GM Heiko Willuweit Viethouse Lodge, VietnamDer Auswanderer

Vor sechs Jahren ist Heiko Willuweit nach Vietnam ausgewandert. Von der Hotellerie hatte er damals keine Ahnung, heute gehören ihm zwei Hotels im Norden des Landes. Hinter der Erfolgsgeschichte stecken viel Arbeit und Momente des (Ver-)Zweifelns.

 Kaum hat er eine Zigarette ausgeraucht, zieht er die nächste aus der Schachtel. Nicht so hektisch, wie man es von manchen Kettenrauchern kennt. Er lässt die Zigarette erst einmal zwischen seinen Fingern wandern, klopft den Tabak fest, riecht daran. Gerade als man denkt, er hätte vergessen, was er da in der Hand hält, zündet er sie an und raucht genüsslich mit tiefen Zügen. Heiko Willuweit sieht zufrieden aus, wie er da auf einer Bambusbank in seinem Hotel Viethouse Lodge sitzt. Hinter ihm: der atemberaubende Blick auf die Halong-Bucht, eines der »Sieben Weltwunder der Natur«. Unweigerlich kommt einem Balu der Bär in den Sinn: Willuweit ist groß und kräftig – ein Bär von einem Mann eben. Während Balu die Gemütlichkeit besingt, lautet Willuweits Motto: Hier, heute, jetzt!

Genau diese Einstellung war es, die den heute 47-Jährigen 2007 nach Vietnam auswandern ließ. »Ich hatte früher einen guten Job bei einer Mobilfunkfirma in Berlin. Ich konnte mir genau ausrechnen, wie viel ich jedes Jahr bis zum Ruhestand verdienen würde, wie hoch meine Rente sein und wie viel Krankenversicherung ich zahlen würde und so weiter.« Was für die einen die Erfüllung eines großen Traumes ist, ließ bei dem damals 26-Jährigen die Alarmglocken schrillen. Aus Angst vor »Langeweile und Eintönigkeit« kündigte er schließlich, nahm eine Stelle bei Nokia an und jettete zehn Jahre lang für die Firma durch Europa, um Telekommunikationsnetze zu planen und aufzubauen.

Während Willuweits nächster Stelle bei Telefónica O2 trat seine Partnerin Ly Schröter in sein Leben und die Zeit des Reisens begann – vor allem nach Vietnam zog es die beiden immer wieder. Doch Willuweit machte nicht einfach nur Urlaub, sondern war immer mit offenen Augen unterwegs – hat Marktlücken gesucht, Kontakte geknüpft und Land und Leute auf sich wirken lassen, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob er hier leben könnte. »Wenn man zu diesem Zeitpunkt bereits ein Grummeln im Bauch verspürt, sollte man es besser sein lassen«, rät Willuweit allen, die mit dem Gedanken spielen auszuwandern. Es sei naiv, anzunehmen, man könne sich im Laufe der Jahre mit etwas arrangieren, das einen schon zu Beginn stört. Stattdessen müsse man es »mit ganzem Herzen« wollen.

Willuweit wollte es. Fasziniert von der Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen packten er und seine Lebensgefährtin im September vor knapp sechs Jahren ihr Hab und Gut in einen Container und wagten das Abenteuer Vietnam. In der Hauptstadt Hanoi gründeten sie zunächst eine Beratungsfirma für ausländische Unternehmen, die sich ebenfalls in Vietnam niederlassen wollen. Zu Hotelbesitzern und -managern sind sie eher durch Zufall geworden: Einer Freundin von Ly Schröter gehörte die Viethouse Lodge und die wollte das 24-Zimmer-Hotel an die beiden verkaufen. Das kam zunächst gar nicht in Frage. Doch als das Thema bei einem gemeinsamen »sehr üppigen und feucht-fröhlichen Abendessen« erneut aufkam, war auf einmal alles klar: »Ly und ich schauten uns in die Augen und sagten: ›Wir probieren es!‹«.

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