GADBücher, die Appetit machen

Kochbücher zählen nicht einfach nur Zutaten auf, sie spiegeln den Zeitgeist der jeweiligen Epoche wider. Andrea Schmoll begibt sich mit ihrem Hörbuch »Kulturerbe Kochkunst« auf eine Reise durch die Gastrosophie. Und der Literarische Wettbewerb der GAD prämiert jährlich die besten »Genussbücher«

Was ist ein Kochbuch? Viele würden sagen: eine Sammlung von Rezepten. Doch darauf lässt sich ein Kochbuch nicht beschränken – das wusste schon der Richter und Gastrosoph Jean Anthelme Brillat-Savarin. Dieser beschrieb in seiner »Physiologie des Geschmacks«, was ein Kochbuch zu leisten habe: »Vielmehr mag man es als ein Segment aus dem Weltbild eines vortrefflichen Kopfes nennen. Scheint es vom Essen und Trinken zu sprechen, so spricht es doch nur von der Welt und den Menschen.«

Kochbücher beinhalten nicht nur Rezepte, sondern spiegeln den Zeitgeist der jeweiligen Epoche wider. »Erinnern wir uns«, sagt Andrea Schmoll, »dass im Barock das Verfassen eines Kochbuchs ein Privileg der Mund- und Leibköche war, denn nur diese konnten überhaupt schreiben.« Mit dem Buchdruck stiegen die Auflagen. Aktuell erscheinen so viele neue Kochbücher, dass kein Mensch mehr in der Lage ist, alle zu studieren. Deswegen ist die Arbeit mit der »Bibliotheca Gastronomica« zielführend, denn diese reicht von den frühen Wiegedrucken bis in das 19. Jahrhundert. Andrea Schmoll: »Das ausklingende 19.Jahrhundert hat eine Vielzahl weiterer ­gastronomischer Schriften hervorge­bracht. Bezeichnenderweise verschiebt sich die ­Akzentuierung zunehmend von der praktischen auf die reflektierende Ebene.«

In ihrem Hörbuch »Kulturerbe Kochkunst« greift Andrea Schmoll diese reflektierende Ebene auf: »Wir blicken dabei in die Kochbuchsammlungen der Hofköche, in die Handschriften der Klöster und die kulinarischen Traktate der Aufklärung. Unsere Stationen sind die Palais und Bürgerhäuser des aufziehenden 19. Jahrhunderts, begleitet von der beginnenden Nahrungsmittelindustrie.«

Plattform Buchmesse

Kochbücher haben längst ihren Platz auf der »Frankfurter Buchmesse« (10. bis 14. Oktober) gefunden. Am ersten Messetag ehrt die Gastronomische Akademie Deutschlands zum 46. Mal die Sieger des von ihr ausgelobten Literarischen Wettbewerbs. Die hochkarätig besetzte Jury prämierte insgesamt 55 Bücher, die mit Gold- oder Silbermedaillen und einem Sonderpreis ausgezeichnet werden. 31 Verlage aus dem deutschsprachigen Europa reichten im Vorfeld Werke rund um die ­Themen Kochen, Tafelkultur, Genießen und Gastlichkeit ein.

Dabei zeigt sich, dass heutzutage die praktischen, von Köchen selber geschriebenen Kochbücher dominieren; die reflektierende Ebene gerät in den Hintergrund. Brillat-­Savarin setzte sich noch in geisteswissenschaftlicher Manier mit den Tafelfreuden auseinander und auch der Kunsthistoriker von Rumohr nutzt mit seinem Werk »Geist der Kochkunst« den geisteswissenschaftlichen Ansatz. »Manchmal scheint der ­heutige Markt übersättigt an Rezeptsammlungen. Gerade das ist ein Grund, sich mit dem Kulturerbe Kochkunst auseinander zu setzen, denn Kochbücher bieten viel mehr«, betont Andrea Schmoll.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here