„Als neues Zuhause fernab der Heimat dienen“

Hans Müller ist Director Hotel Contracting bei Thomas Cook und Vorstandsmitglied der Tourismusorganisation Fomento de Turismo de Mallorca. (Bild: Thomas Cook GmbH)

Thomas Cook geht mit dem Hotelkonzept Casa Cook auf den starken Trend zu Ferien in privater Atmosphäre ein. Im Gespräch über die aktuellen Strömungen und Herausforderungen an die internationale Tourismusindustrie verrät der Chefeinkäufer für Spanien und Portugal auch, welche Destinationen bei deutschen Urlaubern gerade die Spitzenplätze einnehmen – und wie der Reisekonzern auf neue Bedürfnisse reagiert.

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Hotel+Technik: Welche Trends zeigte die ITB für den internationalen Tourismus?

Hans Müller: In Bezug auf die Zielgebiete zeichnet sich ein ganz deutlicher Trend ab: Bei den Flugreisen verbucht Spanien die größte Nachfrage. Und Griechenland erlebt eine Renaissance. Im Bereich der Selbstanreisen mit dem eignen Auto ist Deutschland der Renner, Frankreich, Italien und Österreich sind jedoch ebenfalls stark nachgefragt. Bei dieser Urlaubsform nehmen Ferienwohnungen bzw. Ferienhäuser noch stärker an Beliebtheit zu. Im Bereich Flugreisen sehen wir, dass die Gäste immer genauer wissen, was sie wollen. Veranstalter und Hoteliers erleichtern ihren Kunden die Auswahl, indem sie spezielle Konzepte herausgearbeitet haben, die auf konkrete Segmente zugeschnitten sind – seien es reine Erwachsenen-Hotels, Familienanlagen mit breitem All-inclusive-Angebot, zeitgemäße Budgethotels oder komfortable Lifestyle-Unterkünfte. Thomas Cook hat zur besseren Orientierung Hotelkonzepte wie zum Beispiel Sun­prime, SunConnect, Sunwing, Smartline oder Casa Cook geschaffen. Auch bei Pauschalreisen sehen wir, dass Kunden gern individuelle Leistungen dazuzubuchen. Wir werden dem vor allem im Angebot der Marke Thomas Cook Signature gerecht.

Die junge Generation sehnt sich nach spontanen Kurztrips. Was bedeutet das für die klassische Ferienhotellerie?

Wir haben schon vor Jahren das klassische Pauschalreiseangebot, das vorwiegend ein-, zwei- oder dreiwöchige Reisen vorsah, aufgebrochen und unseren Kunden mehr Raum für Flexibilität geboten. Heute gibt es ein breites Angebot an Kurzreisen in fast alle Zielgebiete, teilweise mit flexiblen Flugbuchungen von und nach unterschiedlichen Flughäfen sowie mit individuellen Transfers. Die Hotellerie hat sich dem Zeitgeist gut angepasst. Hotels bieten heute mehr als nur ein Bett und ein leckeres Frühstück. Sie sind teilweise von der Schlafstatt zur Erlebniswelt geworden.

Neue Hotelkonzepte setzen zunehmend auf den „Genius Loci“, also den Spirit des Ortes. Wie kann dies auf die Ferienhotellerie übertragen werden?

Diesen Trend nehmen wir in unserer 2016 eingeführten Hotelmarke Casa Cook auf. Unser erstes Haus befindet sich in Kolymbia auf Rhodos, das zweite eröffnet im Juli auf Kos. Nach dem Motto „mi casa es su casa“ (mein Haus ist dein Haus) möchte Casa Cook als neues Zuhause fernab der Heimat dienen. In lokaler Umgebung vereint das Hotel moderne Architektur mit traditionell griechischen Stilelementen sowie ein minimalistisches Design und greift bewusst den Charakter und den Lifestyle des Ortes auf. Das Herzstück der Hotels sind die offen gestalteten Restaurant-, Bar- und Poolbereiche. Die Atmosphäre ist lässig und familiär, schafft Platz für Körper, Geist und Seele.

Was kann das Business- und Stadthotel von der Ferienhotellerie lernen?

Viele Business- und Stadthotels verfolgen das Ziel, nicht nur als einfache Übernachtungsmöglichkeit angesehen zu werden. Die Grenzen zwischen Business und Freizeit sind fließend. Besonders offene Bereiche stehen konzeptionell im Fokus. So sollen eine offen gestaltete Lobby, eine loungeartige Bar mit erlesener Gastronomie als „Wohnzimmer auf Zeit“ dienen.  Privat- wie Geschäftsreisende verweilen dort in lockerer Atmosphäre und genießen ihre Auszeit. Auch Spa- und Fitnessangebote erinnern an die Ferienhotellerie.

Welche Rolle spielt smarte Technik wie Self-Check-in für das Urlaubshotel?

Erholungssuchende schätzen im Hotel einen zuvorkommenden und persönlichen Service, der bei der Anreise beginnt. Smarte Techniken wie Self-Check-in sind zurzeit in klassischen Urlaubhotels daher nicht gefragt. Wir beobachten das aber und testen in einigen Ferienhotels Pre-Check-ins. Enorm wichtig ist kostenfreies WLAN in allen Bereichen des Hotels.

Interview: Nina Fiolka

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