Round Table im Radisson BluBranchenprofis diskutieren über Klimaschutz

Diskutierten beim Round Table in Frankfurt am Main (v.l.) Inge Huijbrechts (Senior Vice President Responsible Business and Safety & Security der Radisson Hotel Group), Prof. Dr. Harald Zeiss (Professor für Tourismusmanagement und BWL an der Hochschule Harz), Moderatorin Felicitas Helmis von Primus Communications, Markus Luthe (Hauptgeschäftsführer IHA) und Robert Lorenz (Projektmanager Green Key). (Bild: Radisson Hotel Group )

Wie kann die Hotellerie nachhaltiger werden? Wo liegt das Problem beim Thema “grüne” Zertifizierungen? Sind die Gäste wirklich gewillt, Geld in den Klimaschutz zu investieren? Über diese Fragestellungen diskutierten diverse Branchenvertreter unlängst beim Round Table im Radisson Blu Hotel Frankfurt.

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Nicht zufällig trafen sich die Branchenvertreter im Radisson Blu Frankfurt. Das Hotel ist das das erste und bisher einzige Hotel in Europa, das eigene Energie mit einer Brennstoffzelle in dieser Größenordnung erzeugt. Die in Kooperation mit E.ON entwickelte Anlage deckt fast emmissionslos 80 Prozent der elektrischen Energie und 75 Prozent des Wärmebedarfs und senkt den CO2-Ausstoß des 400-Zimmer-Hotels um rund 600 Tonnen jährlich.

Klimaneutrale Meetings bei Radisson

Verantwortlich für diese und viele weitere Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz ist Inge Huijbrechts, Senior Vice President Responsible Business and Safety & Security der Radisson Hotel Group. Die gebürtige Belgierin engagiert sich als Vorsitzende des Exekutivkomitees von ITP (International Tourism Partnership, eine Vereinigung weltweit führender Hotelketten) auch international für das Thema Sustainability.

Sie berichtete unter anderem darüber, dass sämtliche Meetings bei Radisson klimaneutral sind. Und das ohne Aufpreis für die Gäste. Die CO2-Einsparung entspreche einer Zahl von 8.300 Autos jährlich, die von der Straße genommen würden. Generell, so Inge Huijbrechts, müssten die Hotelketten beim Thema Klimaschutz zusammenarbeiten. “Das tun wir auch bereits, im International Tourism Partnership.”

Doch ist der Gast überhaupt gewillt, auch mehr für seine Reise auszugeben, um das Klima zu schützen? “Die Bereitschaft dafür generell ist gewachsen, sagen viele Reisende”, so Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des IHA. Doch er zweifle daran, dass der Großteil der Gäste bei der Auswahl der Reiseziele wirklich auf den Klimaschutz achte. Laut einer Forsa-Umfrage des Deutschen Reiseverbands (DRV) haben sich beispielsweise nur 21 Prozent der Bundesbürger schon einmal darüber informiert, wie sie ihre Reise möglichst umweltneutral gestalten könnten. Lediglich 15 Prozent ist dieser Aspekt sehr wichtig.

Wie Prof. Dr. Harald Zeiss, Professor für Tourismusmanagement und BWL an der Hochschule Harz betonte, hänge vieles auch von gewissen Trends ab. Bei der Ernährung sei der Trend zu mehr Nachhaltigkeit schon angekommen, ein anderes Beispiel sei, dass Strohhalme aus dem Sortiment genommen wurden. “Schwer wird es aber immer dann, wenn die Dinge hinter den Kulissen passieren. Das muss man den Gästen dann genau erklären.”

Problem sind zu viele unterschiedliche Zertifikate und Siegel

Problematisch sei vor allem, so Martin Luthe, dass es so viele unterschiedliche Zertifikate gebe. “Eigentlich gibt es seit 1992 das Umweltkennzeichen der EU, auf welches wir versucht haben, uns zu kozentrieren. Leider sind wir gescheitert, weil kein Hotel sich dafür interessierte”, so Luthe. Es gebe viel zu viele einzelne und regionale Zertifikate. “Dabei bräuchte der Verbraucher eine verlässliche Entscheidungshilfe.” Radisson arbeite wegen der transparenten Prüfung deshalb mit dem Unternehmen Green Key zusammen, so Inge Huijbrechts.

“Mehr Gesetzesvorgaben nötig”

Was die Hoteleries generell vom Green Deal der EU hielten, wollte Moderatorin Felicitas Helmis von Primus Communications dann noch von den Gästen wissen. Generell stehe man dahinter, waren sich die Branchenvertreter einig. Jedoch: “Ich würde mir richtige Gesetzesvorgaben wünschen. Die Unternehmen nur zu bitten, reicht nicht aus”, sagte Prof. Dr. Harald Zeiss. Er emphielt Hotels, für jedes Investment eine CO2-Planung zu machen. “Sie müssen wissen: Wie viel CO2-Invest habe ich pro X Euro Invest, beispielsweise in eine Umbaumaßnahme.” Zudem empfahl Martin Luthe Hoteliers, über die Aktionen zum Klimaschutz zu sprechen: “Fragen Sie sich: Was leiste ich als Hotelier und wie kommuniziere ich das?” Nur so könne der Gast am Ende auch verstehen, wofür der Hotelier Geld investiere.

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