BetriebsunterbrechungsversicherungUnzureichende Beratung durch Vermittler?

Das Thema Betriebsunterbrechungsversicherung treibt das deutsche Gastgewerbe nach wie vor um. Rechtsanwalt Hilmar Pickartz hat sich in seinem aktuellen Beitrag für Tophotel mit der Rolle der Vermittler befasst. Seiner Ansicht nach wird das Thema “Vermittlerhaftung” zunehmend aktueller.

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Hilmar Pickartz M.A. ist Inhaber der Kanzlei Pickartz und Collegen mit Niederlassungen in Augsburg, Berlin und Düsseldorf. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind Unternehmenssanierung und Insolvenzvermeidung sowie Banken- und Immobilienrecht. Im Heyne Verlag erschien sein Buch „Die Immo-Falle“.

Da immer mehr Ablehnungen von Erstattungsanträgen durch die Versicherungen bekannt werden, wird sich für viele der Versicherten, deren Antrag entweder abgelehnt worden ist oder die sich nicht mit der zugegebenermaßen sehr dürftigen bayerischen Regelung der zehn- bis 15-prozentigen Beteiligung der Versicherung einverstanden erklären wollen, die weitere Frage nach alternativen Schadensersatzmöglichkeiten stellen. Dabei kristallisiert sich heraus, dass sich der Ärger der Versicherten vermehrt gegen die Vermittler von Versicherungen richtet, sodass das Thema Vermittlerhaftung eine zusätzliche Aktualität bekommt.

Es ist also im Einzelfall zu überprüfen, ob Beratungspflichten beim Abschluss des Versicherungsvertrags verletzt wurden und insbesondere auf die zu versichernden Risiken richtig hingewiesen wurde. Sollte ein entsprechender Beratungsanlass bestanden haben und kein Hinweis auf die Möglichkeit einer Betriebsschließungsversicherung oder kein Hinweis auf Gefahr des Ausschlusses solcher Risiken erfolgt sein – wovon schon deshalb auszugehen ist, weil auch Vermittler wenig Vorahnung von der Entstehung einer Coronakrise haben konnten – kann der Versicherungsvermittler für die entstandenen Schäden gegebenenfalls zur Haftung herangezogen werden. Da oft eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung bei diesen besteht, sind Chancen zur Durchsetzung realistisch.

Unzureichende Beratung dur Versicherungsvermittler?

Eine Beraterhaftung kommt auch dann in Frage, wenn der Kunde vom Vermittler nicht auf die Möglichkeit bzw. die Existenz einer Betriebsschließungsversicherung hingewiesen wurde, also der Versicherte beim Abschluss einer Betriebshaftpflichtversicherung nur einen unzureichenden Versicherungsschutz empfohlen bekommen hat.

Die Betriebsunterbrechungsversicherung entstammt der Sachversicherung. Sie deckt den Schaden ab, den das Unternehmen infolge einer vorübergehenden Schließung erleidet. Ob und welcher Schaden versichert ist, richtet sich nach den vereinbarten Bedingungen. In der Grunddeckung sind Leistungen aus der BUV dann üblicherweise zu erwarten, wenn Betriebsmittel beschädigt oder unbrauchbar geworden sind. Einen solchen Versicherungsschutz haben sicherlich viele. Oft fehlt aber dann der weitere Schutz bei Betriebsunterbrechungen, wenn diese infolge von Infektionskrankheiten eintritt.

Auch hier hätte es z.B. Sinn, dass man nach der ersten Erfahrungsphase der Abwicklungen von Betriebsunterbrechungsversicherungen erkennen kann, ob viele Ablehnungen auf Erstattung aus der Versicherung wegen fehlendem ausreichenden Versicherungsschutzes erfolgt sind, also deshalb dem Vermittler ggf. ein Vorwurf der unzureichenden Beratung gemacht werden kann und somit es Sinn macht zu versuchen, den entstandenen Schaden wenigstens zum Teil auf dieser Ebene durchzusetzen.

Kontakt zum Autor:

Kanzlei Augsburg
Stettenstraße 4
86150 Augsburg
Tel.: 0821-38038700

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