Andreas Naegele im PorträtVon der Küche in die Karibik

Andreas Naegele (42) ist gelernter Koch. Doch sein ganzes Leben in der Küche zu verbringen, kam für ihn nicht in Frage. Mit 24 Jahren verließ er seine Heimat Bayern und ging nach London – es war der Anfang einer weiten Reise. Heute arbeitet Naegele als GM der Schwesternhotels Jade Mountain und Anse Chastanet auf St. Lucia in der Karibik.

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Die Bilder der Verwüstung gingen um die Welt: In den vergangenen Wochen sind mit Irma und Maria gleich zwei starke Hurrikane über die Karibik hinweggefegt. Doch auch wenn die Insel St. Lucia weitgehend verschont blieb – die Hurrikan-Saison ist noch nicht zu Ende. Andreas Naegele beunruhigt das jedoch nicht. »Das Risiko für uns ist – trotz der Bilder in den Me-
dien – gering. Wir befinden uns sehr weit südlich und außerhalb des Hurrikangürtels«, sagt er zu den aktuellen Geschehnissen. Sollte, so der General Manager der Luxushotels Jade Mountain und Anse Chastanet, dennoch ein Sturm auf St. Lucia zukommen, sei man darauf gut vorbereitet.

Immerhin sind die beiden Häuser mit vier und fünf Sternen massiv gebaut. Allein die Erstellung des Fünf-Sterne-Resorts kostete rund 29 Millionen Euro. Eine Investition, die sich gelohnt hat: Durch seine 29 Suiten, die bereits in der Nebensaison einen Preis von 925 bis 2.300 Euro pro Nacht haben, hat sich vor allem das Jade Mountain (welches später als seine Schwester, nämlich 2004, gebaut wurde) einen Namen gemacht. Das Besondere: Alle der bis zu 185 Quadratmeter großen Suiten mit Pool oder Jacuzzi in dem markanten, an einem Steilhang errichteten Jade Mountain, bieten den gleichen Blick auf das Meer und das Wahrzeichen des kleinen Karibikstaates – die beiden Piton-Felsen. Die Ecksuiten des im Sommer vom »Travel + Leisure«-Magazins auf Platz 25 der 100 weltweit besten Hotels 2017 gerankten Hotels sind sogar zu zwei Seiten offen.

Allerdings sind sie so konstruiert, dass selbst bei schlechtem Wetter Gäste dort übernachten können. Während eines durchschnittlichen Tropensturms umspielt der Wind lediglich das Moskitonetz, welches den schlafenden Gast vor Insekten schützt. Vom Regen bemerkt man nur ein paar Tropfen, die im äußeren Bereich der Suiten landen. »Wir mussten bislang noch keine Suiten wegen des Wetters räumen und konnten sie stets an unsere Gäste vermieten«, sagt Naegele.

Der 42-jährige GM des Luxusresorts kommt aus dem Großraum Neu-Ulm und lebt seit nunmehr 17 Jahren nicht mehr in Deutschland. Ursprünglich galt seine Passion dem Kochen. »Ich bin gelernter Koch. Nach der Lehre bin ich zum Bund gegangen, von 1996 bis 2000 habe ich in Sternerestaurants wie dem Hotel Restaurant Adler in Lahr-Reichenbach gearbeitet«, erzählt er. Früh habe er jedoch die Entscheidung getroffen, nicht bis ins Rentenalter in der Küche stehen zu wollen. »Mit 24 Jahren bin ich nach London gegangen.« Ein bis dahin schlechtes Englisch konnte Naegele dort neben der Arbeit als Koch in Sprachkursen aufpolieren. Wegen der Internationalität tauschte er das »ä« in seinem Familiennamen sogar gegen ein „ae“.

Nach seiner Zeit in London besuchte Naegele zweieinhalb Jahre lang die Les Roches International School of Hotel Management in der Schweiz. Darauf folgten mehr als sieben Jahre bei Mandarin Oriental – in Thailand, Prag und Macau. »Für Conrad Hotels habe ich zudem ein Opening in Peking gemacht, für Viceroy Hotels habe ich auf den Malediven und auf Anguilla gearbeitet«, fügt Naegele hinzu. Letzteres sei jetzt ein Four Seasons, man kenne es aus einem Werbespot für eine runde weiße Süßigkeit. »Dann war im Gespräch, dass ich für Viceroy nach Istanbul gehen könnte. Wegen des damaligen Putschversuchs wurde das aber verworfen«, erklärt der gebürtige Bayer, der im Laufe seiner Karriere zahlreiche bekannte Persönlichkeiten wie den Dalai Lama, Albert und Caroline von Monaco oder die Sängerin Shakira getroffen hat.
Schließlich bot man Naegele die Stelle als GM des Jade Mountain und des Anse Chastanet an. »Anguilla ist sehr klein, flach und recht staubig; besteht eigentlich nur aus Strand und Esskultur. St. Lucia hingegen ist eine vielfältige Insel, die sich auch hervorragend für Outdoor-Aktivitäten eignet«, schwärmt er. Gelegentlich spielt Naegele Tennis oder Golf mit Kollegen. Eines seiner großen Hobbys ist außerdem das Tauchen, das er auf den Malediven gelernt hat. Geschäftspartner empfängt er am liebsten – wie sollte es anders sein – am nur per Boot erreichbaren Zweitstrand. Viele der Produkte, die im dortigen Open-
Air-Restaurant verarbeitet werden, stammen von der hoteleigenen Kräuter-, Gemüse- und Obstfarm.

Mit der Mentalität auf St. Lucia hat sich Naegele bereits angefreundet. Auf der Insel seien die Menschen sehr herzlich, sagt er. Das  mache sich auch bei seinem Team von insgesamt knapp 550 Menschen bemerkbar. »Wir machen alles selber. Das bezieht sich nicht nur auf Housekeeping und Co. Wir haben eine eigene Autoflotte, unterhalten ein eigenes Segelschiff, bauen eine Vielzahl an Möbeln in einer eigenen Holzwerkstatt und ernten auf der Farm Kakaobohnen, vergären und trocknen sie. Im Chocolate Lab des Jade Mountain produzieren wir daraus Schokolade«, erklärt der General Manager, der auf dem Hotelgelände ein kleines Haus bewohnt.

Im Jade Mountain und im Anse Chastanet im Süden von St. Lucia hat Naegele aber auch wieder einen deutschen Bezug gefunden. Seine Chefin Karolin Troubetzkoy ist Deutsche. Lange Zeit war sie selbst Direktorin der beiden Häuser. Ihr Ehemann, der russisch-kanadische Architekt Nick Troubetzkoy, hat das Jade Mountain (das ihm neben dem Anse Chastanet auch gehört) erbaut.

Und auch jetzt ist Karolin Troubetzkoy  noch eine treibende Kraft in dem Resort. »Als Executive Director Marketing and Operations ist Karolin sehr stark im täglichen Geschäft involviert und wir arbeiten sehr eng zusammen«, erklärt Naegele. Zudem hat Karolin Troubetzkoy weitere Aufgaben auf der Insel übernommen: Sie ist die deutsche Konsularin auf St. Lucia und die Präsidentin der Carribean Hotel & Tourism Association (CHTA). »Sie tut sehr viel für die Insel und das merkt man auch, wenn man für sie arbeitet«, konnte der 42-Jährige seit seinem Amtsantritt im Herbst 2016 feststellen. Für deutsche Jahreszeiten allerdings kann selbst eine Konsularin nicht sorgen. Und die vermisst Naegele zuweilen. Gerade jetzt, wo in Europa der Herbst begonnen hat, denkt er ab und zu an »warme Sachen, Rotwein und Kamin«.   

Jade mountain
P.O. Box 4000
Soufrière
St. Lucia/West Indies
Telefon 758-459400070006100
www.jademountainstlucia.com
Kategorie ★★★★★
Direktor Andreas Naegele
Logis 29 Suiten
Preise Nebensaison ab circa 925 €, Hauptsaison ab 1.235 €

anse chastanet
P.O. Box 4000
Soufrière
St. Lucia/West Indies
Telefon 758-459400070006100
www.ansechastanet.com
Kategorie ★★★★
Direktor Andreas Naegele
Logis 49 Zimmer und Suiten
Preise Nebensaison ab circa 325 €, Hauptsaison ab 500 €

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