Hotelzimmer

»IKEA-Möbel machen krank«

Dass Design heute eine wichtige Rolle in der Hotellerie spielt, daran hatten die Teilnehmer des FCSI-Round Table keinen Zweifel. Dass Design im Idealfall sogar der Mitarbeiterbindung dient und im Negativfall auch depressiv machen kann, war für viele eine völlig neue Erkenntnis.

Round Table sind nicht per se langweilig. Das wurde am 18. März im Boardroom der HamburgMesse deutlich: Der FCSI Deutschland-Österreich und Tophotel luden Branchenexperten ein, um über das Thema Design zu sprechen.

»Design sells«, so viel steht fest – zumindest für Corinna Kretschmar-Joehnk, die sich beruflich seit nunmehr 25 Jahren mit Design in der Hotellerie befasst. Gehörte Design früher in die Sparte »nice to have«, komme man heute nicht mehr umhin, Design im Marketingkonzept zu verankern. Markus Lehnert, Regional Vice President International Hotel Development bei Marriott International in Zürich, macht den aktuellen Lifestyle als Designtreiber verantwortlich: »Design ist heute ein wichtiges Buchungskriterium.« Dies bestätigt auch Philip Borckenstein von Quirini, GM der beiden Hamburger Hotels Empire Riverside und Hafen Hamburg: »Die Gäste sind durch ihre erhöhte Reisetätigkeit inzwischen viel anspruchsvoller als früher und erwarten einfach ein tolles Ambiente.« Hinzu komme, dass die Menschen inzwischen eine deutlich hochwertigere Wohnqualität zu Hause gewohnt seien und daher eine ganz andere Erwartungshaltung gegenüber Hotels haben, sagt Hildegard Dorn-Petersen. Design wird laut Professor Dr. Axel Gruner nicht zuletzt auch durch Eskapismus – den Wunsch nach Realitätsflucht – gefördert. Raus aus dem Alltag, hinein in eine andere entfernte Welt. Das Hotel Victory Therme in Erding und der Europa-Park Rust seien beste Beispiele dafür. Und hier schafft es Design, für Auslastungsquoten von mehr als 90 Prozent zu sorgen. Dabei gehe es nicht immer nur um den spontanen Wow-Effekt, wie Markus Lehnert betont. Gutes Design funktioniere in erster Linie unterschwellig und begeistere unter Umständen erst zeitverzögert. In die gleiche Kerbe schlägt Innenarchitekt Rainer Wiltschko: »Design darf den Betrachter nicht anschreien, der Gast ist gar nicht in der Lage, sich jedem der 50 Design-Elemente im Zimmer aufmerksam zu widmen.« Zudem dürfe man gutes Design nicht mit der Ansammlung von möglichst vielen Design-Gegenständen verwechseln. Rainer Wiltschko nennt noch weitere wichtige Faktoren für Design: Raumhöhe, Maße und Proportionen. »Die Maße dürfen nicht – wie in der schwedischen Gebährmutterwohlfühlwelt – von Containern bestimmt werden, die Maße müssen sich wieder an den Menschen ausrichten. Ich habe schon seit Jahren gesagt: IKEA-Möbel machen krank, weil die Maße und Proportionen nicht stimmen. Der Mensch braucht zudem Raumhöhe, um sich selbst zu erhöhen und um wachsen zu können«, so Wiltschko weiter.

Stefan Pallasch ist für das Pierdrei Hotel in der Hamburger Hafencity als GM zuständig, das 2018 mit 212 Zimmern und einem kleinen Campingplatz auf dem Dach an den Start gehen wird und das Herz dieses neuen Stadtviertels werden soll. Er will Design nicht übertreiben und vorrangig auf die öffentlichen Bereiche konzentrieren, um den Übernachtungsgast nicht zu überfrachten mit Gestaltungsideen. Man solle sich nicht wie in einem Museum fühlen

Für Björn Grimm hat Design im Hotel auch etwas mit der Haltung der Mitarbeiter zu tun. Die müsse zum Hotelkonzept passen und vor allem authentisch sein, was nur dann funktioniert, wenn die Mitarbeiter sich mit dem Betrieb identifizieren. Prof. Dr. Axel Gruner stellt zunehmend fest, dass sich die jungen Leute ihren Arbeitsplatz nach dem dort herrschenden Lifestyle aussuchen. Daher werden sich Ketten wie Maritim künftig schwer tun, geeignete Nachwuchskräfte zu bekommen. Somit dient Design auch zur Mitarbeiterfindung und -bindung.

 

Round Table

Corinna Kretschmar-Joehnk, JOI-Design Hamburg
Philip Borckenstein von Quirini, Empire Riverside und Hafen Hamburg
Markus Lehnert, Marriott International
Rainer Wiltschko, raumwerk Berlin
Hildegard Dorn-Petersen, FCSI Deutschland-Österreich e.V.
Björn Grimm, FCSI Deutschland-Österreich e.V.
Prof. Dr. Axel Gruner, cocoon hotelgroup München, Hochschule München
Stefan Pallasch, Pierdrei Hotel Hafencity Hamburg
Thomas Karsch, Top hotel, Moderator