Coronabedingte Mietreduzierung Gericht in den Niederlanden setzt Zeichen bei Lastenteilung

Ein Gerichtsurteil aus Holland lässt aufhorchen: Das W Hotel in Amsterdam muss infolge der Coronakrise nicht die volle monatliche Miete an den Eigentümer zahlen. Das Gericht teilt die negativen Folgen der Pandemie auf Mieter und Vermieter auf.  Insgesamt werden dem Hotel wohl rund zwei Millionen Euro erlassen.

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Ausgangslage: Wie die Zeitung “Echt Amsterdams Nieuws“ berichtet, zahlt das W Amsterdam der deutschen Investmentgesellschaft Deka als Eigentümerin rund 580.000 Euro pro Monat an Miete. Ab dem 1. Oktober würde dieser Betrag auf über 830.000 Euro steigen. Da Restaurant und Wellnessbereich mit Pool von Mitte März bis Ende Mai coronabedingt und auf Anordnung der Regierung geschlossen werden mussten, wurde seitens des Hotelmanagements die Entscheidung getroffen, den Betrieb für diesen Zeitraum komplett zu schließen

Gerichtsurteil: Der Richter hat im vorläufigen Rechtshilfeverfahren entschieden, dass “die Coronakrise als unvorhergesehener Umstand eingestuft und dass der finanzielle Nachteil zwischen den Parteien geteilt werden sollte”, so “Echt Amsterdams Nieuws“. Dementsprechend darf das W Hotel einen Teil des Mietpreises aussetzen. Demnach wäre für das zweite Quartal dieses Jahres nur die Hälfte der Miete zu bezahlen, für das dritte Quartal 40 Prozent und für das vierte Quartal 25 Prozent. Zusammengerechnet reduziert sich die Miete um fast zwei Millionen Euro bis Ende dieses Jahres.

Einschätzung: Prizeotel-Gründer und IHA-Vorstandsmitglied Marco Nussbaum kommentiert das Urteil via Facebook wie folgt: “Ein Urteil, das uns in Deutschland aufhorchen lassen sollte, denn bisher ist es eher eine einseitige Lastenteilung zwischen den Verpächtern und Pächtern einer Hotelimmobilie. Um die Last der nicht mehr zu bewältigenden Pachtzahlungen gerecht zwischen Verpächter und Pächter zu verteilen, kursierte zwar der Ansatz, die Belastung je zur Hälfte aufzuteilen, daraus geworden ist allerdings ebenso wenig wie der Hinweis der ZIA, der für individuelle Lösungen plädierte und die Partner aufforderte sich solidarisch zueinander zu verhalten. Wir dürfen also gespannt sein, wie sich die Klageverfahren in Deutschland entwickeln. Es wäre unserer Branche zu wünschen, dass sich dahingehend noch etwas ändert, ansonsten brauchen die Betriebe zig Jahre, um die am Ende aufgelaufenen Schulden zu tilgen. Einige werden dann vielleicht sogar vor dem Aus stehen, denn die politisch abgefeuerten „Bazookas“ helfen der Branche jedenfalls nicht „mit Wumms“ aus dieser existenziellen Krise zu kommen.”

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