Investition Wellness

Vom Tun zum Sein

Das quantitative Wachstum von Wellness ist abgeschlossen. Nun heißt es für den Hotelier, die großen Bewegungen am Markt zu beobachten und sein Profil zu schärfen, um sich nicht im allgegenwärtigen »Trend-Wirrwarr« zu verlieren. Ein zentrales Thema, das dem »ITB Expertenforum Wellness« im März eine Keynote wert war

Als mich die Chefin eines österreichischen Wellnesshotels vor einiger Zeit bei einem Gespräch auf der Hotelterrasse fragte, welcher Trend denn als nächstes käme und ob Selfness überhaupt noch aktuell sei, war ich erstens über die Frage verblüfft. Und musste zweitens passen. Hier eine Prognose abzugeben, wäre trotz langjähriger Marktbeobachtung gewagt gewesen.

Was bringt die Zukunft? Was wollen die Gäste? Worin lohnt es sich zu investieren? Die Hotelinhaberin sprach aus, was sich viele Kolleginnen und Kollegen fragen, da der Erfolg ihres Spas davon abhängt, die richtigen Angebote zu machen und in Sachen Wohlbefinden den Nerv der Zeit zu treffen. Wellness-Trends gab es schon viele. Einige hielten, was sie versprachen. Andere nicht, wie sich im Nachheinein herausstellte. Aber hinterher ist man ja immer schlauer. Wieder andere waren erfolgreich, haben aber im Lauf der Jahre an Zugkraft verloren, weil sich die Bedürfnisse und die Erwartungshaltung der Gäste ändern.

»Was ist ein Trend – was ein Trendchen?« Das hinterfragte auch Keynote-Speaker Dr. Franz Linser, Gründer der Linser Hospitality, Innsbruck, auf dem diesjährigen »ITB Expertenforum Wellness« und schickte vorweg: »Wellness ist im Zentrum der Gesellschaft angekommen. Da braucht es leistbare Angebote.« Aber auch sinnvolle. Um die relevanten gesellschaftlichen Veränderungen herauszufiltern und sich nicht in einer Abfolge von kurzlebigen »Trendchen« zu verlieren, müsse man genau hinschauen – die menschlichen Befindlichkeiten analysieren: Wie leben wir heute? Wie geht es unseren Gästen? Welche Sehnsüchte schlummern im Einzelnen, die noch nicht bedient werden? Fakt ist: Wir leben zu schnell, worunter zunehmend die mentale Gesundheit leidet. Linser: »Obwohl es uns immer besser geht, geht es uns auch irgendwie immer schlechter.« Die Kehrseite unserer »Zuvielisation« sind bekannt: Burn-out, Depressionen und Vereinsamung, denn auch die zwischenmenschlichen Beziehungen halten dem Tempo und den hohen Anforderungen an Glück und Perfektion nicht stand. »Wir haben viele Gäste, die in der Krise stecken. Und was machen wir? Wir cremen sie ein«, formuliert es der Consultant provokant und plädiert in diesem Zuge für Coaching statt Beauty. Aber auch das ist kein Patentrezept, denn zwar entstehen aus großen gesellschaftlichen Entwicklungen neue Wünsche. Aber nicht jeder wünscht sich das Gleiche. So gibt es heute einerseits die Tendenz hin zum Natürlichen, Einfachen – einer Weniger-ist-mehr-Bewegung als erholsame Gegenwelt zur Reizüberflutung im Alltag. Dies wird von vielen Hotels bereits umgesetzt. Andererseits wächst die Zahl derer, die im Wellnessurlaub auf Selbstoptimierung setzen und gezielte Anleitungen möchten, um widerstandsfähiger gegen Stress zu werden. Auch hier steigt die Zahl der Angebote. Also am besten alle Wünsche bedienen? Das wäre nicht der richtige Weg. Denn »be yourself« gilt auf dem Wellnessmarkt nicht nur für den Gast.

Da das quantitative Wachstum von Wellness mittlerweile abgeschlossen ist und Teile des Marktes stagnieren, gilt es nun für den Hotelier, sein Profil zu schärfen. Das erfordert Mut, ist aber die einzige Chance, nicht austauschbar zu sein. »If you have too many prioritys, you have no prioritys«, so Linser. Wie machen es also »die Guten«, die Erfolgreichen? Sie bringen etwas auf den Markt, das sich nicht kopieren lässt. Auch wenn es die Mitbewerber häufig versuchen.

Und was sind nun die großen Zukunftsthemen? »Regenerationsfähigkeit, Leistungsfähigkeit, Stressabbau, Stressresistenz, Schlaf und Selbstfindung«, zählt Franz Linser auf. »Denn der Luxus der Zukunft wird ein unsichtbarer sein.« Was heißt das für den Hotelier? »Weg von der Moment-Wellness (Ziel: Spaß) hin zur habituellen Wellness (Ziel: Lernen für den Alltag; langfristiges Ziel: Glück).« Oder noch prägnanter gesagt: »Vom Tun zum Sein.«

Entwicklung am Wellnessmarkt
1960: Produkt
1980: Konsum
2000: EMOTION
2020: Sinn

Wellness-Typologie
• Wellness 1.0 exterior:
Wohlfühl-Wellness
• Wellness 2.0 interior: Mehr Tiefgang
• Wellness 3.0 complete: Ganzheitlicher Ansatz

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