Brandschutztüren –  Norm und Funktion

Zur Sicherheit tragen in den Fluren des One 80° Hostel Berlin Mitte – Alexanderplatz Türen von Jeld-Wen bei. Das dunkle Modell ist eine Brandschutztür T30/RS. (Bild: Jeld-Wen)

In Deutschland wird das Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen derzeit nach der DIN 4102 beurteilt. Zulassungen für Feuerschutzabschlüsse analog dieser Norm stellt bislang nur das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) in Berlin aus. Anders als beispielsweise für Außentüren und Fenster, für die bereits eine CE-Kennzeichnungspflicht besteht, ist diese für Innentüren mit und ohne Brand- und Rauchschutzfunktion derzeit noch nicht in Sicht.

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Die exakten Inhalte der Prüfnormen sind hierbei schon definiert. Türenhersteller Jeld-Wen beispielsweise prüft seit geraumer Zeit nach diesen neuen und verschärften Kriterien. Was noch aussteht, ist die Definition der eigentlichen Produktnorm, um die Produkte auch mit einem CE-Kennzeichen in den europaweiten Verkehr bringen zu können.

Die CE-Kennzeichnung ist eine Verwaltungsklassifizierung, die die Freiverkehrsfähigkeit innerhalb des europäischen Binnenmarktes zum Ausdruck bringt. Ursprünglich war für die Eingliederung der Brandschutzelemente in die EN die Produktnormenreihe 14351 der „Abschlüsse“ vorgesehen. Unter dieser Reihe werden seit 2010  Fenster und Außentüren (EN 14351-1) normiert, in EN 14351-2 Innentüren ohne Feuerschutz.

Sowohl nationale Forderungen der beteiligten Nationen wie auch Regularien des CEN (Europäisches Komitee für Normung) stünden einer Veröffentlichung seit Jahren im Wege, so Wolfgang Oswald, Werksleiter am Jeld-Wen-Standort Oettingen. Für Feuer- und Rauchschutztüren war ursprünglich ein Teil 3 der 14351- Reihe vorgesehen. 2009 wurde der entsprechende Entwurf zurückgezogen und unter EN 16034 weiterbearbeitet. Bis zur Ratifizierung einer europäischen Norm muss weiterhin eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des DIBt für Feuerschutzabschlüsse beziehungsweise ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis für Rauchschutzabschlüsse einer anerkannten Prüfstelle nachgewiesen werden.

CE-Kennzeichnung

Die CE-Kennzeichnung hilft Wirtschaftsakteuren, länderübergreifend den europäischen Binnenmarkt zu erschließen. Dabei spielt die ab Juli 2015 in Kraft tretende Bauproduktenverordnung eine wichtige Rolle: Sie fordert von allen CE-gekennzeichneten Produkten statt der bisher bekannten Konformitätserklärung eine Deklaration der Leistungseigenschaften. Die Produkte werden innerhalb Europas über die ausgewiesenen wesentlichen Eigenschaften vergleichbar. Länderspezifisch werden unterschiedliche Anforderungen bezüglich der Eigenschaften auch zukünftig erhalten bleiben, da sie weiterhin national geregelt werden.

Multifunktionale  Türen

Obwohl die Zulassungen für Feuerschutzabschlüsse aufgrund der fehlenden Produktnorm derzeit nur auf nationaler Ebene möglich sind, können diese Abschlüsse schon seit geraumer Zeit auf die künftigen, deutlich verschärften Anforderungen geprüft werden. Ermöglicht wird dies durch die EN 14600, welche die Anforderungen und Klassifizierungen für Feuer- und/oder Rauchschutzabschlüsse festlegt, nach denen Jeld-Wen seine Produkte seit Jahren prüft.

Türelemente sollen zunehmend auch multifunktionell sein. Bei der Planung führt dies oft zu falschen Annahmen. So waren in den 80er- und 90er-Jahren gute Schallschutztüren immer gefälzt und immer mit Türfalz­dichtung ausgestattet. Weiterhin waren Brandschutztüren nur für trockene Räume zulässig. Das ist heute überholt: Es gibt geprüfte Schallschutzelemente mit stumpf oder gefälzt einschlagenden Türblättern, mit und ohne Türfalzdichtung. Es gibt Brandschutztüren, die gleichzeitig positiv auf Nassraumtauglichkeit geprüft sind und Sicherheitsanforderungen bis hin zur Panikfunktion erfüllen. Technischen Türen werden von Jeld-Wen zunehmend individuell gefertigt. Wählbar sind die Funktionen eines Türelements, wie die Schallschutzklasse, Sicherheitsanforderungen, Nassraumtauglichkeit und natürlich die Brandschutzklassifizierung. Und auch die dem Nutzen und dem Anspruch des Einsatzortes entsprechenden Faktoren, wie zum Beispiel ein besonderes Maß an Stabilität und Beanspruchung sowie eine verlängerte Gewährleistung, sind individuell justierbar.

Eine Funktionstür ist heute optisch fast nicht mehr von einer herkömmlichen Tür zu unterscheiden. |

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