Foodkonzepte»Der Bio-Zenit flacht ab«

100 Prozent Bio: Lebensmittel, Kosmetik, Getränke. Das schreckt viele erst einmal ab. Deshalb hat der Verein der Bio-Hotels ein neues Konzept eingeführt, das den Beitritt erleichtert. Doch auch andere Trends bremsen den Vormarsch von Bio.

Ludwig Gruber, Chef der Bio-Hotels, gibt einen Einblick zur aktuellen Situation in der Hotellerie: »Kein Promille beträgt der Anteil von Bio in der Hotellerie.« Ludwig Gruber, Gründer und Initiator der Bio-Hotels, bedauert, dass der Vormarsch von Bio im Hotel viel langsamer voranschreitet als generell in der Bevölkerung. Einerseits sei es eine Frage der Zeit: »Je mehr junge Leute ein Hotel übernehmen, um so größer ist die Chance für Bio.« Andererseits sei die Hemmschwelle, das eigene Hotel auf Bio umzustellen, groß. »Der Respekt von Hotelbetrieben vor Bio ist enorm. Deshalb treten viele unserem Verein erst bei, wenn sie bereits alle Anforderungen erfüllen.«

Aus diesem Grund wurde erst vor wenigen Monaten das »Friends-Modell« eingeführt. Dieses gibt den Hoteliers die Möglichkeit, nicht sofort dem Verein beizutreten, sondern zunächst »Vermarktungspartner – Friend of Bio-Hotels« zu werden. Dafür müssen mindestens 75 Prozent Bio-Lebensmittel eingesetzt werden, mit dem Ziel, innerhalb von drei Jahren – anstatt nach einem Jahr – 100 Prozent Bio zu offerieren. Außerdem muss eine ehc-Zertifizierung absolviert werden.

Gebremst wird der Vormarsch von Bio derzeit durch immer mehr Ersatzqualitäten. »Heute gibt es verschiedene Trends, je nachdem, was gerade von den Medien gepusht wird: Verzicht auf Fleisch, Fair Trade und vor allem Regionalität.« Diese Entwicklung sieht Gruber zwar kritisch, trotzdem befürworte er alles, was anonymisierte Märkte verdrängt: »Konventionell regional ist besser als konventionell global.«

Auch Burgi Bläuel bestätigt die Konkurrenz zwischen Bio und Regionalität. Die Österreicherin leitet das Mani Sonnenlink auf dem Peleponnes in Griechenland. Das Boutique Hotel ist eines von derzeit neun »Friends-Hotels« – und das ­erste Hotel Griechenlands überhaupt, das dem Verein beitritt. »Ich muss vieles in Deutschland einkaufen. Aber nachdem ich ja schon lange hier lebe, werde ich versuchen, so weit wie möglich biologisch Regionales zu bieten und zu fördern.

«Außerdem habe sie bereits einen weiteren Bio-Garten angelegt. Wie sieht es mit den Mehrkosten aus, wenn sie das Mani Sonnenlink bald komplett auf Bio umstellt? – »Das weiß ich nicht, dazu bin ich zu spontan. Aber schon einiges«, lautet ihre legere Antwort. Nicht alle können das so locker sehen. Deshalb erhalten potenzielle Mitglieder viel Unterstützung seitens des Vereins der Bio-Hotels.

Sei es Beratung zur Lebensmittelbeschaffung, Schulung der Mitarbeiter, Tipps zum Marketing oder einfach nur die Vermittlung von Kontakten zu anderen Mitgliedern, um sich auszutauschen. Derzeit flache der Bio-Boom zwar ab, sagt Gruber. Aber er freue sich über so optimistische neue Mitglieder wie Burgi Bläuel, die der Meinung sind: »Man muss die Bio-Bewegung ständig aktiv unterstützen und ausdehnen.«

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