Die nächsten Lieblingsplätze

2 Bargespräche: Motel One rückt die Bar noch stärker in den optischen und kommunikativen Mittelpunkt der One Lounges. In allen Häusern Deutschlands und Österreichs gibt es seit diesem Jahr eine neue Gin Karte. (Bild: Motel One)

Mit immer neuen und überraschenden Konzepten umwerben vor allem die jüngsten Design- und Konzept-Hotels ihre Gäste. Neben stets effizienteren Zimmern und Flächenprogrammen sind es vor allem die flächen- und funktionsoptimierten öffentlichen Hotelbereiche, mit denen moderne Marken Antworten auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse von Gästen und auch Investoren suchen. – von Olaf Steinhage

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Nach Jahren der Konzentration auf „Limited-Service“ und „Flächeneffizienz“ waren es hierzulande vor allem die 25hours Hotels, die erkannten, dass „Lobby“ mehr kann und muss, als „Wartehalle“ zu sein. Und dass Gastronomie keine „Kostenstelle“, sondern ein ganz wesentliches Element zur Kundenbindung und Positionierung eines Hauses gerade in der Stadt ist – mehr Club und Treffpunkt für eine wohldefinierte Zielgruppe als günstige Übernachtungsmöglichkeit! Vorreiter dieses Trends im Hotelbau war auch das 2004 in Hamburg eröffnete „East“ – mit einem damals wie heute geradezu verschwenderisch anmutenden Restaurant.

Aber was steckt hinter all diesen Ideen und Versuchen, wie sieht die Lobby in fünf Jahren aus? Auf der Suche nach den Hintergründen und Treibern dieser Entwicklung stößt man sehr schnell auf mehrere Faktoren: Zum einen die Erwartungshaltung des Gastes, zum anderen die Anforderungen von Eigentümern und Investoren. Dazu kommt eine rasante technische und gesellschaftliche Entwicklung.

Für die Investoren waren die letzten Jahre stark von einer Konzentration auf die sogenannten Budget- oder Economy-Produkte geprägt. Bei einem Flächenschlüssel von etwa 30 Quadratmeter Bruttogeschossfläche pro Zimmer blieb kaum Raum für raum- und kostenintensive Küchen-, Gastronomie- und Lobbybereiche. Und so wurde aus der Not der ­„Coffee to go“ oder die Bäckerei gegenüber. Und die Lobby zwangsläufig zu einer Check-in/Check-out-Zone degradiert. Der Rentabilität des Hauses tat das gut, und Konzepte wie MotelOne zeigen bis heute, wie attraktiv diese Form des Hotelinvestments sein kann.

Kundenbindung und Positionierung reduzierten sich auf den Preis – die Folge war und ist eine Schraube aus Flächeneffizienz und Preispolitik. Parallel verdichtete sich die Zuteilung dieser Hotelprodukte in den (auch immobilienwirtschaftlichen) Zentren der Metropolen – mit entsprechendem Druck auf die Pachten, und damit auch auf Zimmer-Preise und Umsatz. Plötzlich waren Erdgeschossflächen doppelt teuer – und frische Ideen gefordert. Die Antworten finden wir in den neuen Konzepten fast aller Hotelmarken, allerdings in unterschiedlichen Ausprägungen.

Während sich die klassische Budget- oder Economy-Hotellerie wie Premier Inn, Holiday Inn Express oder Moxy auch weiterhin auf hohe Flächeneffizienz und flächenoptimierte Open-Lobby-Konzepte sowie Partnerschaften mit etablierten Coffee-Shops oder attraktiven Barkonzepten – wie jetzt auch neu bei Motel One – konzentrieren, entsteht daneben eine neue Klasse von Hotels, die standort- (authentisch) und zielgruppenspezifisch unique Konzepte entwickelt.

Hier finden sich die Trendsetter der Branche, mit attraktiven Gastronomieangeboten nicht nur für Hotelgäste, mit Bars über den Dächern der Stadt, mit eigenen Bäckereien im Hotel, mit coolen Arbeitsplätzen für die modernen Nomaden und die Kreativen der Stadt – sowie hochwertigen, wenn auch in der Regel kleinen Zimmerprodukten. Diese Häuser erwirtschaften dann auch wieder Umsätze und Ergebnisse, die sie als Investment interessant werden lassen. Als erfolgreiche Marken sind insbesondere die ACE-Hotels, CitizenM, SohoHouse, 25hours oder auch Hoxton zu nennen.

Was dürfen wir noch erwarten? Zum einen ist da die Ferienhotellerie, die ganz sicher Elemente dieser neuen Konzepte übernehmen und adaptieren wird. Auch dort dürfen wir auf lässige Gastronomie- und Livingkonzepte gespannt sein. Zum anderen stehen wir erst am Anfang der Digitalisierung – vielleicht wird die nächste Restaurantidee im Economy-/Budgetsegment eine digitale – mit den besten Sushi, Pasta, Tapas, Burgern der Online-Lieferdienste der Stadt?

Olaf Steinhage

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