden erreicht. Jetzt heißt es an der Börse in Madrid, KKR könnte jene 15,7% an Aktienkapital übernehmen, die die BFA Bankia hält. Auch sollen andere spanische Sparkassen wie Ibercaja und Kutxa daran interessiert sein, ihre 12% ausmachende NH-Beteiligung zu verkaufen.

Der Einfluss von Währungsentwicklungen auf das Hotelgeschäft wird an der Börse oft unterschätzt. Darauf verweisen Schweizer Analysten bei der Begutachtung der jüngsten Zahlen der Sunstar-Gruppe. Diese war in der Sommersaison 2012 den Folgen des starken Schweizer Franken ausgesetzt: Die Übernachtungen schrumpften um 17, der Umsatz um 16% – eine Folge der sinkenden Nachfrage von Gästen aus EU-Ländern und Großbritannien. »Der aktuelle Buchungsstand für den kommenden Winter und die nächste Sommersaison liegt hingegen beträchtlich über dem Vorjahr«, sagt das Sunstar-Management.

Man strebe weltweit nach Expansion, erklärte Denis Hennequin, Chairman und Vorstandschef von Accor. Das Hotelportfolio der Franzosen soll jährlich um rund 5000 Hotelzimmer erweitert werden. Einen Mangel an Kapital sieht der Top-Manager für sein Unternehmen nicht. Dies unter anderem deshalb, weil eine Kreditlinie in Höhe von 1,7 Mrd € zur Verfügung stehe.

Nordamerika

Die US-Tourismusbranche trotzt der globalen Krise. Nach Angaben von David Huether (US Travel Association) ist die Zahl der Inlandsreisen in diesem Jahr um 1,8 auf 2,05 Mrd gestiegen. Huether geht jedoch davon aus, dass die Zahl der Reisen 2013 wegen einer geringeren Anzahl von Geschäftsreisen nur um 1,1% steigen wird. Positiv dürfte sich die Zahl der in die USA reisenden Ausländer entwickeln. Hier wird für 2013 ein Anstieg um 4% (2012: plus 3,8%) erwartet. Nach Angaben von Smith Travel Research ist die Zahl neuer Hotelzimmer in den ersten neun Monaten um 0,4% gewachsen, die Nachfrage um satte 3,0%. Hierdurch stieg der RevPAR um 7,3 %. Dieser positive Trend hat sich im Oktober nur leicht abgeschwächt; die Auslastung kletterte um 2,4 auf 64,4 %. Der durchschnittliche Zimmerpreis erhöhte sich um 4,2 % auf 109,67 $, sodass der RevPAR im Oktober um 6,7% höher bei 70,62 $ lag.

Das Finanzhaus Jefferies hat Starwood und Marriott in seine Beobachtungslisten aufgenommen. Der Analyst Ian Rennardson stuft die Starwood-Aktie mit »kaufen« ein. »Insgesamt sehen wir den zyklischen Höhepunkt im Hotelsektor näher kommen«, so Rennardson. Der Markt ignoriere noch immer den Unterschied der Geschäftsmodelle in der Hotellerie, nämlich dem Franchise-Modell und dem Modell realer Hotelimmobilien-Besitzer. »Wir bevorzugen Starwood, weil hier bereits das Asset-Light-Modell umgesetzt wird«, heißt es. In Europa favorisieren die Fachleute die Accor-Aktie. Bei Jefferies wird für 2013 mit einer Verlangsamung des globalen RevPAR-Wachstums auf 4 bis 5 % gerechnet.

Bei der als Übernahme-Kandidat im Scheinwerferlicht der Finanzmärkte stehenden Strategic Hotels & Resorts mit Sitz in Chicago ist es zu Veränderungen im Management gekommen. Vorstands­-chef Laurence Geller, der das Unternehmen seit der Gründung 1997 leitete, hat nach enttäuschenden Geschäftszahlen seinen Hut genommen. »Gellers Rückzug hat die Übernahme-Fantasie entfacht«, sagte Smedes Rose vom Finanzhaus KBW. Als potenzielle Käufer kommen nach Auffassung der Analysten von Raymond James Financial sowohl Private- Equity-Unternehmen als auch börsennotierte Hotel-REITs wie Host Hotel & Resorts infrage. Der neue Vorstandschef Rip Gellien sagte, er sei mit Blick auf das Potenzial seines Unternehmens »recht optimistisch«.

Anzeige