Hilton Frankfurt AirportDas Raumschiff ist gelandet

Durch die Medienlandschaft geistert das Mega-Projekt schon seit geraumer Zeit – erst geplant als Airrail Center Frankfurt, dann umgetauft in The Squaire. In dem futuristischen Gebäude am Frankfurter Flughafen sind am 20. Dezember gleich zwei Marken von Hilton Worldwide an den Start gegangen: das Hilton Frankfurt Airport und das Hilton Garden Inn Frankfurt Airport – eine Europa­­premiere für Hilton Worldwide.

Es sieht aus wie eine Kreuzung aus einem Raumschiff, einem Ozeandampfer und einem Wal – ein gigantisches, aerodynamisch geformtes Gebilde, das nach vier Jahren Bauzeit auf dem Dach des ICE-Fernbahnhofs neben der A3 »gelandet« ist. Auf der anderen Seite der Autobahn liegt der Frankfurter Flughafen; ein Skywalk verbindet das »liegende Hochhaus« mit Terminal 1. The Squaire – der Name setzt sich zusammen aus »square« (Fläche) und »air« (Luft) – ist 660 Meter lang und an einigen Stellen bis zu 65 Meter hoch. Das derzeit wohl spektakulärste Neubauprojekt Europas ist so groß und bedeutend, dass ihm eine eigene Postleitzahl zugeteilt wurde. Ersonnen hat es Helmut W. Joos von JSK International Architekten. »Man fühlt sich wie in einem Stadtzentrum, im Herzen eines lebenden Organismus«, heißt es zu Recht auf der Website Architekten24.de. In der »Immobilie der Mobilität«, wie sie auch genannt wird, entstanden auf rund 200.000 Quadratmetern Gesamtfläche lichtdurchflutete, teils begrünte Atrien, moderne Büros, ein Business- und Konferenzzentrum, ein Medical Care-, Fitness- und Recreation-Center, verschiedene Geschäfte, Restaurants und last but not least im Heck des auf 43 Stelzen ruhenden Baukörpers zwei Hilton Hotels mit insgesamt 583 Zimmern. 249 Gästezimmer und Suiten gehören zum Hilton Frankfurt Airport, 334 zum Hilton Garden Inn – womit es das zweitgrößte Haus der Midscale-Marke weltweit ist. Nur das Hilton Garden Inn am Times Square in New York bietet noch mehr Platz.

Ein Projekt wie das The Squaire liefert Stoff für solche Vergleiche und Zahlenspiele. Aber es weckt auch Emotionen. Wer abends im Atrium des Hilton Frankfurt Airport vor der riesigen Fensterfront steht, kann sich ein wenig wie Captain Kirk fühlen, wenn er in die unendlichen Weiten des Weltraums blickt. Statt ferner Galaxien sind es sich windende Lichtadern, die den unablässigen Verkehrsstrom Richtung Frankfurter Kreuz anzeigen. Ein Stummfilm, denn so sehr das gesamte Projekt für Mobilität und Aktivität rund um die Uhr steht – in den Hotels herrschen Ruhe und Behaglichkeit. Dieses Gefühl verstärkt sich in den Zimmern an der Nordseite des Gebäudes, denn hier genießen die Gäste einen herrlichen Blick über das üppige Grün des Frankfurter Stadtwaldes bis in den Taunus. So können sie während des Aufenthaltes den Trubel vergessen, den die zentrale Lage an so einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt und Luftverkehrsdrehkreuz mit sich bringt. Immerhin ist der Frankfurter Flughafen mit 55 Millionen Passagieren jährlich der zweitgrößte Flughafen in Kontinentaleuropa, vom ICE-Bahnhof unter dem Gebäude starten 185 Fernzüge pro Tag.

Zwei Hilton-Hotels in direkter Nachbarschaft zu platzieren, ist zwar eine europäische Premiere, passt aber zur generellen Strategie von Hilton Worldwide, die Ansprüche verschiedener Zielgruppen an einem Standort zu erfüllen. Cluster General Manager Charles Muller: »Während der Name Hilton für Full Service steht, sprechen wir bei Hilton Garden Inn über Focussed Service, bei dem wir uns auf die essenziellen Anforderungen des modernen Geschäftsreisenden konzentrieren.« Einer der Unterschiede ist der Roomservice, der im Hilton Garden Inn ab 17 Uhr angeboten wird und im Hilton rund um die Uhr verfügbar ist. Auch gibt es im Garden Inn keine klassische Minibar, sondern einen Kühlschrank im Zimmer, der Tag und Nacht mit Getränken und Snacks aus dem »Pavilion Pantry Minimarkt« in der Lobby aufgefüllt werden kann. »Mit dem Hilton Frankfurt Airport möchten wir hingegen Maßstäbe im modernen Luxussegment setzen. Dies wird auch durch das elegante und moderne Innendesign hervorgehoben«, erklärt Charles Muller. Als Beispiel nennt der gebürtige Niederländer den Ballsaal »Globe«, der als Gebäude im Gebäude konzipiert wurde. In seiner länglichen, abgerundeten Form spielt er auf die Architektur des The Squaire an und seine mosaikartige Oberfläche reflektiert das Licht ebenso effektvoll wie die Außenhaut der Immobilie. Imposant ist auch die hohe, glasüberdachte Lobby, deren riesige Dimension durch goldene, wie Flügel geschwungene Dächer auf die menschliche Ebene heruntergeholt wird. Ein weiterer Blickfang sind die filigranen Deckenleuchten, die wie farbige Kristalle im Raum zu schweben scheinen.

Das alles trägt die Handschrift von JOI-Design. Das Innenarchitektenteam mit Hauptsitz in Hamburg bekam den Zuschlag für das außergewöhnliche Doppel-Projekt. Die Vorgabe lautete, passend zum Standort und zu der futuristischen Außenhaut des The Squaire ein »State-of-the-art«-Designkonzept für beide Hilton-Hotels zu erstellen. Dabei galt es, das zentrale Thema der Mobilität – Zauberwort im Zeitalter der Globalisierung – optisch umzusetzen. Zugleich sollte ein Rückzugsort für gestresste Reisende entstehen. Corinna Kretschmar-Joehnk, Managing Director von JOI-Design: »Im Inneren soll der Gast durch den Einsatz natürlicher Formen und Farben die Möglichkeit haben, zu ›entschleunigen‹, das laute Verkehrsumfeld hinter sich zu lassen und zur Ruhe zu kommen.« Sowohl die Dynamik des Baus als auch die Größe des Projektes waren für die Innenarchitekten eine besondere Herausforderung. Wegen der auf allen Seiten abgerundeten Fassade mussten die fast 600 Gästezimmer auf jeder Etage anders konzipiert werden, sodass es relativ wenig gleiche Zimmertypen gibt.

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