Hotelaktien 1-2.2014Die Optimisten dominieren

Die Touristik bleibt eine Wachstumsbranche, sind sich Top-Manager von Hotelketten, Ökonomen und Analysten einig. Ungeachtet der schuldenbedingt anhaltend geringen Wachstumsraten in der Weltwirtschaft gelten Investments in der Hotelbranche als aussichtsreich. An den Wertpapierbörsen wurde dies im vergangenen Quartal durch höhere Hotel-Aktienkurse reflektiert. Realisten warnen vor dem durch Inkaufnahme von Staatsschulden »geborgten Aufschwung«. Optimisten glauben jedoch, dass anhaltend billiges Geld die Weltwirtschaft auf Trab halten wird.

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Tourismus- und Hotelaktien sind auch interessant, weil es an Anlage-Alternativen mangelt und die Touristik von der Globalisierung der Weltwirtschaft profitiert. Allerdings ist an den Aktienbörsen hinlänglich bekannt, dass es dann Zeit wird, peu à peu auf die Seite der Pessimisten zu wechseln, wenn die Optimisten immer mehr die Oberhand gewinnen. Noch allerdings sind die Fundamentaldaten für die Hotelbranche positiv – auch für das laufende Jahr. »Die Nachfrage nach Hotelzimmern war weltweit noch nie zuvor in der Geschichte so hoch wie derzeit«, sagt William Crow, Hotel-Analyst des US-Finanzhauses Raymond James & Associates, der die Hotellerie nach wie vor als einen der interessantesten Wachstumsmärkte überhaupt sieht. Im Jahr 2013 ist die Nachfrage nach Hotelzimmern um rund 2 % gestiegen und für das laufende Jahr erwarten die Fachleute eine Fortsetzung dieses positiven Trends.

Auch in diesem Jahr dürften immer mehr Touristen und Geschäftsreisende rund um die Welt touren, sind sich die Analysten von Raymond James & Associates sicher. Das Potenzial ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft, sagt Top-Analyst Bill Crow. Vor allem in den Entwicklungsländern befindet sich der Hotelmarkt noch in einem frühen Stadium, wie ein Vergleich der Angebotssituation zeigt. Während in den USA auf 1000 Einwohner rund 15,7 Hotelzimmer entfallen, liegt diese Zahl in China bei 1,2 Zimmern, in Brasilien bei 1 und in Indien lediglich bei 0,2 Zimmern.

Daraus allerdings schließen zu wollen, die Hotelbranche in westlichen Industrieländern verfüge über weniger Potenzial, wäre eine leichtfertige Annahme. Denn vor allem in China ist die Reiselust der Menschen ungebrochen, wobei populäre Metropolen des Westens wie New York, Los Angeles, Paris, London, Berlin oder auch Las Vegas das Ziel sind. In diesen Städten sind die großen international ausgerichteten börsennotierten Hotelketten bestens vertreten, sodass auch sie einen großen Teil des Kuchens abbekommen werden.

Chinesische Touristen und Geschäftsreisende dürften für die Hotelgesellschaften auf dem Globus die Zielgruppe der kommenden Jahre sein. Aktuellen Zahlen von Forschungsinstituten zufolge ist der asiatisch/pazifische Tourismusmarkt bereits jetzt der größte regionale Markt vor Nordamerika und Europa. Allein China brachte es rund um das Thema Reisen und Touris-tik im Jahr 2012 auf einen Umsatz von rund 95 Mrd US-$; diese sollen Schätzungen zufolge in Zukunft um ein Drittel ansteigen. Im Jahr 2013 waren mehr als 250 Mio Chinesen als Touristen oder Geschäftsreisende unterwegs. Diese Zahl dürfte sich – eine stabile globalpolitische Landschaft vorausgesetzt – bis zum Jahr 2020 in etwa verdoppeln.

Deutschland & Europa

Die Rückkehr zur Dividendenfähigkeit hatte das Management der TUI AG als klares Unternehmensziel definiert. Dieses Ziel ist nach einem besser als erwartet ausgefallenen Geschäftsjahr 2012/13 inzwischen erreicht. Europas größter Tourismuskonzern schüttet erstmals seit dem Jahr 2007 wieder eine Dividende aus. Die Aktionäre erhalten 0,15 € je Aktie. Vorstandschef Friedrich Joussen zeigt sich erfreut: »Wir halten, was wir versprechen: Wir schaffen Wert für die Aktionäre und machen TUI zu einem attraktiven Investment und bieten zudem sichere Arbeitsplätze für die Mitarbeiter.« Der Umsatz stieg im Berichtszeitraum von 18,3 auf 18,5 Mrd €, das operative Ergebnis stieg um 2 % auf 762 Mio €. Die Nettoverschuldung fiel von 178 Mio auf 68 Mio €. Für 2013/14 zeigt sich Joussen positiv. Der Umsatz, so sagt er, dürfte um 2 bis 4 % und das operative Ergebnis um 16 bis 23 % steigen.

Rekorde waren im vergangenen Jahr bei der Deutsche Lufthansa AG angesagt. Denn in der Gruppe hat das Unternehmen im Jahr 2013 die sogenannte Verkehrsleis-tung im Passagiergeschäft – gemessen in verkauften Passagierkilometern – um 2,3 % auf 209 Mrd gesteigert. Hierfür war nicht zuletzt der Einsatz größerer Flugzeuge und eine bessere Auslastung der Maschinen ursächlich. Die Auslastung stieg im Konzern leicht um einen Prozentpunkt auf 79,8 %.

Lufthansa, Germanwings, SWISS und Austrian Airlines beförderten 2013 mehr als 104 Mio Fluggäste. Dies entspricht einem Plus von rund 1 %. Aktuelle Geschäftsergebnisse für 2013 wurden noch nicht veröffentlicht.

Die Zahl von an deutschen Wertpapierbörsen notierten Hotel- und Touristikaktien hat sich weiter reduziert. Denn die Aktie der Hotel.de AG mit Sitz in Nürnberg ist nach der im vierten Quartal 2013 erfolgten Übernahme durch die HRS Group und einer dabei erfolgten Barabfindung an die Minderheitsaktionäre nicht mehr länger an deutschen Börsen notiert.

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