„Badlösungen für persönliche Wellness“

— „Das digitale Bad ist längst Realität. Jetzt verlagert sich die Diskussion in der Branche auf das ‚intelligente und vernetzte Bad‘.“ — Michael Seum, Vice President Design Grohe AG (Bild: Grohe)

Die Digitalisierung macht auch vor der Nasszelle nicht Halt: Ein Gespräch darüber, wie Hotelbäder mit smarter Technologie zu privaten Relaxoasen für die Gäste werden können. – von Interview: Nina Fiolka

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Hotel+Technik: Das Bad wird zur Wellnessoase. Wenn Sie ein Hotelbad frei gestalten dürften, wie würde es aussehen?

Michael Seum: Angenommen, es handelt sich um ein anspruchsvolles Boutique-Hotel einer 5-Sterne-Kette mit primär touristisch orientierten Gästen. In unserem Designteam bei Grohe nennen wir die erste Phase „Opportunity Framing”, wir entwickeln eine Vorstellung von dem angestrebten Gesamterlebnis für die späteren Nutzer. In der Raumplanungsphase teile ich das Gesamtbad dann in fünf Zonen auf: Preparation, Rejuvenation, Relaxation, Recreation und Personal-Care.

Damit meinen Sie genau?

Die Preparation-Zone, also der Platz am Waschbecken, dient der täglichen Pflegeroutine. Ich würde auf jeden Fall einen Doppelwaschtisch für zwei vorsehen. Ein Muss beim Rasieren und Schminken ist gutes Licht. Deshalb würde ich einen Spiegel mit integriertem Beleuchtungssystem und individueller Regelungsmöglichkeit planen.

In der Rejuvenation-Zone, also der Dusche, ist die Interaktion mit dem Element Wasser am stärksten. Ideal wäre dort eine Erweiterung aus dem Bad heraus in das Zimmer oder sogar in den Außenbereich. Dort würde ich ein Duscherlebnis planen, das alle Sinne gleichzeitig anspricht und stimuliert. Dazu gehören Chromo-Therapy (farbiges Licht), Audio-Therapy (Sound) und Aqua-Therapy (Dampf). Als Relaxation-Zone sehe ich eine große freistehende Wanne für mindestens zwei Personen. Diese Badeinsel mitten im Raum sollte von allen Seiten zugänglich sein und so platziert werden, dass man einen optimalen Ausblick nach draußen genießt.In der Recreation-Zone möchte man sich sitzend oder liegend erholen und einfach etwas Zeit für sich haben. Dazu passt eine Armatur für gefiltertes, gekühltes und auf Wunsch sogar sprudelndes Wasser: als genussvolle Erfrischung und zum Ausgleich des Wasserhaushalts im Sinne einer ganzheitlichen Wellnessgedankens.

Die Personal-Care-Zone trenne ich als privatesten Bereich des Bades räumlich ab und statte sie mit einem innovativen Dusch-WC aus. Zusätzlich zur optimalen persönlichen Hygiene gibt es heute eine Reihe von komfortsteigernden Details, die für den Hoteleinsatz geradezu prädestiniert sind – vom Nachtlicht als praktischer Orientierungshilfe bis zur Öffnungs- und Absenkautomatik für den Deckel.

Regendusche, Multibedienelemente, digitale Features: Woran orientiert sich der Designprozess für neue Produkte?

Wir konstruieren und gestalten unsere Produkte konsequent aus Verbrauchersicht und konzentrieren uns darauf, den Nutzen für diese immer weiter zu optimieren. Bei der Entwicklung unseres neuen Rainshower SmartControl Systems lautete das Ziel für unser Designteam beispielsweise, das gesamte Duscherlebnis aus Nutzersicht neu anzudenken. Wir wollten eine organische Ästhetik ohne sichtbare Installationsanschlüsse, die sich harmonisch ins Wandbild einfügt. Mit SmartControl regelt jeder Griff ein separates Ventil. Möchte man beispielsweise das Shampoo aus den Haaren spülen, kann man die Durchflussmenge gezielt erhöhen und danach wieder herunterregeln.

Was sollten Hoteliers bei der Gestaltung ihrer Bäder heute unbedingt beachten?

Leider werden die Nutzerbedürfnisse bei Badplanungen im Hotelbereich oft nicht konsequent genug berücksichtigt. Design, Qualität, Technologie und Nachhaltigkeit sind weitere unverzichtbare Kriterien bei Planung und Ausstattung eines Hotelbades. Ich lande immer wieder in Hotelzimmern, wo das Bad zwar noch relativ neu aussieht, die Armaturen und Ausstattungselemente aber offensichtlich der tagtäglichen Nutzung im Hotelbetrieb nicht gewachsen sind. Holen Sie sich ein starkes Designteam an Bord, um Ihre Gesamtstrategie auch im Bad sichtbar umzusetzen. Wenn Sie sich vom Wettbewerb positiv absetzen wollen, dann lassen Sie sich von Ihren Designern und Innenarchitekten ein tolles Bad gestalten, das Ihr Hotelkonzept für den Gast erlebbar und unvergesslich macht.

Sie sprechen gern von „Intelligent Care“ im Bad. Welche Trends sehen Sie hier speziell für Hotelbäder?

Das digitale Bad ist ja längst Realität. Jetzt verlagert sich die Diskussion in der Branche auf das „intelligente und vernetzte Bad”. Wir gehen davon aus, dass digitale Armaturen in vielen (Hotel-)Bädern zum Standard werden. Den Begriff „intelligent”, bzw. „smart” im Englischen wollen wir bei Grohe allerdings breiter verstanden wissen. Es geht um neue, intelligente Lösungen für das Sparen von Wasser, Energie und Aufwand bei gleichzeitig aufgewertetem Nutzungserlebnis für den Kunden.

Damit meine ich Badlösungen für Ruhe, Entspannung und persönliche Wellness. Zu den Trends in dieser Richtung gehören die Verwendung von Marmor und anderen Naturmaterialien, strukturierte Oberflächen und Möbel mit intelligenten Aufbewahrungsoptionen für Dinge des täglichen Gebrauchs im Bad. Auch sehen wir größere Duschköpfe für ein noch angenehmeres Duschgefühl, freistehende Wannenbatterien sowie neue Armaturen­oberflächen von Mattschwarz bis zu luxuriöseren Varianten wie Warm Sunset.

Welche Branche fasziniert Sie als Designer noch und warum?

  • Zur Person
  • Michael Seum, Jahrgang 1976, studierte Industriedesign an der Universität von Illinois in Chicago. Der mehrfach preisgekrönte amerikanische Designer hat für zahlreiche bekannte Designstudios, Marken und Konzerne wie Kohler, Sterling, Procter & Gamble, Whirlpool (USA und Italien), PepsiCo Sports and Nutrition, Minimal und WiMo Labs gearbeitet. Im Laufe seiner Karriere war Michael Seum immer wieder an den Wachstumserfolgen großer Weltmarken beteiligt und kann auf über 50 Patente verweisen. Unter seiner Leitung entstanden Designlösungen, die mit internationalen Preisen ausgezeichnet wurden. Im Juli 2015 wurde Michael Seum zum Vice President of Design der Grohe AG ernannt und trägt Verantwortung für die gezielte Entwicklung kundenorientierter Lösungen. Damit ist der zentrale Stellenwert des Designs für die Marke Grohe auch in Zukunft gewährleistet. Michael Seum leitet das Design Team am Standort Düsseldorf.

Ich interessiere mich für viele Branchen und konnte als Designer glücklicherweise schon in zahlreichen unterschiedlichen Bereichen arbeiten. Aber im Grunde genommen sind es gar nicht die jeweiligen Branchen, die mich inspirieren, sondern die verschiedenen Kulturen. Ich mag Menschen, ich beobachte gern ihr Verhalten und finde meine Erfüllung darin, ihren Bedürfnissen mit großartigen Produkten oder Marken zu begegnen. Es motiviert mich ungemein, wenn ich sehe, wie Menschen mit unseren Designlösungen interagieren und positiv auf diese Erfahrungen reagieren. |

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