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StartCoronakriseCoronakrise: Das sagen Brancheninsider zum Lockdown light

CoronakriseDas sagen Brancheninsider zum Lockdown light

Seit heute gilt deutschlandweit der Lockdown light. Das öffentliche Leben wird heruntergefahren bundesweit müssen Gastronomie, Kultur und Freizeiteinrichtungen weitestgehend schließen. Hotels dürfen keine Touristen mehr aufnehmen. Vielerorts ist die erste Schockstarre überwunden, der Ärger über die Beschlüsse aber bleibt. Tophotel hat Reaktionen aus der Branche zusammengetragen:

Gerechtigkeit der bisherigen Entschädigungen für die Branche fraglich

Meinrad Schmiederer vom Relais & Chateaux Hotel Dollenberg. (Foto: Relais & Chateaux Hotel Dollenberg)

So zeigt sich unter anderem Hotelier Meinrad Schmiederer vom Relais & Chateaux Hotel Dollenberg in Bad Peterstal-Griesbach irritiert über den erneuten Lockdown light, der vor allem das Gastgewerbe hart trifft. Er schreibt: „Das Hotel Dollenberg in Bad Peterstal-Griesbach ist seit Montag erneut geschlossen. Das Wochenende im Hotel war geprägt von Abreisen, Abschied und Enttäuschungen. Die Frage, wie es weitergehen soll, überlagerte alles.“ Patron Meinrad Schmiederer bedauert den Beschluss der Regierung, zum zweiten Mal in diesem Jahr Gastronomie und Hotellerie auf Eis zu legen, nachdem sein Hotel bereits im Frühjahr fast zehn Wochen geschlossen werden musste. „Unser Haus war jetzt bis zur vorvergangenen Woche zu fast 100 Prozent ausgebucht. Dann forderte Frau Merkel übers Fernsehen die Menschen auf, zu Hause in ihren Wohnorten zu bleiben. Damit setzte eine Welle von Absagen und Stornierungen ein, vor allem auch aus Belgien und dem Elsass, zwei für uns sehr wichtige Regionen.“

Bei den weiterhin steigenden Zahlen der Infizierten habe Schmiederer durchaus Verständnis auch für drastische Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. Schwer zu verstehen sei allerdings, dass dies in der Gastronomie und in der Hotellerie ansetze. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass die hohen Fallzahlen an Infizierten vor allem aus privaten Feiern herrühren und nicht aus der Gastronomie oder gar der Hotellerie. Diese hätten sich – wie allgemein anerkannt – an die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln gehalten wie kaum eine andere Branche in der Öffentlichkeit.

Ernsthafte Zweifel hegt Meinrad Schmiederer an der Gerechtigkeit der bisherigen Entschädigungen für die Branche durch Bund und Land. Diese gingen vor allem an wirtschaftlich schwächere Betriebe. Die Richtlinien hätten es nicht erlaubt, wirtschaftlich stärkere Betriebe zu unterstützen. „Wir zum Beispiel haben bis heute kein Geld aus den Programmen gesehen.“ Meinrad Schmiederer fordert, die von der Bundesregierung erneut angekündigten Hilfsprogramme für geschlossene Gastronomie und Hotels linear und unabhängig von der wirtschaftlichen Lage auszuzahlen. Es gäbe keinen Sinn, die wirtschaftlich starken Betriebe so lange nicht zu berücksichtigen, bis auch diese schwach seien.


 „Unangemessen und nicht zielführend“

Dirk Iserlohe ist Vorsitzender im Dorint-Aufsichtsrat. (Foto: Dorint) (Bild: Dorint GmbH)

Dirk Iserlohe, Aufsichtsratschef von Dorint, schreibt in seinem mittlerweile 20. offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel, er rechne damit, dass im zweiten Quartal 2021 viele Unternehmen aufgeben müssen. Die Zeit der Zurückhaltung laufe ab. Antworten, Klarstellungen und Hilfsprogramme fehlten, so Dirk Iserlohe. Er empfindet die Entscheidungen der Kanzlerin, ihres Kabinetts und der Länderchefs nicht zielführend, unangemessen und diskreditierend und fordert an folgenden Punkten eine Klarstellung:

  • Ordentlich und aus Gründen der Gerechtigkeit festzustellen, dass die Corona-Verordnungen auf Basis des § 16 Infektionsschutzgesetz (IfSG) erlassen worden sind und nicht fälschlicherweise pauschal nach § 28 IfSG. Hier verweist Iserlohe darauf, dass dieser Paragraf nur in Fällen wie bei der Unternehmensgruppe Tönnies anwendbar ist. Hingegen ermächtige der § 16 IfSG die Länder wegen einer drohenden Gefahr Allgemeinverfügungen zu treffen.
  • Die Klarstellung zur Störung der Geschäftsgrundlage, die in Artikel 240 des EGBGB (Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch) für die Dauer der Pandemie aufgenommen werden könnte. Zurzeit überlasse die Regierung es der Legislative, wie der darwinistische Kampf zwischen Verpächter und Pächter ausgehe.
  • In Analogie zum Verbraucherkredit (vgl. § 3 des Artikel 240 EGBGB), auch den Finanzierern aufzuerlegen, dass bei unverschuldeten Engpässen die Kapitaldienstraten bei gewerblichen Krediten an das Ende der Laufzeit prolongiert werden. Die Bankenkrise sei sonst 2022 vorprogrammiert.
  • Der § 19 Insolvenzordnung solle aufgehoben werden, um die zu erwartende riesige Insolvenzwelle im kommenden Jahr zu verhindern. Der Überschuldungstatbestand als Insolvenzgrund sei wettbewerbsverzerrend und wirke gegen den Gläubigerschutz.
  • Beihilferechtlich legale Zuschüsse gemindert durch die Klarstellung des § 313 BGB und abgesichert durch den Wegfall des § 19 InsO: Dazu sagt Iserlohe: Deutlich fairer wäre es allerdings ohne Abzüge von – nicht in der gleichen Periode zugewiesenen – Fördermitteln die Umsatzdifferenz des Vergleichsmonat 2019 zu 2020 zu erstatten. Dies wäre aufgrund der Aussage der europäischen Kommission in Bezug auf den Artikel 107 II b) AEUV (Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union) nicht nur legitim, sondern auch legal. Würde man den § 313 BGB (vgl. ii) die Störung der Geschäftsgrundlage für Miet- und Pachträume während der Pandemie klar- und feststellen, würde sich dieser Zuschuss um den Verpächter-Anteil reduzieren.

Yoram Biton ist Managing Director, Leonardo Hotels Central Europe (Foto: Hoffotografen)

Leonardo Hotels bleiben geöffnet

Yoram Biton, Managing Director, Leonardo Hotels Central Europe sagt, die Leonardo Hotels kämpften derzeit mit ihren derzeit 84 Hotels und über 3.000 Mitarbeitern in Central Europe ums Durchhalten. Neben Deutschland haben die Kernmärkte der europaweit agierenden Hotelgruppe, wie Italien oder Spanien, einen noch schlechteren Ausblick. Dennoch ist sich Yoram Biton sicher: „Aufgeben ist keine Option für uns! Wir werden bestehen und gestärkt aus der Krise gehen.“

So ist weiterhin der Plan, die Hotels in Deutschland und weiteren Ländern geöffnet zu halten. Unter Einhaltung jeglicher Regularien würden den Gästen alle möglichen Serviceleistungen angeboten – basierend auf einem strikten Sicherheits- und Hygienekonzept. Das Unternehmen sei derzeit in der Lage, keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen zu müssen.


Dieter Müller ist Gründer und CEO von Motel One. (Foto: Motel One) (Bild: Motel One)

Hygienekonzepte waren enormer Aufwand

Im aktuellen Quartalsbericht von Motel One schreibt das Unternehmen von Gründer Dieter Müller: „Die zweite Welle der Pandemie hat Deutschland erreicht. Als Infektionsherde sind die Superspreader Events von Partys und Familienfeiern identifiziert und nicht das Reisen und die Übernachtungen in Hotels. Die Branche hat mit ihren Hygienekonzepten einen enormen Aufwand betrieben und viel investiert, um Übernachtungen in Hotels sicher zu machen. Anstatt Reisewarnungen und Beherbergungsverbote zu verhängen und damit die gesamte Touristik in Europa immer tiefer in die Krise zu manövrieren, sollte sich die Politik auf die hauptsächlichen Ursachen konzentrieren.“


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