Alfred-Brenner-Stipendium 2020 Gewinnerin Verena Kunz im Porträt

Verena Kunz, Gewinnerin des Alfred-Brenner-Stipendiums 2020 hat ihre Karriere fest im Blick: mittelfristig strebt sie eine Managerposition in der gehobenen Gastronomie an. Im Moment absolviert die Studentin ihre letzte Praxisphase in ihrem Ausbildungsbetrieb im FHG-Modell, dem Brenners Park-Hotel & Spa in Baden-Baden. Wann sie ihre wegen Corona abgesagten Prüfungen des 6. Semesters an der DHBW in Ravensburg nachholen kann, ist derzeit ungewiss. (Bild: Jan Gebert)

Verena Kunz ist 26 Jahre jung und die Gewinnerin des Alfred-Brenner-Stipendiums 2020. Was sie antreibt, wie sie den Beruf für sich entdeckt hat und wofür sie das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro verwenden will, verrrät sie im exklusiven Gespräch mit Tophotel.

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Als das Geheimnis an diesem Abend Mitte Februar im Saal des Brenners gelüftet wird, der Applaus aufbrandet und Verena Kunz auf der eben noch verdeckten Staffelei ihren Namen auf der Urkunde liest, würde sie am liebsten in lautes Jubelgeschrei ausbrechen. Doch sie reagiert mit einem sympathischen Lächeln und freut sich vor allem innerlich über den Gewinn des Alfred-Brenner-Stipendiums 2020.

“Ich war in diesem Moment vollkommen überwältigt, es war ein unglaubliches Gefühl, im Blitzlichtgewitter der Fotografen auf dem roten Teppich nach vorn zu gehen und die Auszeichnung entgegenzunehmen.” Der 26-jährigen gelernten Hotelfachfrau sind Siegesfeiern und Situationen, in denen sie sich mit anderen messen muss, nicht unbekannt. Bereits mit sechs Jahren verschrieb sie sich dem Kunstturnen. Ihre Lieblingsdisziplin: der Stufenbarren. Ein Turngerät, das vielen Menschen einen kalten Schauer über den Rücken jagt, half ihr, Charakterzüge wie Disziplin, Konzentration auf ein bestimmtes Ziel und Teamfähigkeit zu entwickeln.

Ausbildung zur Hotelfachfrau im FHG-Modell

“Man kann viele Dinge vom Sport auf den Beruf übertragen, beispielsweise, dass man immer einhundert Prozent geben und bei der Sache bleiben muss sowie nie aufhören darf, an sich zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln.” Ein klassisches Erweckungserlebnis für die Berufswahl gab es nicht. Stattdessen mixte Verena Kunz nach ihrem Abitur und einem neunmonatigen Aufenthalt als Au-pair in Australien kurzerhand ihr Interesse an Menschen, Sprachen, Reisen und Kulturen zusammen und entschied sich für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im FHG-Modell in ihrer Geburtsstadt Baden-Baden, im Brenners Park-Hotel & Spa. “Ich wollte meine Ausbildung nicht in irgendeinem Hotel absolvieren, sondern in einem der besten. Die Welt sollte mir danach offenstehen.”

Mit 22 Jahren in die Karibik

Und das tat sie: Ihre erste Station nach der Ausbildung führte sie mit gerade einmal 22 Jahren in die Karibik, auf die französischsprachige Antilleninsel St. Barthelemy, ins Fünfsternehotel Eden Rock, wo sie als Rezeptionistin und Concierge anfing. “Ich wurde ins kalte Wasser geworfen. Alle Mitarbeiter waren Franzosen, ich hatte nur Grundkenntnisse der Sprache, musste aber Telefonate entgegennehmen und mit verschiedenen Abteilungen kommunizieren. Das war eine Herausforderung, an der ich sehr gewachsen bin.”

Dabei half ihr sicher auch ihre offene Art, auf Menschen zuzugehen, und ihr Lebensmotto: “Who dares new things will grow wings” (Anm. der Red.: Wer Neues wagt, dem wachsen Flügel). Es folgten Stationen im Château Saint Martin & Spa im französischen Vence als Assistentin Direktion & Head of Quality 2018 und als Rezeptionistin & Guest Relation Agent im Hotel Le Bristol in Paris.

Seit Oktober 2017 studiert Verena Kunz in Kooperation mit der Oetker Collection dual an der DHBW Ravensburg im Bereich BWL-Tourismus, Hotellerie & Gastronomie und peilt ihren Abschluss als “Bachelor of Science” noch dieses Jahr an. 2019 erwarb sie zudem ihren Ausbilderschein (AdA), unter anderem, weil sie die Faszination für den Beruf einmal weitergeben möchte. ”

Verena Kunz: “Ich will Menschen begeistern.”

Meine Leidenschaft ist es, Menschen Freude zu bereiten, sie zu überraschen und zu begeistern. Diese Motivation möchte ich später einmal gern auch anderen jungen Leuten vermitteln.” Bis dahin hofft Verena Kunz, dass sich bezüglich der Wertschätzung für das Berufsbild und der Bezahlung in der Hotellerie etwas positiv verändert. Denn der Fachkräftemangel führe zu teilweise sehr langen Arbeitszeiten. “Gäbe es mehr Kollegen, würde sich das auch auf die Schichten auswirken.”

In ihrer Freizeit geht Verena Kunz joggen und ins Fitness-Studio, oder sie trifft sich mit Freunden, die meist auch in der Hotellerie tätig sind. Dieser private Ausgleich hilft ihr auch, mit schwierigen Situationen im Beruf gut umzugehen: “Ich versuche, Stress einfach wegzulächeln. Nach außen bleibe ich immer ruhig und souverän.”

European Bartender School: Zugang zu internationalen Jobs

Das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro möchte Verena Kunz in einen vierwöchigen Intensivkurs an der weltweit vertretenen Barkeeper-Schule European Bartender School investieren. Zum Abschluss der Weiterbildung winkt sogar ein Zugriff auf die Jobplattform EBS-Matchstaff. “Das eröffnet weitere Berufsmöglichkeiten in der internationalen Spitzengastronomie.”

Schon jetzt greift die Familie gern auf ihr Wissen zurück: “Wenn mein zwei Jahre älterer Bruder am Wochenende eine Party schmeißt, dann bekommt er von mir die angesagtesten Cocktail-Rezepte.” Die Familie ist der jungen Frau sehr wichtig, und sie ist dankbar dafür, dass ihre Eltern sie in ihrem Beruf immer unterstützt haben. “Dafür sind sie durch mich aber auch schon ganz schön in der Welt herumgekommen, weil sie mich in meinen jeweiligen Destinationen immer besucht und den Familienurlaub danach ausgerichtet haben.”

Mittelfristig strebt Verena Kunz eine Manager-Position in der gehobenen Gastronomie an – eventuell auch international – in den Bereichen F&B, Guest Relations, oder auch im Eventmanagement. Langfristig könnte wieder ein Geheimnis enthüllt werden: der Name für ihr eigenes Restaurant, von dem sie träumt. Was sie jetzt schon verrät: “Es wird sicher eine Bar geben.”

Ingrid Joas

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