Hotelaktien 6.2013Beruhigungsversuch

Die Beruhigung der Finanzmärkte ist vorübergehend gelungen: Die Aktienkurse erreichen weltweit Höchststände. Die alarmierende Verschuldung wurde durch die üppige Versorgung mit billigem Geld aufs »Abstellgleis des Vergessens« gelenkt. Aktien sind nach wie vor interessant, denn die am stärksten konkurrierende Anlageklasse – Anleihen – sind teuer. Trotz der Gefahr einer globalen Rezession könnte sich so an den Aktienmärkten eine Blase bilden.

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Das Rezessionsrisiko steigt: China, Indien und Brasilien weisen geringere Wachstumsraten auf und die USA schwächeln; viele EU-Länder befinden sich bereits in der Rezession. Kräftige Impulse kann die Weltwirtschaft in den nächsten Jahren aus der Reisebranche erwarten. Denn Fachleute, wie Experten des World Travel & Tourismus Council (WTTC), sind sich einig: Dem Tourismus gehört die Zukunft. Es wird angenommen, dass die Zahl der zur Mittelklasse zählenden Bevölkerung weltweit bis 2030 auf 3 Mrd Menschen steigt. Geoff Breeze von der WTTC verweist auf die Studie »Global Travel Intentions Study«, der zufolge einer von elf neuen Arbeitsplätzen auf dem Globus in der Touristik- und Hotelbranche geschaffen wird. Touristen planen für 2013, ihre Ausgaben um 110 $ zu erhöhen, sodass sie im Durchschnitt 2501 $ pro Reise ausgeben.
Dabei wird längst nicht nur China als Impulsgeber verstanden, sondern auch die reichen Länder der Golfregion – als Quellmarkt und als Reisedestination. Im laufenden Jahr werden hier 150 neue Hotels ihre Pforten öffnen; darüber hinaus befinden sich 450 Häuser in der Pipeline. Dabei will vor allem Dubais Luxuskette Jumeirah eine führende Rolle übernehmen. Im ersten Quartal dieses Jahres konnten die Hotels des Unternehmens nach Angaben von Vorstandschef Gerald Lawless die RevPAR-Kennziffer gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um durchschnittlich 22 % steigern.
Das positive Umfeld für die Touristik führt dazu, dass immer mehr Anleger in diese Branche investieren. Dies auch wegen geringer Renditen von 0,5 bis 1,5 %, die Investoren in Staatsanleihen erzielen. »Immer mehr Kapitalanleger stecken ihr Geld in Hotel-Investmentfonds«, sagt Suril Shah von Starwood Capital, der keine bessere Form des Investments als REITs kenne.

Deutschland & Europa

Die Industrieländer Westeuropas befinden sich amtlichen Statistiken zufolge im sechsten Quartal in Folge in der Rezession. Dabei hält sich Deutschland als Zugpferd leicht in der Pluszone. Obschon keine Wachstumsimpulse festzustellen sind, betont die Bundesregierung die Bedeutung des Tourismus für die hiesige Volkswirtschaft. Das »ökonomische Schwergewicht« Tourismus bietet 2,9 Mio Menschen einen Job und erwirtschaftet eine Bruttowertschöpfung von 100 Mrd €. Nach Angaben der Regierung werden hierzulande Konsumausgaben in Höhe von 280 Mrd € generiert.
Gleichwohl wirkt sich die konjunkturelle Flaute negativ in den aktuellen Zahlen des Gastgewerbes und der Beherbergungsbranche aus. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes setzten die Unternehmen im März nominal 1,1 % und real 3,1 % weniger um als im gleichen Monat des Vorjahres. Der Umsatz der Hotelbranche lag dabei nominal 1,6 % und real 3,3 % niedriger. Für das erste Quartal 2013 meldet das deutsche Gastgewerbe im Vergleich zu den ersten drei Monaten 2012 einen nominal unveränderten und real um 2,2 % niedrigeren Umsatz.
Wenig erbaulich sind auch die Aussichten der Branche in Frankreich, die nach Angaben des Tourismus-Ministeriums 17.000 geratete Hotels mit 617.000 Zimmern umfasst. Nach einer Erholung 2011 tat sich die Branche im vergangenen Jahr schwer, neue Wachstumsimpulse zu vermitteln; die Kapazitätsauslastung fiel um 1 % auf 66,7 %. Auch die Perspektiven für 2013 seien wenig erfreulich, so Fachleute. Der RevPAR französischer Hotels dürfte in diesem Jahr um bestenfalls 2 % steigen.
Die im Gegensatz zu den starken Aktienkursen müde konjunkturelle Entwicklung wird durch aktuelle Geschäftszahlen von Reise- und Hotelunternehmen reflektiert. So ist der Umsatz bei der TUI im ersten Semester 2012/13 nur leicht um knapp 2 % auf 6,8 Mrd € gestiegen. Das operative Ergebnis lag bei einem saisonal üblichen Minus von 339 Mio €.
Negatives gibt es auch von der Deutschen Lufthansa zu berichten. Im traditionell schwachen ersten Quartal wurde ein kaum veränderter Umsatz von 6,6 Mrd € erreicht, doch wurde beim operativen Ergebnis ein Minus von 359 Mio € ausgewiesen. Das Konzernergebnis fiel um 16,5 % auf minus 459 Mio €.
Die an der Münchner Börse notierten Design Hotels haben ihren Umsatz im Jahr 2012 um über 22 % auf 12,63 Mio € gesteigert. Das Bruttoergebnis (EBITDA) lag bei 0,31 Mio € um 30 % niedriger, was im Wesentlichen auf unvorhergesehene Forderungsausfälle zurückzuführen war.
Im ersten Quartal dieses Jahres erzielte Accor auf Konzernebene einen um 1,2 % niedrigeren Umsatz in Höhe von 1,23 Mrd €. Dabei drückten negative Wechselkurseffekte den Konzernumsatz um 16 Mio €.

Nordamerika & Rest der Welt

Ökonomen sehen die USA mittelfristig im Vorteil gegenüber anderen Wirtschaftsregionen in der Welt. Sie gehen davon aus, dass die USA durch die »Energie-Revolution« – die Entdeckung billiger Schieferöl- und Schiefergas-Vorkommen in Nordamerika – mittelfristig zum Energie-Netto-Exporteur wird. Wer den Faktor Energiekosten für die US-Volkswirtschaft kennt, der kann sich die Vorteile einer solchen Entwicklung ausrechnen. Vor diesem Hintergrund dürften sich Dollar-Investments mittelfristig doppelt auszahlen. Die Vorteile der Schiefergas-Revolution hat jetzt auch Bill Marriott betont. Er wies darauf hin, dass die ökologische Revolution in seinem Unternehmen durch die stärkere Nutzung umweltfreundlicher erdgasbetriebener Automobile umgesetzt wird. »Das ist der Geist, den wir brauchen«, sagte Marriott. Die Aktie des Konzerns gilt nicht zuletzt aus diesem Grund als einer der Top-Favoriten an der US-Börse.
Eine Stärkung der eigenen Stellung auf dem lateinamerikanischen Hotelmarkt hat Starwood Hotels & Resorts Worldwide angekündigt. In den kommenden fünf Jahren soll die Zahl der Hotelbetten in der Region um 50 % erhöht werden. Starwood-Chef Frits van Paasschen und andere Mitglieder des Managements hatten diese Pläne jüngst im Rahmen einer Lateinamerika-Reise nach Brasilien und Kolumbien angekündigt.

Hotelfinanzierungen

Die Kapitalmarktzinsen sind zuletzt zwar leicht angestiegen, doch machten Vertreter der Notenbanken deutlich, dass man an der Beibehaltung des Niedrigezins-Umfeldes interessiert sei. Nach wie vor sind die Notenbanken aufgrund ihrer »wundersamen Geldvermehrung« Handlanger der Regierungen. So werden nach den Geldmarktzinsen auch die ­Kapitalmarktzinsen in Europa und den USA wieder auf die alten Rekordtiefs oder sogar darunter sinken. In der Touristikbranche gab es zuletzt folgende Eigenkapital- und Fremdkapital-Transaktionen:
Pebblebrook Hotel Trust: Die als REIT aufgestellte Hotel­gesellschaft hat von der PNC Bank einen Kredit über 50 Mio $ erhalten. Über die Konditionen wurden keine Angaben gemacht.
Venetian Macao: Die Gesellschaft verhandelt mit ihren Banken über eine potenzielle Refinanzierung eines im September 2011 abgeschlossenen fünfjährigen Kredits in Höhe von 3,7 Mrd $.

Kaufen oder nicht kaufen?

Accor: Von »halten« auf »kaufen« haben die Fachleute des Finanzhauses CIC Securities die Bewertung der Aktie heraufgesetzt.
TUI: Bei den Analysten von JP Morgan wird die Aktie unverändert mit »neutral« bewertet, doch wurde das Kursziel auf Sicht eines Jahres von 8,8 auf 10 € angehoben.

 

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