GM D-Hotel Maris TürkeiDer Perfektionist

Mit dem Ende April eröffneten Luxushotel will Alexander Regelmann neue Akzente an der Marmaris-Küste setzen. Aus dem ehemaligen Robinson-Club ist ein Hoteltraum für Wassersportler und Sonnenanbeter geworden. Hinter dem Projekt steht eine türkische Aktiengesellschaft, für die das Hotel-Business zwar Neuland ist, die aber viel vorhat.

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Vom Green Hill will Alexander Regelmann die einmalige Aussicht auf die türkischen und griechischen Inseln zeigen, die wild verstreut im klaren, blauen Wasser liegen. Aber kaum hat der GM des D-Hotel Maris den Rasen betreten, entdeckt er Lautsprecherboxen, die nicht angeschlossen sind. Kabel strecken ihre bunten Köpfe wirr in die Luft. Er macht ein Foto mit seinem Handy und schickt es an seinen Technik-Manager, damit die Sache schnellstmöglich in Ordnung kommt. »Ich bin Perfektionist. Absolut.« Noch kämpft Regelmann mit Kinderkrankheiten und kleinen Nachlässigkeiten, schließlich wurde das Luxusresort an der türkischen Ägäis erst Ende April eröffnet. Die Preise der 202 Zimmer und Suiten beginnen in der Nebensaison bei 180 Euro pro Nacht für zwei Personen, klettern aber schnell über die 1000-Euro-Marke. Villa und Präsidentensuite spielen in einer anderen Liga, unter 2500 Euro ist da nichts zu machen. Fast zwei Jahre hat es gedauert, um den ehemaligen Robinson-Club in einen Urlaubstraum für Wassersportler und Sonnenanbeter zu verwandeln. Fünf hoteleigene Strände mit weißem, aus Ägypten angekarrten Sand leuchten zwischen den rötlichen Felsen der großen Bucht. Auf dem Wasser schaukelt die Motorjacht des Hotels. Die Besatzung der Segeljacht, die gerade mit Gästen von einem Ausflug zurückkommt, macht die Schotten dicht. Zum exklusiven Inventar gehören auch ein Wasser­- flugzeug und ein Helikopter; im Hotel befindet sich ein edles Spa. Beeindruckend sind aber auch die mehr als 100.000 Quadratmeter Natur mit Pinienwäldern und schroffem Gestein, bewachsen mit Kakteen und Blumen. Mittendrin sitzen chinesische Seidenhühner, die hier freilich nicht heimisch sind. Regelmann hat sie angeschafft, damit sie Mückenlarven aus der Erde picken. Der General Manager hat nur diese Art akzeptiert. »Andere Hühner würden überall den Boden aufscharren«, sagt Regelmann. Jetzt hält er doch kurz inne und genießt, wie die Strahlen der untergehenden Sonne ein letztes Mal übers Meer leuchten. Eine halbe Minute lässt er den Blick schweifen, dann ist er mit den Gedanken wieder ganz beim Hotel, erklärt, wo der Mitarbeiter-Strand liegt und zeigt die letzte Baustelle des Areals, auf der eine Auto-Waschstraße als Service für die Gäste entsteht. Der 33-Jährige kann gar nicht mehr aufhören zu erzählen.

Kein Wunder, schließlich sorgt das Hotelprojekt nicht nur in der Türkei für Aufsehen. Außerhalb Istanbuls findet man kaum Häuser mit vergleichbarem Standard. In der Regel werden diese von internationalen Ketten betrieben, die über Jahrzehnte lange Erfahrung und das entsprechende Know-how verfügen. Und jetzt kommt mit der Dog˘us¸ Holding eine türkische Aktiengesellschaft, die zwar finanzstark ist und 126 Firmen mit mehr als 30.000 Mitarbeitern zu ihrem Imperium zählt, mit Hotellerie bisher aber nichts am Hut hatte. In der Schublade liegen sogar Pläne, eine eigene Hotelsparte zu etablieren. Und der Mann, der alles regeln soll, heißt Regelmann. In seiner Karriereplanung war das so nicht vorgesehen. Er erinnert sich gut an ein Gespräch mit Oliver Eller, damals GM im Ritz-Carlton Moskau, wo Regelmann bei seiner letzten Station die Bar im obersten Stock leitete. »Wir haben besprochen, wie ich mich entwickeln will. Ich hatte keine Ambitionen, Ritz-Carlton zu verlassen.« Dann lud ihn Ferit S¸ahenk, ein Gast, den er schon lange kannte, in die Türkei ein und präsentierte ihm seine Idee. »Wir flogen zur Marmaris-Küste, er zeigte mir die Bucht und das Hotel und fragte: ›Was können wir daraus machen?‹.« Natürlich wusste Regelmann, dass S¸ahenk der starke Mann einer Holding ist, ein guter Geschäftsmann mit Gespür für Erfolg. »Wir lagen schon immer auf einer Wellenlänge, aber ich wusste nicht, was er mit mir vorhatte.« Die »Vision« habe ihn dennoch sofort überzeugt. »Wann bekommt man wieder die Chance, etwas von Grund auf aufzubauen?« Kurz vor Weihnachten 2009 kam Regelmann mit Sack und Pack in die Türkei und trat seine erste Stelle als GM an.

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