Hotelaktien 06.2014Das goldene Zeitalter

Die Weltwirtschaft bleibt ungeachtet des durch die Staatsschuldenkrise in vielen Ländern existierenden Störpotenzials auf Wachstumskurs. Wesentlicher Treiber ist dabei der Touris-mus. Auch die Akteure an den Börsen haben dies realisiert, denn Tourismus- und Hotelaktien zählen weiter zu den Top-Favoriten. Erleichtert und unterstützt wird der Haussetrend an den Aktienmärkten durch superbilliges Geld, das Notenbanken unvernünftigerweise weiterhin in reichlicher Menge zur Verfügung stellen.

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»Die Reise- und Tourismusbranche erlebt ein goldenes Zeitalter« ließ Starwood Hotels and Resorts rund 800 Teilnehmer einer von Raymond James & Associates in Orlando ausgerichteten Investmentkonferenz aufhorchen. Von einer »Revolution im Tourismus« sprachen zuletzt auch Top-Manager von Marriott immer wieder. Sowohl Bill Marriott selbst als auch sein Vorstandschef Arne Sorenson sehen dabei in der Globalisierung die treibende Kraft für die weiter boomende Branche.

Für die großen westlichen Hotelketten hat sich das Geschäft weltweit geradezu dramatisch verändert. Aktuelle Zahlen von Starwood belegen dies. Während im Jahr 2000 lediglich 37 % des Geschäfts der Kette außerhalb der USA generiert wurde, ist dieser Anteil zuletzt auf 56 % gestiegen. »Wir wollen bei dieser Kennziffer in absehbarer Zeit auf 80 % kommen«, steckt Frits van Paasschen ehrgeizige globale Ziele ab. Bis 2020 will Starwood allein in Europa 60 neue Hotelanlagen in Betrieb nehmen.

Vom »neuen Megatrend Tourismus« profitieren nicht nur die Hotels, sondern auch andere Zweige der Reisebranche. Weder globale Spannungen und Terrorismusgefahren noch das Problem der gigantischen Staatsverschuldung westlicher Industrie-länder haben den Tourismus-Boom gebremst – bislang jedenfalls nicht. Im Gegenteil: »Auf die Reise- und Tourismusbranche entfällt weltweit jeder elfte Arbeitsplatz. Mit 6,8 Billionen US-$ sind wir für rund 9 % der global erbrachten Wirtschaftsleistung verantwortlich«, stellt David Scowsill, Präsident des WTTC (World Travel & Tourism Council), die Bedeutung der Branche heraus.

Noch scheinen die Wachstumskräfte in der Hotellerie auch deshalb zu wirken, weil sich die Hoteliers mit der Schaffung neuer Kapazitäten zurückhalten. »Die Nachfrage nach Hotelbetten dürfte im Jahr 2014 in den USA um 2,5 % im Einklang mit dem geschätzten Wirtschaftswachstum zulegen«, so William A. Crow vom Finanzhaus Raymond James & Associates. In den USA steigen dagegen die Hotel-Kapazitäten in diesem Jahr voraussichtlich gerade einmal um 1,2 %. Dies eröffnet Spielraum für weitere Preiserhöhungen. Dementsprechend rechnet Crow für 2014 mit einem Anstieg des RevPAR in den USA um 5 bis 6,5 %.

+Bestätigt wird der allgemeine Optimismus in der Hotelbranche auch durch die Entwicklung des Immobilienmarktes. Denn im vergangenen Jahr sind die Finanz-Immobilien-Transaktionen in der US-Hotellerie um rund 42 % gestiegen. Damit blieb die Branche zwar hinter dem Rekordjahr 2007 zurück, doch ist ein neuer Aufwärtstrend unverkennbar. Der Durchschnittspreis für ein Hotelzimmer stieg dabei von 104.193 $ (2011) auf 132.955 $ im Jahr 2013. Die Experten von Jones Lang LaSalle rechnen für dieses Jahr mit einer Zunahme der globalen Finanztransaktionen bei Hotel-Immobilien um 5 bis 10 %.

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