Ausbildung Ausbildung fertig – und weg

Schloss Elmau

Das Hotel Schloss Elmau steht für Luxus und Qualität. Auch, was die Ausbildung betrifft. Da müsste man meinen, die Bewerber rennen in Elmau alle Türen ein. Doch auch das Nobelhotel kämpft mit den üblichen Problemen der Branche, zu denen auch das unterschiedliche Lohngefüge in Deutschland und Österreich gehört.

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Ausbildung ist eines der Lieblingsthemen von Hoteldirektor Nikolai Bloyd. Wenn man sich mit dem US-Amerikaner über die jungen Leute, deren Potenzial und Chancen unterhält, winkt er regelmäßig einen Angestellten herbei, der aus dem Nähkästchen plaudern soll. Rund 20 Prozent seiner 300 Mitarbeiter auf Schloss Elmau sind Auszubildende oder Praktikanten. »Das ist natürlich auch eine finanzielle Sache«, gibt er zu. Aber, wer Bloyd kennt, weiß, dass er ein jugendlich-frisches Team schätzt. Sein Plan sieht vor, pro Halbjahr 15 junge Leute zu engagieren. »Oft genug klappt das nicht.« Dabei hat er schon ein ausgefeiltes Recruiting-Programm auf die Beine gestellt, kooperiert vor allem mit Hotelfachschulen im deutschsprachigen Raum. Bestimmte Messen hat er gestrichen, andere zur Chefsache erklärt. »Vor Ort konkurrieren wir mit Mandarin Oriental, Ritz-Carlton oder Sandals, die allein 350 Leute pro Semester suchen.« Natürlich stellt auch Bloyd gewisse Anforderungen – so haben 90 Prozent seiner Azubis Abitur. Und in gewisser Weise rächt sich das Bewerberprofil wieder, knapp die Hälfte der jungen Mitarbeiter verlässt Schloss Elmau direkt nach dem Abschluss, um ein Studium zu beginnen. Dabei steuert Bloyd dagegen: Er überweist ein Dankeschön von 700 Euro an jene, die nach der Ausbildung bleiben. Außerdem hat der GM ein Trainee-Programm eingeführt, bei dem man als Frischling schnell Karriere machen kann.  Trotzdem folgt jeder Vierte dem Ruf des Geldes – in erster Linie ins angrenzende Österreich. Einer der Gründe: Der österreichische Tarifvertrag sichert jedem Mitarbeiter je ein volles 13. und 14. Monatsgehalt zu. Kost und Logis sind in der Regel frei, außerdem ist man im Vorteil, weil die österreichischen Hoteliers fast zwei Drittel der Sozialabgaben tragen müssen. Jetzt könnte man Bloyd zurufen, er müsse eben höhere Gehälter bezahlen. Aber was die Lohnkosten betrifft, sei man mit 37 bis 38 Prozent vom Gesamtumsatz an der Obergrenze.

Die Ausprägungen des unterschiedlichen Lohngefüges zwischen Deutschland und Österreich kennt kaum jemand besser als Fried-Joachim Störmer, der auch um die jeweiligen Probleme weiß. Der gebürtige Sonthofener betreibt das Suitehotel Kleinwalsertal, ist Funktionär bei der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) und Vorsitzender des Prüfungsausschusses der IHK Augsburg-Schwaben. Die Allgäuer Kollegen beklagen sich immer wieder bei ihm, dass viele Mitarbeiter ins Nachbarland abwandern. »In Österreich hat die Gewerkschaft einen besseren Stand und unterm Strich höhere Löhne für ihre Mitglieder ausgehandelt.« Letztlich müsse das der Gast büßen, denn die Zimmerpreise seien höher. Die Personalkosten im Vier- und Fünf-Sterne-Bereich in Österreich liegen nach seinen Worten zwischen 42 und 45 Prozent. So manches Luxushaus berichte gar von 50 Prozent und mehr. »Wir wissen nicht, wo das hinführen soll. Aber wir müssen diese Löhne zahlen.«

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