Hotelaktien 1-2.2013Die »neue Normalität«

Das Börsenjahr 2013 wird erfolgreich: Die Weltwirtschaft bleibt auf Wachstumskurs, eine weltweite Rezession wird vermieden – darin sind sich die meisten Analysten einig. Dabei ignorieren sie allerdings das ungelöste Schuldenproblem in den USA und in Europa. Die meisten Ökonomen sind bereit, diese Situation als »neue Normalität« zu akzeptieren und die Risiken zu verdrängen – von daher sind die Erwartungen an den Aktienbörsen besonders groß.

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Kapitalanleger sollten wissen, dass die Notenbanken in Europa, den USA und Japan ihre »Geldpolitik der Unvernunft« fortsetzen, indem sie dem Markt billiges Geld zur Verfügung stellen. Hinzu kommt, dass sie massiv Staatsanleihen aufkaufen und somit auf unverantwortliche Weise Geld kreieren. Die Regierungen wollen ihre Schulden nicht nur durch Notenbanken finanzieren, sondern sie auch in den zu diesem Zweck gegründeten Rettungsvehikeln ESM und EFSF »verstecken«. Ziel ist es, diese Schulden auf Dauer zu inflationieren. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld werden besonders Hotel- und Agraraktien beste Chancen zugebilligt.

Fantasie für Hoteltitel kommt vor allem durch die Reiselust in Asien: Experten schätzen, dass in diesem Jahr 64 Mio Chinesen ins Ausland fahren. Auch von den Indern werden entsprechende Impulse erwartet. Indiens Tourismus- und Hotelbranche will auch auf dem heimischen Markt wachsen; bisher liegt der Anteil des Tourismus bei 6 % des Bruttoinlandsprodukts. »Diese Zahl kann nur steigen«, sagt David Scowsill vom World Travel and Tourism Council.

Obwohl die Zahl der neu errichteten Hotelzimmer 2012 laut Smith Travel Research weltweit um 197.173 gestiegen ist, rechnen Wertpapier-Analysten nicht mit einem Rückgang der Zimmerpreise. Grund: Die Nachfrage dürfte stärker als das Angebot wachsen. Dies gilt vor allem für Asien, wo 82.500 neue Hotelzimmer entstanden sind.

Asien wird 2013 nach Meinung der Experten von American Express auch der große Gewinner im Kongress-Tourismus sein. Die Umsätze dürften um 4,2 % über dem Vorjahr liegen, während für den amerikanischen Kontinent mit einem Rückgang von 1 % und für Europa um 6 % gerechnet wird.

Deutschland & Europa

Der seit Jahren anhaltende Tourismus-Boom soll eine breitere Basis bekommen: Das Bundeswirtschaftsministerium will ländliche Regionen stärken und in den ­oft strukturschwachen Gebieten neue Arbeitsplätze und Einkommen schaffen.

Ein großes Thema an der Frankfurter Börse war die geplante Fusion der TUI mit deren 56,4 %-iger britischer Tochter TUI Travel, die in regelmäßigen Abständen an den Aktienmärkten diskutiert wird. Ein Zusammenschluss könnte Europas größtem Reisekonzern Einsparungen in Höhe von bis zu 500 Mio € bescheren, hieß es von Insidern in Hannover. Wertpapier-Analysten bezifferten das Sparpotenzial allerdings nur mit 100 bis 150 Mio €.

»Wachstum im Jahr 2013« lautet die Zielvorgabe für Travel Viva nach einem erfolgreichen Vorjahr. Dies auch deshalb, weil es sich mit 49 % am Münchner Touristikunternehmen Travel Overland beteiligt. Davon verspricht sich Travel Viva einen Ausbau der Marktpräsenz. Vorstand Oliver Trompke erklärte, man sei mit dieser Beteiligung dem Ziel, zu den Top 3 im deutschen Markt zu gehören, einen bedeutenden Schritt näher gekommen.

Der Konsolidierungsprozess in der Online-Touristikbranche setzt sich fort, denn Expedia hat für 632 Mio $ eine 61,6 %-ige Beteiligung an trivago erworben. Expedia-Chef Dara Khosrowshahi erklärte, er kön-ne sich durchaus vorstellen, dass man trivago in fünf Jahren wieder ausgliedern und als eigenständiges Unternehmen an die Börse bringen könne.

Das Management der Design Hotels hat sich zur Abschreibung einer Forderung in Höhe von 400.000 € entschlossen, die man offensichtlich nicht mehr eintreiben kann. Man werde daher das angestrebte Ziel einer deutlichen Verbesserung des Bruttoergebnisses nicht erreichen, sagte Vorstandschef Claus Sendlinger.

Accor hat ihre Aussagen über die für das Jahr 2012 gesteckten Umsatz- und Ertragsziele bestätigt. Die Umsätze des Unternehmens stiegen nach vorläufigen Angaben um 2,7 % auf 5,57 Mrd €. Der Bruttogewinn wird nach neuen Schätzungen zwischen 510 und 530 Mio € liegen; 2011 hatte Accor 515 Mio € verdient.

Ehrgeizig sind die Pläne der französischen Louvre Hotels Group, die 2012 ­70 Hotels eröffnet hat. Die Gruppe ist inzwischen mit 1100 Hotels in 42 Ländern tätig. Immerhin 48 der 70 neuen Häuser entstanden außerhalb des Heimatmarktes. Für dieses Jahr strebt die Gruppe die Eröffnung von bis zu 85 neuen Hotelanlagen an, davon rund drei Viertel außerhalb Frankreichs.

Die Aktie von NH Hoteles war an der Börse in Madrid zeitweise stark gefragt, nachdem die Private-Equity-Gruppe KKR erklärt hatte, Wandelanleihen des Unternehmens kaufen zu wollen, die zur Umwandlung in NH-Aktien berechtigen. Das mit rund 1 Mrd € verschuldete Hotelunternehmen hatte in den vergangenen Monaten versucht, Vermögenswerte zu verkaufen, um die Schuldenlast zu reduzieren.

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