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StartBusiness & ManagementManagement3. Top hotel Vision Circle::»Wir alle machen was – nur nicht gemeinsam«

3. Top hotel Vision Circle»Wir alle machen was – nur nicht gemeinsam«

Fehlende Mitarbeiter, schlechtes Image, keine Strukturen. Auch die neun renommierten Hoteldirektoren des diesjährigen Top hotel Vision Circle in der Toskana spüren die Branchenprobleme in mehr oder weniger deutlicher Ausprägung. Die Lösungsansätze sind vielfältig, bedingen aber vor allem eines: dass die Branche gemeinsam an einem Strang zieht. Der Top hotel Vision Circle wurde auch in diesem Jahr von S. Pellegrino und Acqua Panna unterstützt.

Zum dritten Mal diente die Villa Panna (Toskana), Quellort von Acqua Panna, als Kulisse für den Top hotel Vision Circle und zum dritten Mal stand das Image der Hotellerie und deren Berufsausbildung auf der Agenda. Warum dies absolut notwendig sei, machte Marcus Fränkle, Gastgeber des Blauen Reiter in Karlsruhe, gleich zu Beginn der Diskussionsrunde an einem Beispiel deutlich: »Bei der Außendarstellung der Hotellerie wurden in der Vergangenheit Fehler gemacht: Wir haben kommuniziert, dass ungelernte Kräfte oder Flüchtlinge ohne Vorkenntnisse uneingeschränkt bei uns arbeiten können. Damit haben wir unsere Branche stark abgewertet, da impliziert wurde, dass wir keine Arbeitnehmer mit guter Vorbildung brauchen.« Einmal mehr habe also die Außendarstellung der Branche gelitten – und das in einer Zeit, in der es um das Image ohnehin nicht gut bestellt ist. Ein Blick auf den DGB-Ausbildungsreport und die Berufe Koch/Köchin bzw. Hotelfachmann/-Frau spricht diesbezüglich Bände: Sie gehören seit Jahren zu den am schlechtesten bewerteten Berufen in der Erhebung. Arbeit in der Hotellerie werde vielerorts nicht mehr wertgeschätzt – so lautete ein Zwischenergebnis der Teilnehmer. Und sie könne es auch nicht werden, wenn alles billiger oder gar kostenlos wird. Julia Lerch aus dem Panoramahotel Oberjoch verwies in diesem Kontext auf ein Beispiel aus dem Tourismus: »Die Stewardess war früher ein sehr angesehener Beruf. Warum ist das heute nicht mehr so? Weil die Flüge verbilligt worden sind.« In einer ähnlichen Situation befindet sich die Hotellerie, bei der vieles über den Preis geregelt wird. Kostenlose Stornierungen, Gratis-WLAN, freies Parken und vieles andere mehr gehören im Gastgewerbe zum Alltag und führen dazu, dass die Akzeptanz für ein höheres Pricing in der Bevölkerung nicht vorhanden ist. Genau da sieht Marcus Fränkle einen Ansatzpunkt: »Wenn alle deutschen Hoteliers an einem Strang ziehen würden und die Hotelpreise anheben, dann wäre ein Anfang gemacht.« Schließlich könnten auf diese Weise auch höhere Gehälter gezahlt werden, was zu einer verbesserten Ausgangslage im Kampf um die Fachkräfte führen könnte. Wie aber sieht eine faire Bezahlung aus? Für Oliver Staas aus dem Radisson Blu Hamburg hängt dies stark mit der Wohnsituation in der jeweiligen Stadt oder Region zusammen. »Wenn ein Mitarbeiter schlecht bezahlt wird und sich keine vernünftige Wohnung leisten kann, dann kann das nicht der richtige Weg sein.«

Tenor der Runde war neben einer guten Bezahlung auch, dass eine qualitativ hochwertige Aus- und Weiterbildung für Fachkräfte oder Auszubildende unabdingbar ist. Gefragt seien neben modernen Berufsbildern und Berufsbezeichnungen zeitgemäße Lern- inhalte und mehr Ausbildungsqualität. Ronny Mechnich aus dem Flair Park Hotel Ilshofen fragte in diesem Kontext provokant, ob denn die Qualität der Ausbilder in den Betrieben und der Fachlehrer in Berufsschulen noch stimme und wie es um deren Motivation stünde. »Wenn es hier Defizite gibt, wirkt sich dies unmittelbar auf die Ausbildung und damit auch auf das Image der gesamten Branchenegativ aus«, so der Direktor.

Fehlende Strukturen in der Branche?

Frank Nagel setzte bei seiner Lösungsfindung an einer gänzlich anderen Stelle an: »MICE, Spa, Leisure & Vertrieb – wir haben in der Hotellerie so viele Themenfelder. Momentan kommt es mir vor, als würden wir alles in einen Trichter geben und sagen, was uns fehlt. Und wenn jeder von uns am Ende des Tages 100 Azubis mehr hätte – würde es ihm besser gehen? Ich denke nicht.« Dem Gastgeber des Weissenhaus Grand Village Resort & Spa am Meer fehlen moderne Strukturen in der Hotellerie, wie sie beispielsweise in der Industrie zu finden sind. »Zwischen Privat- und Markenhotellerie gibt es schlichtweg einen großen Unterschied. Wenn wir nicht anfangen zu strukturieren, werden wir verlieren«, prognostizierte Nagel. Michaela Doll-Lämmer von den Europa-Park Hotel-Resorts stimmte ihrem Kollegen zu: »Durch die Vielfalt in der Branche haben wir auch die unterschiedlichsten und vielfältigsten Probleme.« Und Marcus Fränkle ergänzte: »Unsere Branche hat keine globale Idee – das sieht in der Industrie ganz anders aus, weil es hier eine entsprechende Lobby gibt.« Gleichzeitig machten die Diskussionsteilnehmer auch deutlich, dass die globale Herangehensweise zwar richtig ist, sie vielen Hoteliers in ihrem ureigensten Kosmos aber in der aktuellen Lage wenig helfe. Diese sehen sich beispielsweise damit konfrontiert, dass die duale Ausbildung an Attraktivität verliert; ein Studium wird hingegen vorgezogen, um schneller an Führungspositionen oder den angestrebten GM-Posten zu kommen. Knut Becker, Geschäftsführer des Marc Aurel in Bad Gögging, hob die Wichtigkeit eines ausgewogenen Teams hervor, das eben nicht nur aus studierten Köpfen, sondern aus Kellnern und Hausdamen bestehe.

Positiv denken und handeln

Dass die Lage hinsichtlich des Images der Hotellerie ernst ist, war während des gesamten Vision Circles spürbar. Es wurde aber auch versucht, andere Denkmuster hervorzuheben: »Wir drehen uns in der gesamten Diskussion nur um die Negativ-Punkte. Es ist wichtig, auch die vielen positiven Aspekte der Hotellerie in den Vordergrund zu rücken«, betonte Michael Frenzel, Palace Berlin. Hubert Oberndorfer (Landhotel Birkenhof im Bayerischen Wald) ist der Meinung, dass sich aufgrund des gestiegenen Leidensdrucks in den vergangenen drei Jahren bereits einiges zum Besseren verändert hat. Was aber fehle, ist nach Meinung von Oliver Staas ein gemeinsames Handeln der Branche. Nur auf diesem Weg könnte das Image nachhaltig verbessert werden. 

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