Hotelaktienbörse 1-2/2012Das Jahr der Hoffnung

Noch ist in den Aktienkursen keine Rezession eingepreist, allerdings gehen immer mehr Experten davon aus, dass diese wegen der eingeleiteten Entschuldungswelle kaum zu verhindern ist. In den USA und Europa haben die Zinsen zwar Rekordtiefs erreicht, doch der »geborgte Aufschwung« vergangener Jahre verliert an Kraft und wird in einer Rezession münden – auch deshalb, weil die Sparbestrebungen hoch verschuldeter Regierungen und absehbare Steuererhöhungen das Wachstum belasten.

Wirtschaftsunternehmen verfügen zwar über Liquiditätsreserven, doch werden sie kaum einen Aufschwung initiieren können, der sich selbst trägt. 2012 dürfte als »Jahr der Hoffnung« in die Geschichte eingehen. Hotel- und Tourismusaktien werden sich einer wirtschaftlichen Abschwächung kaum widersetzen können.

Anlegern bleibt die Hoffnung, dass der Konjunkturrückgang nicht allzu tief gehen und zudem zeitlich kurz ausfallen wird. Generell aber ist die Rezession ebenso wie der Boom ein ­elementarer Bestandteil der Marktwirtschaft. Unternehmen, die in der Vergangenheit solide gearbeitet haben, dürften gestärkt aus einer Krise herauskommen und in der Folge zu den Gewinnern zählen. Unter dieser Annahme sollten Anleger ihre Investments derzeit auf die finanziell stabilen Unternehmen der Hotellerie konzentrieren. Wegen der guten Ertragslage und der hohen Barreserven der Branche dürften sich Unternehmenstransaktionen (Übernahmen, Beteiligungen und Fusionen) grundsätzlich als Stütze für die Aktienkurse der Branche erweisen. Die Firmen werden die hohen Barreserven kaum für den Bau neuer Hotelanlagen nutzen, sondern vielmehr versuchen, unterbewertete Vermögens­werte anderer Unternehmen zu erwerben oder aber Konkurrenten zu übernehmen. Zudem werden viele Hotels von ihren Banken dazu gedrängt, Verbindlichkeiten zu reduzieren und Vermögenswerte zu veräußern, um auf diese Weise Kredite abzubauen.

»Die USA, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Singapur dürften ähnlich wie 2011 auch in diesem Jahr die interessantesten Märkte für Hoteltransaktionen sein«, erklärt Arthur de Haast, Chairman von Jones Lang LaSalle Hotels. Der Fachmann geht davon aus, dass das Transaktionsvolumen im laufenden Jahr mit rund 30 Mrd $ dabei eine ähnliche Größenordnung wie 2011 erreichen wird.

Einige Transaktionen mit deutscher Beteiligung aus der Reise- und Hotelbranche wurden bereits gemeldet. So will Starwood Hotels & Resorts Worldwide von der Arabella Hospitality S.E. deren 49,8%-ige Beteiligung an der in Berlin beheimateten Design Hotels AG übernehmen. Starwood-CEO Frits van Paaschen lobte in diesem Kontext die Arbeit des Design Hotels-Teams um den Firmengründer und Vorstandschef Claus Sendlinger. Auch der Einstieg von Etihad Airways bei AirBerlin plc passt in dieses Bild. Die strategische Partnerschaft kam zwar vor allem aufgrund der angespannten finanziellen Situation der zweitgrößten deutschen Fluglinie zustande, zeigt aber auch den anhaltenden Konsolidierungsbedarf bei den Fluglinien.

Im Jahr 2011 hatte AirBerlin trotz eines wirtschaftlich schwierigen Umfelds so viele Gäste befördert wie noch nie zuvor. Die Passagierzahl stieg um 1,2% auf 35,3 Mio. Die Auslastung der Flotte legte von 76,4% im Jahr 2010 auf 78,2% in 2011 zu, während die Kapazität im Jahresvergleich um 1,1% schrumpfte. Das deutsche Unternehmen hat unlängst ein Effizienzsteigerungsprogramm »Shape & Size« und die Reduzierung der Kapazitäten angekündigt.

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