Bad News für Bakterien

Ansprechendes Design ist im Sanitärbereich ein absolutes Muss – größtmögliche Trinkwasserhygiene auch. Moderne Technik kann das unterstützen. (Bild: Kuhfuss Delabie)

Für den Nutzer unsichtbar, darf die Trinkwasserhygiene in Sanitärbereichen keinesfalls vernachlässigt werden. Intelligente Armaturentechnologien tragen wesentlich dazu bei, Legionellen und anderen Krankheitserregern den Nährboden zu entziehen.

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Attraktive Sanitärbereiche sind die Visitenkarte von Hotels und Gastronomiebetrieben. Das gilt sowohl für die Gästezimmer als auch für die Anlagen in der Lobby, die Restaurants sowie angegliedertn Veranstaltungs- und Kongressbereiche. Neben dem Design sind auch die Nutzer- und Funktionssicherheit sowie Pflegeleichtigkeit und  Energieersparnis von Bedeutung. Um den sich stetig verschärfenden Anforderungen der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) zu genügen, nehmen auch Maßnahmen zur Sicherung der Trinkwasserhygiene einen immer größeren Stellenwert ein.

Die Einhaltung der Trinkwasserhygiene ist eine anspruchsvolle Herausforderung, da Sanitäranlagen im Gastgewerbe nicht immer kontinuierlich betrieben werden. Gründe dafür sind unter anderem stark schwankende Belegungen, Ruhezeiten und damit nicht genutzte Anlagen außerhalb der Saison sowie nur sporadisch genutzte Veranstaltungs- und Kongressbereiche. Durch diesen diskontinuierlichen Betrieb mit langen Stagna­tionszeiten innerhalb des Leitungsnetzes und der Entnahmearmaturen erweisen sich Sanitärbereiche als besonders anfällig für die Ansiedlung von bakteriellen Kulturen.

Abgesehen von Risiken innerhalb der Trinkwasserinstallation wie Totleitungen, wenig durchströmte Bypass-Leitungen, geringe Strömungsgeschwindigkeiten oder der Eintrag von Kontaminationen von außen sind vorwiegend Entnahmearmaturen im Luft-Wasser-Grenzbereich gefährdet. Durch stagnierendes Wasser im Armaturenkörper oder durch die Ansammlung von Schmutz und Kalk in den Strahlreglern wird die Ansiedlung von Bakterien wie Legionella spp. oder insbesondere Pseudomonas aeruginosa begünstigt. Durch die Erwärmung des stagnierenden Wassers und die Zufuhr von Sauerstoff finden diese Bakterien ideale Lebensbedingungen. Deshalb schreibt die Trinkwasserverordnung regelmäßige Probeentnahmen und mikrobiologische Kontrolluntersuchungen vor.

Strenge Richtlinien zur Trinkwasserhygiene

Normen und Richtlinien bezüglich Trinkwasser-Installationen werden fortlaufend geändert. Die Richtlinie VDI/DVGW 6023 enthält konkrete Anforderungen für den Erhalt einer hygienisch einwandfreien Trinkwasser-Installation. Der bestimmungsgemäße Betrieb stellt sicher, dass an jeder Stelle der Trinkwasser-Installa­tion innerhalb von 72 Stunden ein Wasseraustausch durch Entnahme stattfindet. In Installationen mit fehlendem Wasseraustausch über mehr als 72 Stunden gilt der Betrieb als unterbrochen. In diesem Fall muss bei Wiederinbetriebnahme durch Öffnen der Entnahmearmaturen der vollständige Trinkwasseraustausch der Anlage oder Anlagenteile sichergestellt werden. Bei Trinkwasser-Installationen, deren bestimmungsgemäßer Betrieb mehr als vier Wochen unterbrochen wird, müssen die Leitungen vor der Unterbrechung abgesperrt und bei Wiederinbetriebnahme regelkonform gespült werden. Und bei Trinkwasser-Installationen mit Betriebsunterbrechungen von mehr als sechs Monaten Dauer sind die vorher genannten Maßnahmen und zusätzlich mikrobiologische Kontrolluntersuchungen gemäß TrinkwV und auf Legionellen durchzuführen.

Überdimensionierungen der Rohrleitungen sind zu vermeiden, um die Einhaltung einer angemessenen Fließgeschwindigkeit sicherzustellen. Dies ist besonders wichtig, um einen ausreichenden Wasseraustausch zu erreichen und Biofilmwachstum zu begrenzen. Nur bei ausreichenden Fließgeschwindigkeiten werden die Rohrleitungen gleichmäßig durchströmt, sowohl in der Rohrmitte als auch im Bereich der Rohrwandung, wo Biofilme entstehen.

Die Richtlinie weist ausdrücklich auf die Verantwortung des Betreibers für die hygienische Unbedenklichkeit des Trinkwassers hin und schreibt Schulungsmaßnahmen für das betraute Personal sowie eine Dokumentationspflicht für alle Parameter des Trinkwassernetzes vor.

Thermische Desinfektion vielfach wirkungslos

Werden im Trinkwasser bakterielle Kontaminationen nachgewiesen, sind nach dem für alle Trinkwasser-Installatio­-nen maßgeblichen DVGW-Arbeitsblatt W 551 sofortige Desinfektionsmaßnahmen durchzuführen. Die Maßnahme der ersten Wahl ist im Allgemeinen die thermische Desinfektion, d.h. die Aufheizung des gesamten Trinkwassersystems und Spülung der Entnahmearmaturen mit einer an allen Punkten einzuhaltenden Mindesttemperatur von 70 °C. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass die thermischen Desinfektionen in vielen Fällen wirkungslos sind. Darüber hinaus sind thermische Desinfektionen mit weiteren Nachteilen belegt. Durch die hohen Temperaturen kommt es zu einer außergewöhnlichen Belastung und Korrosionsgefahr der verwendeten Installationsmaterialien sowie zu erhöhtem Kalkausfall.

Armaturen für maximale Hygiene

Entsprechend konzipierte Armaturen können die bei Befall vielfach wirkungslosen Maßnahmen wie thermische Desinfektionen vermeiden. Sowohl selbstschließende als auch elektronische Armaturen sorgen für maximale Hygiene. Durch das automatische Schließen der Armatur ist kein Handkontakt nach dem Waschen nötig, was Bakterienübertragung über die Hände unterbindet. Außerdem sind diese Armaturen wassersparend, vermeiden so die Überdimensionierung der Trinkwasserleitung und ermöglichen eine ausreichende Fließgeschwindigkeit.

Um die Menge stagnierenden Wassers möglichst gering zu halten und die Ansiedlung von Keimen zu vermeiden, bieten sich Armaturen an, deren wasserführende Teile kleine Querschnitte besitzen: Die im Armaturenkörper enthaltenen Wassermengen sind so geringer und die Fließgeschwindigkeiten höher. Glatte, ebene Innenflächen erschweren zudem das Anhaften von Biofilmen deutlich und vereinfachen ihre Entfernung wesentlich.

Strahlregler und Luftsprudler sind einem besonders hohen Risiko für Erregerkonzentrationen ausgesetzt, denn als Luft-Wasser-Grenzflächen sind sie anfällig für bakterielles Wachstum. Strahlregler aus verkalkungsarmen Materialien und ohne Luftbeimischung und Sieb können daher das Bakterienwachstum wesentlich begrenzen.

Auch wenn Urinal- und WC-Spülsysteme auf den ersten Blick keinen direkten Bezug zur Trinkwasserhygiene haben, ist ihr Einfluss nicht zu vernachlässigen. Bei ungeeigneten Armaturen oder insbesondere auch in Spülkästen können sich leicht Bakterienkolonien ansiedeln und von dort aus die Trinkwasserinstallation kontaminieren. |

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