Hotelaktien 12.2012Ein neuer Hochseilakt

Ende des Jahres gleicht die Situation in der Realwirtschaft und an den Börsen einem Hochseilakt; es wird befürchtet, dass dieser in einem Debakel endet. Vor allem fehlende ­Lösungen in der globalen Schuldenkrise sorgen für Nervosität. Die Notenbanken versuchen weiter, die Rolle des Weltretters zu spielen und großzügig billiges Geld zur Verfügung zu stellen. Ob das Vertrauen der Anleger in diese Politik erhalten bleibt, ist offen. 2013 wird für Anleger anspruchs-voll – die Aktienkurse dürften nach beiden Seiten stark schwanken. Hotel- und Tourismusaktien sollten eine überdurchschnittliche Entwicklung aufweisen.

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 Für 2013 sind viele Wertpapier-Analysten mit Blick auf die Hotelbranche zuversichtlich. In diese Kerbe schlagen auch Experten der World Tourism Organization und des Consulting-Unternehmens IPK International, denen zufolge vorsichtiger Optimismus für den Tourismus im kommenden Jahr angebracht ist. Offensichtlich kann die weltweite Krise den Menschen die Lust am Reisen nicht verleiden. Die Fachleute gehen davon aus, dass die Zahl der internationalen Ankünfte von Reisenden 2013 zwischen 2 und 4 % zunimmt. »Noch nie zuvor in der Geschichte sind so viele Menschen verreist wie 2012. Und noch nie haben die Menschen über so viel Geld verfügt wie in diesem Jahr«, sagt IPK-Präsident Rolf Freitag. Nach Schätzungen von IPK International wird die Zahl der Reisen in diesem Jahr um 2,5 % auf 6,8 Mrd steigen.

Die RevPAR-Kennziffer des weltgrößten Hotelmarktes – der USA – legt nach Prognosen der Fachleute von STR, PKF und PwC 2013 um rund 5,6 % zu. Das Angebot an neuen Hotelzimmern dürfte um 0,8 %, die Nachfrage nach Zimmern zugleich um 1,5 % zunehmen. Dies wiederum ermöglicht es Hotels, die Zimmerpreise auf hohem Niveau zu halten oder sogar anzuheben.

Deutschland

Für das Reiseland Deutschland ziehen die Tourismus-Fachleute von IPK International mit Blick auf 2012 eine positive Bilanz. Nach den USA (56 Mio Besucher) und Spanien (51 Mio Gäste) rangiert Deutschland auf Platz drei in der Liste der beliebtesten Reiseziele; mit 48 Mio Besuchern liegt es vor Frankreich, Italien und China. Dieser Trend wird durch aktuelle Destatis-Zahlen bestätigt. Im September gab es in deutschen Beherbergungsbetrieben insgesamt 41,5 Mio Übernachtungen in- und ausländischer Gäste. Dies waren 4% mehr als im gleichen Vorjahresmonat. Während der ersten drei Quartale stieg die Zahl der Gästeübernachtungen um 4% auf 320,3 Mio. Die Unternehmen des Gastgewerbes setzten laut Destatis von Januar bis September nominal 2,7% und real 0,6% mehr um als in den ersten neun Monaten 2011.

Mit positiven Nachrichten wartet Hotel.de auf. Das Online-Portal steigerte in den ersten neun Monaten 2012 den Umsatz um 13,6% auf 34,70 Mio €. Hierfür war u.a. die im März  durchgeführte Erhöhung der Standardprovision für Einzelhotels von 12 auf 15% ursächlich. Die Umsatzerlöse stiegen im dritten Quartal 2012 – trotz eines praktisch unveränderten provisionsfähigen Netto-Abreisevolumens – um 11,6% auf 12,91 Mio €. In den ersten drei Quartalen 2012 hat das Unternehmen stark in den Ausbau und die Internationalisierung des Geschäftsmodells investiert.

Die Air Berlin hat im dritten Quartal einen Umsatz von 1,395 Mrd € (nach 1,375 Mrd €) erzielt. Das Ergebnis je Aktie betrug 0,57 € nach 0,36 €. Das Unternehmen sitzt aber auf einer satten Nettoverschuldung von 853,2 Mio €. Wohl deshalb berichtet es über fortgeschrittene Verhandlungen mit einem Investor über den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung am Vielfliegerprogramm »topbonus«. Die Transaktion soll Ende 2012 abgeschlossen sein.
Verwirrt regierten Akteure an der Frankfurter Börse auf die Ankündigung der Fraport AG: Der Vorstand hält am »Ausblick für das Gesamtjahr fest«, reduzierte aber zugleich die Umsatzerwartung. Obwohl streikbedingt ca. 3340 Flüge in Frankfurt ausfielen, wurde für diesen Standort im dritten Quartal ein ­Pas-sagierzuwachs von 3,3% gemeldet.
Die Neunmonatszahlen 2012 der Deutsche Lufthansa AG fielen deutlich besser aus als erwartet. Mit einer Umsatzrendite von 7,8% wurde der Vorjahreswert deutlich übertroffen. Jedoch haben Währungseffekte das Ergebnis »geschönt«. Analysten sprechen allerdings von einem unbefriedigenden wirtschaftlichen Umfeld; die Stilllegung von 34 Flugzeugen soll den Konzern zukunftstauglich machen.

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