Hotelaktien 10.2013Auf Wachstum getrimmt

Der Hotelmarkt ist weltweit stark in Bewegung. Man erkennt die Belebung der Branche an der zunehmenden Zahl von Transaktionen. Es fällt auf, dass Investoren aus China und dem arabischen Raum auf der Käuferseite drängeln, während Hoteleigner und US-Private-Equity-Unternehmen bereit sind, Kasse zu machen und ihre Hotelbeteiligungen zu veräußern. Das beweist: Touristik und Hotellerie haben nach wie vor ein riesiges Wachstumspotenzial. An den Wertpapierbörsen wird dies durch steigende Aktienkurse reflektiert. Trotz aller Risiken dürfte die Globalökonomie vorerst wachsen.

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Nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers 2008 durchschritt nicht nur die US-Hotelbranche eine Talsohle von rund eineinhalb Jahren. Die Auswirkungen der Krise waren auch bei Hotelunternehmen in aller Welt festzustellen. Doch seither zeigt der Trend im globalen Hotelzyklus wieder deutlich nach oben. »Fünf Jahre nach dem Insolvenzantrag von Lehman Brothers steht die Hotelbranche möglicherweise sogar stärker da als jemals zuvor«, betonen US-Analysten. Nach Berechnungen von Smith Travel Research (STR) lag die Zahl der Buchungen in US-Hotels auf einem neuen Rekordniveau. Das Tempo dieser Wende im Hotelzyklus hat nicht nur so manchen Kapitalanleger an der Börse, sondern auch gestandene Hoteliers überrascht.

Im Zeitraum von Januar bis Juli 2013 ist sowohl die Zahl als auch das Volumen der global durchgeführten Hotel-Transaktionen kräftig in die Höhe geschossen. Nach einer Analyse von Real Capital Analytics liegt der Wert der durchgeführten Hotel-Transaktionen im Vergleich zum Vorjahr um 47 % höher bei 14,1 Mrd $. Vieles spricht dafür, dass der Markt in Bewegung bleibt. Und dies, obwohl die RevPAR-Kennziffer an Dynamik eingebüßt hat. Im ersten Halbjahr 2013 lag die Wachstumsrate weltweit nur noch bei 5,6 % und damit unter den Zahlen von 6,8 % im Jahr 2012 und 8,2 % 2011. STR prognostiziert für das laufende Jahr ein RevPAR-Wachstum von 5,7 % und von 6 % im Jahr 2014.

Ungeachtet dessen ist das Interesse von Großinvestoren anhaltend hoch; denn diese sehen in Hotel-Investments »das neue Glück«. Einer von diesen Finanz-Jongleuren ist Wang Jianlin (58). Der Chairman und Präsident der Dalian Wanda Group, der mit einem Vermögen von umgerechnet mehr als 14 Mrd $ als reichster Mann im Reich der Mitte gilt, kündigte an, zwei Investmentbanken mit der Suche nach interessanten Hotelunternehmen zu beauftragen. Diese von Kapitalanlegern nicht gerade erwartete Meldung sorgte für starke Impulse an den Wertpapierbörsen rund um die Welt. Denn die Aktienkurse großer Ketten wie Marriott, Starwood, Hyatt und Accor oder InterContinental schossen kräftig in die Höhe. Zuvor hatte die Dalian Wanda Group erklärt, in zehn Städten weltweit weitere 15 Luxushotels pro Jahr errichten oder kaufen und so die Zahl der derzeit 40 eigenen Hotels ausweiten zu wollen.

Auch andere Hotelinvestoren meldeten sich vor diesem Hintergrund zu Wort. So die in Amman ansässige Hotelgruppe R Hotels, die in den kommenden drei Jahren rund 400 Mio $ für den Erwerb und die Entwicklung neuer Hotelanlagen in den Golfstaaten  einsetzen will. Dabei zielt die Gruppe vor allem auf die Vereinigten Arabischen Emirate.

Deutschland & Europa

Diese Aussage spricht für sich: »Wir haben ein klares Ziel – TUI soll wieder dividendenfähig werden!« Unter diesem Motto beobachten Börsen sehr sorgfältig die geschäftliche Entwicklung des Konzerns. Dieser ist operativ gut in die Sommersaison gestartet, wie aktuelle Zahlen zeigen. Das operative Ergebnis (bereinigtes EBITA) verbesserte sich nach Ablauf ­der ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2012/2013 bei einem stabilen Umsatz von 11,5 Mrd € um rund 6 % auf ein saisonbedingtes Minus von 252 Mio €. Im gleichen Vorjahreszeitraum hatte das Minus des Reisekonzerns noch 269 Mio € betragen. Zur positiven Entwicklung trugen sowohl das Hotelgeschäft als auch die Tochter TUI Travel bei. Der Vorstand bestätigte den Ausblick für das Gesamtjahr. Beim Umsatz wird mit einer moderaten Steigerung gerechnet – beim operativen Ergebnis wird eine weitere Verbesserung erwartet. Mit den Fortschritten zeigt sich CEO Friedrich Joussen zufrieden: »Wir sind gut unterwegs und sehr zuversichtlich, die kommunizierten Finanzziele zu erreichen.«

Die Design Hotels AG, deren Aktien im Segment »m:access« der Bayerischen Börse in  München gehandelt werden, hat ihren Umsatz im ersten Semester 2013 um 15 % auf 6,74 Mio € und die Buchungskommissionen – mit 45 % erneut größter Umsatzträger – ebenfalls um 15 % auf 3,05 Mio € gesteigert. Der Erlös aus Mitgliedsgebühren stieg um 7 % auf 1,55 Mio €. Der Umsatz im Bereich Marketing Products/ Consulting wies ein starkes Plus von 22 % auf 2,14 Mio € auf. Das Ergebnis nach Steuern belief sich im ersten Halbahr 2013 auf 0,111 Mio € – gegenüber einem Verlust von 0,088 Mio € im gleichen Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis je Aktie errechnet sich mit 0,01 € (nach einem Verlust von 0,01 €). Zum 30. Juni 2013 verfügte Design Hotels über liquide Mittel in Form von Bargeld und kurzfristig verfügbaren Einlagen in Höhe von 3,45 Mio €. Die Bilanz der Gesellschaft ist weiter frei von Bankverbindlichkeiten und nennenswerten Firmenwerten.
Deutschland ist nicht mehr Reiseweltmeis­ter. Nach einer Analyse der UN World Tourism Organisation (UNWTO) hat China den deutschen Touristen diesen Rang inzwischen streitig gemacht. Die für ihre Gruppenreisen in organisierter Form bekannten chinesischen Touristen haben im Jahr 2012 bei ihren Auslandsreisen insgesamt 102 Mrd $ ausgegeben, was gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung um 41 % entspricht. Auf den weiteren Plätzen folgen Deutschland und die USA, deren Reisende im Ausland jeweils 84 Mrd $ ausgaben.

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