„Spannende Alternativen“

— „Die Frage ist: Welche Energieträger stehen zur Verfügung und wie kombiniert man sie intelligent?“ — Manfred Schmitz, CEO Engie Deutschland

Engie-Deutschland-CEO Manfred Schmitz im Gespräch über die größten Stromfresser im Hotelbetrieb, bautechnische Erwägungen und aktuelle Entwicklungen in der ressourcenschonenden Energiegewinnung. – von Interview: Kerstin Pätzold

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Hotel+Technik: Energie kann heute  nicht mehr isoliert betrachtet werden. Wo spielt das Thema in Hotels eine Rolle?

Manfred Schmitz: Der Energieverbrauch betrifft vor allem die haustechnischen Gewerke, also die Lüftung, Klimatisierung, Heizung und Beleuchtung. Bezogen auf die verschiedenen Raumtypen im Hotel sind Konferenzbereiche mit ihrer anspruchsvollen Raumlufttechnik in der Regel große Energiefresser. Außerdem natürlich Spa-Bereiche und Küchen.

Wie können Hotels möglichst ressourcen­schonend mit Energie umgehen?

Wir empfehlen, die Verbräuche und Anforderungen sehr genau zu analysieren und mit Blick auf den richtigen Energiemix zu optimieren. Die Frage ist: Welche Energieträger stehen zur Verfügung und wie kombiniert man sie intelligent? Energieträger sind Strom, Gas, Fernwärme und Fernkälte, die aus dem Netz bezogen werden. Mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW) lassen sich darüber hinaus direkt vor Ort Strom und Wärme erzeugen – und zwar extrem effizient. Eine Absorptionskältemaschine wiederum bietet im Bereich der Kühlung großes Einsparpotenzial.

Ihr Unternehmen firmierte von Cofely zu Engie – was steckt hinter dem Wechsel?

Unsere französische Mutter hat sich bereits 2015 von GDF SUEZ in Engie umbenannt. Im Zuge des weltweiten Markenrelaunches haben auch wir im Juni dieses Jahres den Namen Engie übernommen. Mit dem neuen Namen – einer Kurzform des Wortes „Energie“ – drückt unsere Gruppe ihren Anspruch aus, Vorreiter bei der Energiewende zu sein. Wir sind als Technik-, Service- und Energiespezialisten in allen Bereichen aktiv, die für eine nachhaltige Energiezukunft wichtig sind.

In welchen Bereichen macht ein Energiemix Sinn – wo sind die größten Ressourcenfresser?

Großes Energiesparpotenzial finden wir regelmäßig bei der Lüftung, Heizung und Kühlung sowie bei der Beleuchtung. Diese Verbraucher sollten mit einem integrierten und maßgeschneiderten Konzept, das die baulichen Gegebenheiten und die spezifischen Anforderungen des Hotelbetriebs berücksichtigt, auf Energieeffizienz getrimmt werden.

Wann lohnt sich eine Eigenversorgung über Photovoltaikanlagen?

Dabei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle. Ganz wichtig: Ist die Hotelimmobilie gepachtet oder in Eigenbesitz? PV-Anlagen amortisieren sich in der Regel erst nach 20 Jahren, daher rechnen sie sich in Pachtobjekten häufig nicht. Ist die Laufzeit kein Problem, müssen bauliche und optische Aspekte berücksichtigt werden, damit der notwendige Energieertrag und Ansprüche an die Fassadengestaltung nicht kollidieren. Hier entwickeln sich spannende Alternativen zu den klassischen PV-Panels in Form von PV-Folien.

Was sollten Hoteliers bei der Auswahl ihres Energieanbieters berücksichtigen?

Wenn der Energieanbieter als Dienstleister und ggf. Contractor auftritt, sollten Kunden darauf achten, dass der Partner die nötige Flexibilität mitbringt – sowohl bei der Konzeption der technischen und energiewirtschaftlichen Maßnahmen als auch bei der vertraglichen Gestaltung.

Wie wichtig ist der Service?

Für Hotels ist die Verfügbarkeit ihrer Gebäudetechnik enorm wichtig. Wenn während einer großen Veranstaltung die Lüftungsanlage im Konferenzbereich ausfällt, muss der Servicetechniker schnell vor Ort sein. Bei einem Servicevertrag sollte also immer auf die regionale Präsenz des Dienstleisters geachtet und entsprechende Servicelevel sollten definiert werden.

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