Green Hospitality Conference Gebäudetechnik: Unsichtbar für den Gast, wirksam für den Betrieb

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Ob Grauwasserrecycling, digitale Zwillinge oder vernetzte Energiesysteme – nicht die einzelne Technologie zählt, sondern wie gut sie im Hotelbetrieb zusammenspielt. © Andrey Popov - stock.adobe.com

Von Grauwasser bis digitalem Zwilling: In der Hotellerie entscheidet vernetzte Gebäudetechnologie über Effizienz, Kosten und Nachhaltigkeit.

Gebäudetechnik bleibt für Gäste meist unsichtbar. Für den Betrieb hingegen ist sie längst zu einem entscheidenden Faktor geworden, wenn es um Effizienz, Kostenstruktur und Nachhaltigkeit geht. Auf der Green Hospitality Conference 2026 wurde deutlich, dass sich hier ein grundlegender Perspektivwechsel vollzieht: Weg von einzelnen technischen Lösungen, hin zu ganzheitlich gedachten Systemen.

Vernetzte Kreisläufe statt Insellösungen

Steffen Erath, Head of Innovation der Hansgrohe Group, machte gleich zu Beginn klar, wo aus seiner Sicht einer der größten Outputs liegt: im Umgang mit Ressourcen, insbesondere Wasser. „Wir behandeln Wasser immer noch wie eine Selbstverständlichkeit“, sagte er. Dabei werde gerade der intelligente Einsatz von Wasser für Hotels zunehmend zum Zukunftsthema. Technologien wie Grauwasserrecycling seien längst verfügbar.

Die eigentliche Herausforderung liege nicht mehr in der Entwicklung, sondern in der Umsetzung. „Die Lösungen sind da, wir müssen sie nur einsetzen“, so sein Appell. Gleichzeitig plädierte Erath dafür, Gebäude nicht länger in einzelnen Gewerken zu denken. Stattdessen brauche es ein Verständnis für zusammenhängende Kreisläufe.

„Wir behandeln Wasser immer noch wie eine Selbstverständlichkeit.“

Steffen Erath, Head of Innovation, Hansgrohe Group

Besonders deutlich wurde das am Beispiel Energie. „Warum nutzen wir vorhandene Energie nicht konsequenter weiter?“, fragte er. Die Idee, Hotels mit Rechenzentren zu koppeln, verdeutlicht diesen Ansatz: Abwärme, die dort entsteht, könnte genutzt werden, um Wasser zu erhitzen oder andere Prozesse im Hotel zu unterstützen. Für Erath ist das kein Zukunftsszenario, sondern eine logische Weiterentwicklung. Gebäude werden zu vernetzten Systemen, in denen Energie mehrfach genutzt wird, statt ungenutzt zu verpuffen.

Wenn Daten anfangen zu arbeiten

Während Erath den Blick auf physische Kreisläufe lenkte, setzte Thomas Bleistein, Head of Data Science & Digital Twin(s) Cluster am August-Wilhelm Scheer Institut, an einer anderen Stelle an: bei den Daten. Sein Ausgangspunkt war dabei konsequent aus der Perspektive des Gastes gedacht. „Er darf es nicht als Handicap merken“, sagte er mit Blick auf nachhaltige Gebäudetechnologie. Im Idealfall entstehe sogar ein Mehrwert, etwa durch besser temperierte Räume oder reibungslosere Abläufe. Der Schlüssel dafür liegt für ihn in den Informationen, die in Hotels längst vorhanden sind. „Die größten Datenschätze liegen schon im Haus“, erläuterte Bleistein. Belegungsdaten, Verbrauchswerte oder Nutzungsprofile einzelner Bereiche würden täglich erfasst. Das Problem sei nicht der Mangel an Daten, sondern deren fehlende Verbindung. „Im Moment sind das alles kleine Datensilos.“

„Erst wenn die Systeme miteinander sprechen, entsteht echte Effizienz.“

Thomas Bleistein, Head of Data Science & Digital Twin(s) Cluster, August-Wilhelm Scheer Institut

Genau hier setzt das Konzept des digitalen Zwillings an. Er fungiert als übergeordnete Plattform, die Daten aus verschiedenen Bereichen zusammenführt und daraus steuerbare Prozesse ableitet. „Erst wenn die Systeme miteinander sprechen, entsteht echte Effizienz“, so Bleistein. Relevant ist das in energieintensiven Bereichen wie Küche, Wäscherei oder Klimatechnik. Ein Beispiel: Wenn bekannt ist, wann besonders viel Energie verfügbar oder günstig ist, könnten Hotels gezielt darauf reagieren. Räume lassen sich vorkühlen, Produktionsprozesse verschieben oder Abläufe anpassen. „Wir müssen lernen, nicht nur effizient, sondern auch flexibel zu denken“, betonte Bleistein. Genau darin liege ein bisher unterschätzter wirtschaftlicher Vorteil.

Realität im Bestand: Komplexität statt Idealzustand

Jens Pilchowski, Sales und Project Manager bei Proled, brachte die Diskussion schließlich zurück in den Alltag vieler Betriebe. Denn während neue Konzepte oft schlüssig erschienen, sehe die Realität in bestehenden Hotels häufig anders aus. „Die Heizung spricht nicht mit der Wärmeaufbereitung“, beschrieb er eine typische Situation. Technische Systeme seien über Jahre oder Jahrzehnte gewachsen, häufig ohne klare Gesamtstruktur. Das führe dazu, dass vorhandene Potenziale ungenutzt bleiben. Abwärme werde nicht genutzt, Energie ineffizient verteilt, Prozesse liefen parallel statt miteinander verzahnt. „Das Problem ist selten die Technik, sondern dass sie nicht miteinander verbunden ist.“

Hinzu komme die praktische Herausforderung der Umsetzung. Modernisierungen müssten meist im laufenden Betrieb erfolgen. „Man kann nicht einfach alles abschalten und neu bauen“, sagte Pilchowski. Leitungen müssten verlegt, Systeme integriert und Abläufe angepasst werden, während Gäste weiterhin im Haus seien. Ein oft unterschätzter Faktor sei dabei das Personal. „Man braucht Menschen, die sowohl die alte als auch die neue Welt verstehen“, erklärte er. Ohne entsprechendes Know-how im Facility Management könnten selbst gute technische Lösungen ihr Potenzial nicht entfalten.

Auch beim Thema Beleuchtung zeigte sich, wie eng Technik und Gästeerlebnis zusammenhängen. „Licht ist kein Nebenthema“, sagte Pilchowski. Es gehe darum, gezielt Atmosphäre zu schaffen und gleichzeitig Energie effizient einzusetzen. Vordergründige Bereiche benötigten Inszenierung, während im Hintergrund Effizienz zähle. Beides zusammen ergebe ein stimmiges Gesamtbild.

Vom Hintergrund zur strategischen Steuerung

Zum Abschluss der Runde fragte Moderatorin Katharina Varga, welche technologische Innovation bis 2030 in jedem europäischen Hotel Standard sein sollte. Die Antworten der Experten zeichneten ein klares Zukunftsbild: Jens Pilchowski plädierte für „energetische Autarkie von Gebäuden“ als Zielmarke, Steffen Erath sieht im „Grauwasserrecycling“ einen kommenden Standard, und Thomas Bleistein betonte die Bedeutung des „digitalen Zwillings zur Optimierung der Gebäudesysteme“.

In der Summe wurde deutlich, worauf es künftig ankommt. Viele der notwendigen Technologien sind bereits vorhanden. „Es geht weniger darum, Neues zu erfinden, sondern Bestehendes besser zusammenzubringen“, ließ sich der Tenor der Runde zusammenfassen. Entscheidend wird sein, diese Systeme intelligent zu verknüpfen und Gebäudetechnologie nicht länger nur als Hintergrundtechnik zu betrachten, sondern als strategischen Hebel für Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Gästezufriedenheit.