Stagnierender BierausstoßDas Jahr des Bieres?

2011 wäre es fast gelungen, eine schwarze Null zu schreiben. Mit nur knapp einem Prozent im Minus stagnierte der deutsche Bierausstoß bei 98 Millionen Hektolitern. Bringt 2012 die Wende? Endet eine 30-jährige Leidenszeit?

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Peter Hahn hält das für möglich. Natürlich weiß der nüchterne ­Jurist und Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, dass die derzeitige Kauflust der Bürger schnell versiegen kann. Er übersieht auch nicht die Gefahren der Schuldenkrisen, in denen Stagnation oder gar Depression lauern. Er setzt auf heilsame Gelassenheit der Bürger und auf einen fröhlichen Fußballsommer 2012, wenn Deutschland bei der Europameisterschaft um den Titel spielt.

Dieser zarte Optimismus begegnet am Markt ernsten Bedenken. Auch wenn noch zu keiner Jahreswende so viele Menschen berufstätig waren wie 2011/2012, so haben die Menschen hierzulande doch wegen höherer Kosten bei Energie, Lebensmitteln und Mieten weniger Bares zur Verfügung. Aber auch andere Daten mahnen zur sorgfältigen Vorschau. So erinnert der Trendforscher Prof. Peter Wippermann auf einem Seminar der Bitburger Brauerei daran, dass die Zahl der Kinder in Deutschland von 2000 bis 2010 um 2,1 Millionen zurückgegangen ist. Das sind 17 Deutsche weniger pro Stunde. Diese 2,1 Millionen fehlen morgen der Gastronomie, der Hotellerie und dem Einzelhandel. Auch die wachsende Zahl der Single-Haushalte trägt nicht zur Stabilisierung der Kauflust in der Gastronomie bei. Zudem: Alle Singles sind vernetzt in der Internet-Community, alle sind »auf Draht«, aber sie sehen sich nicht mehr. Die Community der Gastronomie und auch die der Kneipe geht vor die Hunde. 40 Millionen Deutsche, also die Hälfte, sind heute schon Mitglied einer Online-Community, Greise und Babys inbegriffen. Und in dieser virtuellen Gemeinschaft sagt niemand mehr »Skol«, »Cheers« oder »Prost«!

Wo aber die Geselligkeit auf der Strecke bleibt, da fehlt dem Bier als fröhliches Getränk die Heimat. Als Feierabendtrank des Singles auf dem Sofa hat es seinen Beruf verfehlt. Hinzu kommt, dass sich die Brauer und die Gastronomen ständigen Angriffen ausgesetzt sehen. Gezielt wird Bier von selbsternannten Gut-Menschen und einigen Politikern, die eigentlich wissen sollten, von wessen Votum sie leben, unterschwellig in die Schmuddelecke der Drogen gestellt. Dabei ist Bier mit seinen mageren 4,8 bis fünf Prozent Volumprozenten ein Leichtgewicht unter den alkoholhaltigen Getränken. Und wenn man bedenkt, dass Fruchtsäfte bis zu 0,5 Prozent Alkohol
enthalten und der menschliche Körper ständig Alkohol produziert, dann fragt sich der Bierfreund, warum er bei 4,8 Prozent diskriminiert wird. Die Antwort ist einfach: Bier fällt auf, weil die Masse es trinkt. Mehr als 100 Liter konsumiert der Deutsche durchschnittlich im Jahr. Der Wein mit mehr als doppelt so hohem Alkoholgehalt bringt es gerade einmal auf 24 Liter per anno. Wein holt langsam aber stetig auf, während Bier seit Jahrzehnten schrumpft. Wein – und das ist entscheidend – legt vor allem qualitativ zu. Kurzum: Er wird teurer, die Deutschen greifen zu qualitativ hochwertigeren Produkten.

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