BierCharakterbiere im Aufwind

Die in den USA sehr lebendige Craft Bier-Bewegung hat das Potenzial, auch hierzulande der Hotellerie und Gastronomie neue Impulse zu verleihen.

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In der Bundesrepublik kommt eine Evolution in Gang, die in Nordamerika bereits vor 20 Jahren begann. Dort waren zahlreiche Bierfans des faden Einerleis der Industrie so überdrüssig, dass sie neue, innovative Anbieter freudig begrüßten. Inzwischen sind diese sogenannten Craft-Brauer zu einer Marktmacht geworden und auch die großen Brauereien haben mittlerweile eigene Micro-Brewerys gegründet, um am Boom teilzuhaben. In Deutschland ist nun eine ähnliche Entwicklung erkennbar, denn auch hierzulande spielt der Trend zum Kleinen und Feinen nicht nur Newcomern in die Hände: Traditionsreiche Brauereien, die in den vergangenen Jahren durch den sinkenden Bierkonsum der Bundesbürger ein immer schwierigeres Geschäftsfeld vorgefunden haben, können daran gewinnen.

Charakteristisch für Craft-Biere (engl. für Handwerk oder handwerklich arbeiten) ist ein ebenso aufwendiger wie individueller Brauprozess; hinzu kommen hochwertige Zutaten wie beispielsweise im Holzfass gelagerte Hopfensorten. Dementsprechend sind diese Edel-Biere zum Teil deutlich teurer als ihre »klassischen« Pendants: Preise von 15 Euro für eine 0,75l-Flasche sind nicht ungewöhnlich. Auch lassen sie sich problemlos mit feinem Essen kombinieren und sind – ähnlich wie gute Weine – länger lagerfähig.

Brauereien ergreifen Initiative

Bereits im Herbst 2010 ist die Radeberger-Gruppe mit »Braufactum« vorgeprescht. Mit 14 Eigenkreationen und einer Selektion der nach eigener Aussage »weltweit besten Craft Biere« von internationalen Partnerbrauereien hat das Unternehmen den hiesigen Markt überrascht. Zwei Jahre später bezog die wiederbelebte Ratsherren-Brauerei aus Hamburg den Begriff »Craft Beer« in ihr Marketingkonzept mit ein und eröffnete Anfang dieses Jahres ihre erste »Micro Brewery«. Bis zu zwei Bierstile können hier pro Monat entstehen, als Inspirationsquelle dienen unter anderem Aufzeichnungen aus der 1.000-jährigen Braugeschichte der Hansestadt. Als Premieren-Bier gilt das »Citrilla Wheat« – ein honigfarbenes Weizen IPA, das in sich die Eigenschaften eines Weißbieres sowie eines India Pale Ales vereint. Das Ergebnis: fruchtige Noten im Antrunk gefolgt von einer dezenten Süße und einer gut eingebundenen Bittere. Der Duft erinnert überhaupt nicht biertypisch an tropische Früchte wie Ananas, Banane und Zirtusfrüchte. Offeriert werden die Craft Biere von Ratsherren bereits in den Minibars des Weissenhaus Grand an der Ostsee.

Auch in der Bitburger Braugruppe widmet man sich mittlerweile den Gourmet-Bieren, hier unter dem Namen Craftwerk Brewing. Im Angebot sind das »Tangerine Dream« (Single Hop Pale Ale), das »Hop Head IPA7« (American Pale Ale) und das »Holy Cowl« (Belgian Style Tripel). So unterschiedlich diese drei Sorten geschmacklich auch sind, so sehr ist ihnen eines gemeinsam: Sie zeigen, was mit ausgewählten Hopfen- und Getreidesorten sowie einem Schuss Kreativität möglich ist.

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