Hotelaktien 4.2013Der Faktor Liquidität

An den Aktienmärkten wurde die durch die Zypern-Ereignisse erneut an die Oberfläche gespülte Euro-Krise nur kurz als Störfaktor wahrgenommen.

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Vor allem die zunehmende Reiselust von bisher nicht zu den Top-Touristen zählenden Chinesen und Indern sorgt für eine Menge Fantasie. Analysten rechnen damit, dass die Nachfrage nach Hotelzimmern in den kommenden Jahren weltweit stärker steigen wird als das Angebot, sodass die Hotelunternehmen vermutlich in der Lage sein werden, höhere Preise am Markt durchzusetzen. So haben Fachleute errechnet, dass sich im asiatisch-pazifischen Raum derzeit rund 1780 neue Hotels mit etwa 380.000 Zimmern in der Pipeline befinden. Im stärker gesättigten europäischen Markt werden nach Berechnungen von Smith Travel Research  850 neue Hotels mit 140.000 Zimmern geplant und im Mittleren Osten/Afrika liegt die Zahl der avisierten neuen Hotels bei 490 Anlagen mit etwa 120.000 Zimmern.

Deutschland & Europa

Gute Nachrichten für die deutsche Hotelbranche: Das Gastgewerbe hat im Januar nominal 2,8 % und real 0,3 % mehr umgesetzt als im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Umsatz im Beherbergungsgewerbe lag nach Angaben von Destatis nominal 3,6 % und real 1,0 % höher als im Vorjahresmonat.

Ausländische Großinvestoren zeigen verstärktes Interesse am europäischen Hotelmarkt. Das gilt sowohl für Private-Equity-Unternehmen als auch für Real Estate Investment Trusts aus den USA, die auf hohen Barmitteln sitzen. Nach Andreas Gravenhorst von Clifford Chancen haben auch russische Kapitalanleger einen Blick auf Europa geworfen. Sie seien bereit, für Top-Adressen Preisaufschläge zu zahlen. Rekordniedrige Zinsen gelten als treibende Kraft hinter dem Interesse der Anleger.

Katalysator der Entwicklung in der Touristik in den kommenden Jahren könnten niedrigere Energiepreise sein. Nach der Energie-Revolution in den USA wird inzwischen auch stärker in Europa darüber nachgedacht, Schiefergas- und Schieferöl-Vorkommen zu erschließen. Das dürfte ein stark steigendes Angebot bewirken und die Preise für Rohöl, Erdgas, Benzin und Kerosin unter Druck bringen. Da Energie ein bedeutender Kostenfaktor für Fluglinien, Autos, Bahn und die Hotelbranche ist, werden rückläufige Energiekosten konjunkturelle Impulse freisetzen.

Bei der Deutschen Lufthansa machen die Treibstoffkosten etwa ein Fünftel der Betriebskosten aus; rückläufige Kerosinpreise würden sich positiv auf das Ergebnis auswirken. Ungeachtet davon spricht die Lufthansa von einer schwierigen ökonomischen Zukunft und macht ihr Ergebnis für das laufende und kommende Jahr nicht zuletzt von der Höhe der Restrukturierungskosten abhängig. Das Unternehmen hat die Freisetzung von 3500 Mitarbeitern angekündigt. »Wir sollten unsere Erwartungen nicht zu hoch schrauben«, warnte Vorstandschef Christoph Franz.

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