Auf Wunsch unsichtbar

4 Das mehr als 100 Jahre alte denkmalgeschützte Bankgebäude in Wien wurde zum Luxushotel umgebaut. (Bild: Park Hyatt Vienna)

Displaymonitore, die aus Kaminen emporfahren, Fernsehbildschirme in Möbeln verstaut, Lautsprecher hinter Wänden und in Sofas versteckt – die Liste der medientechnischen Besonderheiten im neuen Park Hyatt Hotel Vienna ist lang.

Anzeige

Das Wiener Projekt ist ein Superlativ: Der Bauherr Signa kaufte 2008 das mehr als 100 Jahre alte ehemalige Bankgebäude „Am Hof 2“, um es zum ersten österreichischen Park-Hyatt-Hotel umzubauen. Klares Ziel von Bauherr und Betreiber Hyatt: Das denkmalgeschützte Haus sollte konsequent jene Zeit widerspiegeln, in der es vor 100 Jahren gebaut wurde. Bauherr Signa scheute dabei keinen Aufwand. Beispiele: 20 akademische Restauratoren dokumentierten den historischen Bestand und überwachten den Bau. Decken, Wände und Wandverkleidungen wurden demontiert und an anderer Stelle wieder zusammengesetzt. Das gesamte Gebäude wurde angehoben, um im Untergeschoss einen Pool zu bauen. 200 Kunsthandwerker aus ganz Europa kümmerten sich um Stein-, Glas- und Holzarbeiten. Textilien wurden mit zertifizierten Stoffen eigens neu gewoben.

Für Dietmar Ploberger war von Anfang an klar: Bei so einem Großprojekt und bei den speziellen Anforderungen kann man die Medientechnik nur einem Spezialisten übertragen, fand der Projektmanager der Signa Development Immobilien Entwicklungs GmbH, einem europaweit agierenden Immobilien-Projektentwickler mit Sitz in Wien. Die Verantwortlichen bei Hyatt, dem Betreiber des neuen Luxushotels in der Wiener Innenstadt, sahen es genauso. Bei Hyatt hatte man bereits gute Erfahrungen mit Macom gemacht und deshalb erhielt der deutsche AV-Spezialist den Zuschlag für die Planung der Medientechnik des Luxushotels.

Eine Entscheidung, die Dietmar Ploberger nicht bereut. „Die Ergebnisse haben die Erwartungen erfüllt und sogar übertroffen.“ Man habe im Park Hyatt
Vienna heute „Medientechnik vom Feinsten“ umgesetzt und konnte vor allem den zentralen Anspruch des Hotelbetreibers erfüllen: In einem Hotel, das mit einem sehr hohen Aufwand ein Zitat der Jahrhundertwende darstellt, darf nirgendwo auch nur ein Kabel, ein Monitor oder ein Lautsprecher zu sehen sein. Wo Kronleuchter hängen, soll keine Projektionsleinwand herunterfahren, an einer rekonstruierten Stuckdecke darf kein Beamer baumeln.

Für das IP-TV-System bot Anbieter Locatel die Lösung. Diese überzeuge unter anderem durch ihre Flexibilität, fehlende Programme etwa lassen sich vom Dienstleister binnen Minuten ergänzen, ohne dass ein Techniker das Hotel betreten muss. Bei den Ausstattungsfeatures des IP-TV-System hat man sich in dem Wiener Luxushotel übrigens auf Basisfunk­tionen konzentriert, etwa den Check-out über den Bildschirm. Aufwändige Extra-features, beispielsweise die Anbindung eigener Devices via WLAN an das TV-System, brauche der Gast nicht, weiß Dietmar Ploberger.

TV-Lösung aufs Hotel abgestimmt

Glücklich ist man bei Signa auch mit der Wahl des TV-Herstellers Loewe. Die
Loewe-Monitore – mit hotelweit 322 Set-Top- Boxen verbunden – böten das beste Bild und dank ihrer Frontlautsprecher den besten Klang. Eine Auswahlentscheidung von vielen, berichtet Ploberger, die Macom fachlich sehr gut unterstützt habe. In diesem Fall war das besonders wichtig, weil Loewe während der Bauphase einen Eigentümerwechsel zu verzeichnen hatte.

Die Wahl auf ein IP-basiertes TV-System erweist sich heute in Wien als die richtige Entscheidung. Die Flexibilität eines IP-TV-Systems ist enorm, berichtet Dietmar Ploberger. Überall, wo Netzwerkbuchsen zur Verfügung stehen, lassen sich Monitore anschließen, etwa bei Veranstaltungen. So konnten die Gäste der Hotel­eröffnung den Live-Stream der Kameras auf allen Bildschirmen im Hause sehen. Hotelgäste können sogar auf den Bildschirmen der Trainingsgeräte im Fitnessraum ihren Wunschfilm aus dem zentralen Video-On-Demand-System ordern. Abgerechnet wird abschließend über das Hotelsystem.

In den 35 Suiten waren die Anforderungen an die Medientechnik noch höher, berichtet Bauherr Ploberger. Der Gast sollte etwa ein Surround-Audio-System vorfinden, aber keinen einzigen Lautsprecher sehen. Macom betrat hier Neuland und machte Versuche mit hinter Wänden und Spiegeln versteckten Excitern – mit guten Ergebnissen. Heute sind in den Suiten des Park Hyatt Lautsprecher hinter Spiegeln, Wänden und in Möbeln versteckt. TV-Monitore erheben sich in den Suiten auf Knopfdruck aus Möbeln (Pop-up-Konsolen), in den Zimmern gibt ein Klappspiegel den Fernseher frei. In den Bädern schicken die Bildschirme ihr Licht durch den Spiegel hindurch. Alle Gäste im Park Hyatt können ihre eigenen Geräte über ein Mediahub mit der vorhandenen Infrastruktur verbinden. Alle haben zusätzlich ein Bluetooth-Lautsprechersystem zur Verfügung, mit dem sie die Musik ihres Smartphones hören können.

Die Idee der „Sound-Bench“

Auch für die Beschallung der öffentlichen Räume brauchte es neue Lösungen. Schließlich galt auch für Spa, Gym, Rezeption, Bar, Schauküche, Eventfläche und vor allem für die fünf Tagungsräume, drei Pausenräume und den 202 Quadratmeter großen Ballsaal das Gebot der Unsichtbarkeit der Medientechnik. Für die Veranstaltungsräume gab es nur eine Lösung: Große Bildschirme müssen Leinwände ersetzen und diese Bildschirme können nur in den Kaminverkleidungen versteckt werden. So fahren nun in den Tagungsräumen Liftsysteme im Kamin 70 und 80 Zoll große Monitore nach oben und eine Klappe aus Marmor gibt den Bildschirm frei. Lautsprecher sind auch hier in den Wänden versteckt, in einem Wartebereich im Hoteleingang stecken sechs Hochleistungslautsprecher sogar in einem Sofa, eine Macom-Lösung, für die in Wien die Wortschöpfung „Sound-Bench“ kreiert worden ist. Mit den Sofa-Lautsprechern lassen sich verschiedene Lautsprecherzonen einrichten, sodass auch hier einer Vorgabe der Bauherren entsprochen wird: Nirgendwo im Hotel soll es zu Sound-überlappungen kommen, überall gibt es klangfreie Pufferzonen. Und dank der insgesamt 100 digitalen Signalprozessoren (DSP) lässt sich der Klang für jeden einzelne Raumakustik individuell anpassen.

Im Veranstaltungsbereich wird die AV-Technik mit Bedienelementen des Herstellers AMX gesteuert. Für die Bedienung der Medientechnik im Haus wurde das Hotelpersonal mit iPads ausgestattet –was sehr gut ankomme, so Ploberger. |

Anzeige