Brandschutz

Coq au Feu statt Coq au Vin

In Deutschland kommt es jeden Monat zu Hotelbränden; viele davon entstehen in der Küche. Hotelbesitzer sollten daher auf den vorbeugenden Brandschutz in ihrer Immobilie achten, denn bei Fahrlässigkeit haftet man im Brandfall persönlich und verliert den Versicherungsschutz. Demnächst kommen verschärfte Vorschriften zur Anwendung.

Der rote Hahn lauert oft in der Abluftanlage der Hotelküche. Wenn die Fettfilter in der Küchenhaube keinen hinreichenden Abscheidegrad haben oder nicht regelmäßig gereinigt werden, besteht die Gefahr eines Luftkanalbrandes, der bei einer Durchzündung das Feuer auf sämtliche Etagen überträgt. Statt Coq au Vin im Topf gibt’s dann »Coq au Feu« im Luftkanal. So geschehen unlängst im Gasthof Weißer Schwan im fränkischen Rückersdorf sowie in einem Kurhotel im bayerischen Bad Griesbach: Dort sorgte jeweils ein Fettbrand für die Zerstörung großer Gebäudeteile. Viele Fettfilter entsprechen nicht den aktuellen Regelungen, so der schwäbische Lüftungsspezialist Rentschler Reven. Laut Euronorm DIN EN 16282* sind die weit verbreiteten Metall-Gestrickfilter aus Aluminium nicht mehr zulässig. Sie müssen ersetzt werden durch Fettabscheider aus Edelstahl. Das sind meist Cyclonabscheider, die das Fett nicht wie ein Filter speichern, sondern dieses durch rasche Luftumlenkungen ausschleudern und in eine Sammelrinne leiten. Aufgrund der einheitlichen Abmessungen ist der Austausch der alten Filter gegen moderne Abscheider problemlos umzusetzen.

Auf Prüfzeichen achten


Die Fettabscheider müssen allerdings flammendurchschlagfest sein. Dies ist am Prüfzeichen »geprüft EN 16282-A« ersichtlich. Frische Fette entzünden sich zwar erst bei über 320 Grad Celsius;  bei verharzten Ablagerungen in der Haube und im Abluftkanal sinkt die Zündtemperatur allerdings auf unter 130 Grad. Wenn der Kanal verfettet ist, bietet auch eine Brandschutzklappe keinen sicheren Schutz, weil diese dann nicht dicht schließt.

Wo fettreich gekocht und gebraten wird, ist ein zusätzlicher Kanalabscheider ein Lösungsvorschlag, um die unkontrollierte Ausbreitung eines Fettbrandes zu verhindern. Er wird nach der Abzugshaube in den Abluftstrang eingebaut und fängt Fettreste ab, die der Filter bzw. Abscheider passieren lässt. 

Vorschriften verschärft


Die DIN EN 16282 fordert zudem eine automatische Feuerlöschanlage über allen Geräten, die eine Brandlast bilden – unabhängig von der thermischen Leistung oder der Menge des verwendeten Speiseöls. Das war bislang nur erforderlich, wenn sich mehr als 50 Liter Speiseöl im Kochblock befinden und die thermische Leistung 60 kW übersteigt. Bei modernen Feuerlöschsystemen sind Sprühdüsen für das Löschmittel unterhalb der Fettabscheider installiert, ähnlich einer Sprinkleranlage. Der Löschvorgang wird automatisch durch ein Schmelzlot oder von Hand ausgelöst.

Bei einem Herdbrand nimmt die Versicherung besonders die Fettfilter und die Feuerlöschanlage unter die Lupe. Sind sie nicht norm- bzw. VdS-gerecht ausgeführt, greift der Versicherer gerne zur Quotenregelung und der Küchenbetreiber muss für einen Teil des Sachschadens selbst aufkommen. Bei der Planung einer Küche ist es daher ratsam, Rücksprache mit dem Feuerversicherer und dem Sachverständigen für die bauaufsichtliche Abnahme der Lüftungsanlage zu halten.

 

Brandschutz in der Cloud


Seit 5. Oktober ist die neue Webseite zur digitalen Verwaltung von Rauchwarnmeldern der Firma Hekatron online. Über das cloud-basierte Portal können Hotels beispielsweise Wartungsdaten einsehen und verwalten. www.hekatron.de

 

Löschautomatik »Protect«


Unter dem Namen »Protect« bietet Rentschler-Reven eine Feuerlöschautomatik für Dunstabzugshaube und Lüftungsdecken an (Foto oben). Sie hat die Zulassung vom Verband der Sachversicherer (VdS) und verwendet als Löschmittel eine lebensmittelverträgliche Salzlösung. Diese bildet beim Aufsprühen auf den Herd einen Schaumteppich, der das brennende Fett von der Luftzufuhr abschneidet und durch die Schaumbildung Wärmeenergie bindet. Mit dem Löschvorgang werden zugleich die Kochgeräte strom- bzw. gaslos geschaltet. Besprüht wird im Brandfall auch der Abluftbereich hinter den Fettabscheidern, um die Brandübertragung auf angrenzende Gebäudezonen zu vermeiden. Der Schaum ist einfach aufzuwischen und die Küche ist in den meisten Fällen rasch wieder betriebsbereit. Das System arbeitet rein mechanisch ohne Fremdenergie und ist nachrüstbar.