Tophotel-Autor Rudolf Knoll stellt in dieser Ausgabe wieder einen für die Gastronomie überaus interessanten Wein vor, der durch sein sehr gutes Preis-Wert-Verhältnis überzeugt.
Kategorie: Wein-Empfehlungen
Text: Rudolf Knoll, 11. April 2012
Ungarn ist ein traditionsreiches Weinland mit einer über 2000-jährigen Weingeschichte. Bereits im 13. Jahrhundert gab es eine feste Weinbergordnung sowie ein Weinrecht. 1836 wurde eine Kommission zur Verhinderung der Weinverschlechterung gegründet. Damals schon galt der edelsüße Tokajer als »Wein der Könige, König der Weine«. Etwa 50 Jahre später machten sich die Ungarn in der Gegend von Villány (gesprochen: »Villan«) im Süden des Landes verdient um den europäischen Weinbau, als sie durch die Produktion von Unterlagsreben zur Bewältigung der Reblauskrise beitrugen. In Ungarn wurden die günstigen natürlichen Gegebenheiten gut für die Erzeugung von ansprechenden Weinen genutzt.
Damit war es nach dem Zweiten Weltkrieg vorbei. Zwar hatten manche Önologen und Winzer Ambitionen, aber ihnen waren weitgehend die Hände gebunden. »Wir mussten die Reben regelrecht vergewaltigen«, erinnert sich ein heute angesehener Erzeuger, der in den 70er- und 80er-Jahren im Staatsdienst beschäftigt war. Massenproduktion war vorgeschrieben, selbst der einstige Renommier-Tokajer verkam im Export- geschäft zum billigen Supermarkt-Wein.
Nach 1990 begann für den ungarischen Weinbau eine neue Ära. Viele Flächen wurden privatisiert und eigenes Engagement bekam einen neuen Stellenwert. Ausländisches Investment half in manchen Fällen, das Potenzial des Landes besser auszuschöpfen. Besondere Bemühungen unternahm dabei der in Reutlingen geborene und seit 1992 als Rechtsanwalt in Berlin tätige Horst Hummel. Er gründete – weil er sich für die Region begeisterte – 1998 ein Weingut in Villány. Dieses Gebiet im ungarischen Süden an der Grenze zu Serbien gilt als wohl beste Rotweinregion des Landes. Einige der hier tätigen Winzer wie Bock, Vylyan und Gere haben in Ungarn einen guten Ruf und vermarkten ihre Weine teilweise zu erstaunlich hohen Preisen.
Horst Hummels Betrieb umfasst 7,5 Hektar, die seit 2008 ökologisch bewirtschaftet werden. Er baut nur rote Sorten an – der Lemberger, der in Ungarn Kékfrankos genannt wird, hat bei ihm einen besonders hohen Stellenwert. Zielsetzung ist es, »mit modernem, intelligentem Weinbau unverfälschte, eigenständige und charaktervolle Weine zu produzieren«. Vermarktet werden die Weine auch über Hummels Berlin-Filiale. Der 2008er Kékfrankos hat ein sehr gutes Preis-Wert-Verhältnis – über ihm stehen eine 2009er Premium-Füllung, die gut das Doppelte kostet. Für die eindrucksvolle Cuvée »J.M.« aus dem Jahr 2006 darf es dann noch etwas mehr sein.
Der Wein: 2008 Kékfrankos
Der Geschmack: Feine Kräutermischung im Aroma, dazu ein Hauch Brom- beere; würzig, komplex, guter, jugendlicher Biss und Feuer; hat noch Reserven für einige Jahre. Passt gut zu herzhaften Fleischgerichten vom Rind, Wild, Lamm und zu ungarischem Gulasch.
Der Preis: 5,50 Euro zzgl. MwSt.
Bezug: Horst Hummel – Villány-Berlin
Buchholzer Straße 9 • 10437 Berlin
Telefon 030-4453444 • Fax 030-44730760
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www.weingut-hummel.com
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