FachkräftemangelDer Blick über die Grenze

Auf der Suche nach Mitarbeitern schauen Hoteliers zunehmend auch ins Ausland. Welche Vor- und Nachteile bietet dies, und was ist dabei zu beachten?

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Es klingt zunächst nach einer klassischen Win-Win-Situation: Hierzulande fehlen Arbeitskräfte, in anderen Ländern wie dem Krisenland Spanien ist gerade die Jugendarbeitslosigkeit sehr hoch – von den  Jobsuchenden wollen vielleicht einige ihre Ausbildung in Deutschland machen oder als Fachkraft in Hotels und Gaststätten arbeiten. »Die Zahl der Betriebe wächst, die auf dem ausländischen Arbeitsmarkt aktiv werden müssen, um ihren Bedarf dauerhaft zu decken«, bestätigt IHK-Tourismusexperte Markus Pillmayer. So führen nach der GVO-Studie »HR-Trends in Hotellerie & Gastronomie« bereits 36 Prozent der Hoteliers Re-krutierungsmaßnahmen von Mitarbeitern aus dem Ausland durch; davon möchten 27 Prozent ihre Aktivitäten noch ausbauen.

Weitere 31 Prozent sind noch nicht aktiv, planen es aber. Doch hierbei können Probleme entstehen. Denn ein Umzug nach Deutschland ist einerseits für den Migranten nicht einfach: Oft lässt er seine Familie zurück, hat Heimweh oder Probleme, sich an die fremde Umgebung anzupassen. Andererseits kommt auf den Hotelier eine Reihe von Pflichten zu, die er sich im Vorfeld bewusst machen sollte, da sie mit Zeitaufwand und Kosten verbunden sind. Neben der Überwindung von kulturellen und sprachlichen Differenzen ist eine intensive Betreuung der ausländischen Mitarbeiter nötig.

Denn im Idealfall wird der Betrieb zu einer Art Familienersatz für die Neuankömmlinge, hilft bei Behördengängen und bei der Wohnungsuche, gibt Informationen zu fremdsprachigen Schulen oder Hinweise auf Freizeitangebote. Nicht zuletzt ist es sinnvoll, Teambuilding und gegenseitiges Verständnis zu fördern und dem neuen Mitarbeiter beispielsweise die Gelegenheit zu geben, die Kultur seiner Heimat vorzustellen.

Die Mühen lohnen sich

Ein Gewinn für jedes Hotel sind Mitarbeiter aus dem Ausland beim Umgang mit Gästen gleicher Herkunft. Da sie die Sprache sprechen und die kulturellen Eigenheiten kennen, können sie den Gästen ein wertvolles Stück Heimat vermitteln. Außerdem wird nicht nur das Mitarbeiterproblem in der Branche gemildert, sondern auch ein Stück weit soziale Integration geschaffen. Erst vor Kurzem forderte A-Rosa-Chef Horst Rahe die Anwerbung von Personal auch aus Nicht-EU-Ländern. Als Beispiel nannte er Ägypten. Hier gebe es viele gut ausgebildete Fachkräfte, die im Zuge der kritischen Sicherheitslage in dem Land arbeitslos würden, da Touristen ausbleiben.

Peter Bierwirth, Managing Director der Bierwirth & Kluth Hotel Management, rät: »Wir müssen die Ein- oder Zuwanderer aktiv und glaubwürdig willkommen heißen, ihnen unsere Sprache vermitteln, sie vernünftig unterbringen und beruflich qualifizieren.« Damit dies machbar wird, fordert er neben engagierten Hoteliers und Fachschulen einen »Fahrplan für Integration« sowie die Beteiligung der Politik, der beruflichen Institutionen (IHK, Dehoga etc.), des Handels und der Industrie sowie Sponsoren aus der Zulieferbranche.

Einige Initiativen gibt es bereits: So startete etwa die IHK Potsdam zur Gewinnung spanischer Fachkräfte für das Hotel- und Gaststättengewerbe ein Pilotprojekt: 27 Jugendliche absolvieren – nach einem dreimonatigen Sprachkurs in Barcelona – derzeit Berufspraktika in verschiedenen Betrieben, beispielsweise dem NH Berlin Potsdam. Ziel ist der Übergang der Jugendlichen in die duale Berufsausbildung ab August 2014. Die Bundesregierung initiierte das Portal Make-it-in-germany.com, auf dem für Arbeit und Ausbildung in Deutschland geworben wird.

Auch die Zentrale Auslands-und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit widmet sich diesem Thema: Seit Anfang 2013 können Fachkräfte zwischen 18 und 35 Jahren an dem Projekt »Mobi Pro-EU« (www.thejobofmylife.de) teilnehmen, welches unter anderem finanzielle Unterstützung für einen Umzug oder für einen Deutschkurs gewährt beziehungsweise Auszubildenden ein Schnupperpraktikum in Deutschland bietet. Jedoch gibt es aufgrund der enormen Anzahl von fast 9000 Anträgen bis Ende März einen Förderstopp für das restliche Jahr. Wie es 2015 weitergeht, ist noch ungewiss.

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