Expo-Real-Nachlese

Der Platz wird knapp

In München geht es heiß her. Auf dem Hotelmarkt jagt eine Neueröffnung die nächste und ein Ende des Booms ist bislang nicht in Sicht. Die Isar-Metropole steht damit stellvertretend für den gesamten deutschen Hotelinvestmentmarkt, der aktuell als der attraktivste Europas gilt. Ein Bild davon konnten sich Besucher auf der Expo Real machen.

Otto Lindner, Vorstand Lindner Hotels AG: »Ich sehe mit Sorge, dass heute viele riskante Hotelprojekte finanziert werden, die ich nicht nachvollziehen kann.«

Rupert Simoner, CEO Vienna House: »Dass es Bedarf für unsere Philosophie gibt, zeigt sich in den zahlreichen und hochwertigen Projektanfragen.«

Fast 40.000 Teilnehmer verdeutlichen das große Anlageinteresse an Immobilien in Niedrigzinszeiten. Hotels sind beliebte Objekte für Investoren, vor allem in München. Seit 13 Jahren steigen die Gästezahlen, 2015 landete die Stadt mit über 14 Millionen Übernachtungen auf Rang zwei hinter Berlin. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stiegen in den ersten zwei Quartalen 2016 Raten und RevPAR um fast 20 Prozent; das ist deutschlandweit die beste Entwicklung und mehr als dreimal so viel wie im Bundesdurchschnitt. Diese Zahlen befeuern den Wunsch nach Hotelinvestitionen. Das Anlagevolumen betrug 2015 rund 747 Millionen Euro – Rekord für die Landeshauptstadt. Im ersten Halbjahr 2016 landete München mit etwa 145 Millionen Euro allerdings nur noch im Mittelfeld der sieben größten Standorte in Deutschland. Der Grund dafür ist laut BNP Paribas das nicht ausreichende Angebot an Objekten. Das Volumen aller »Big Seven« belief sich zwischen Januar und Juni 2016 auf gut 1,3 Milliarden Euro; eine Steigerung um 39 Prozent im Vorjahresvergleich. Spitzenreiter Berlin kam auf 562 Millionen Euro, Frankfurt (317 Mio. Euro) und Hamburg (188 Mio. Euro) folgen auf den Rängen zwei und drei.

Wie mehrere Marktbeobachter berichten, lag das Investitionsvolumen im dritten Quartal dieses Jahres insgesamt etwas niedriger als 2015; das starke erste Halbjahr gleicht die schwachen Monate bislang praktisch aus. In den Zeitraum Juli bis September fällt die bisher größte Einzeltransaktion des Jahres 2016: der Verkauf des Hyatt Regency Düsseldorf für mehr als 100 Millionen Euro an den Hotelfonds Primotel Europe und Algonquin. Unter den Portfoliotransaktionen des dritten Quartals ist auch der Kauf von sieben Arcadia- und Dorint-Hotels durch die Berliner HR Group zu finden, die in den Häusern außerdem den Betrieb übernommen hat. Bei all diesen Erfolgsmeldungen gibt es auch kritische Stimmen, die Vorsicht gebieten: »Ich sehe mit Sorge, dass heute viele riskante Hotelprojekte finanziert werden, die ich nicht nachvollziehen kann«, warnt etwa Otto Lindner, Vorstand der Lindner Hotels AG, vor allzu großer Euphorie.

Auffällig ist das geringe Volumen im Economy- und Budget-Segment, das nicht das große Interesse an diesen Kategorien widerspiegelt. »Budget boomt« ist vielerorts zu vernehmen. Das bestätigt das TREUGAST-Investment-Ranking 2016, das auf der Expo Real vorgestellt wurde: Motel One in der Spitzengruppe, Meininger und Vienna House als Aufsteiger und B&B Hotels als Gewinner des Most Wanted Investment Partner Awards. Und auch bei den Zukunftserwartungen ist die Budget-Hotellerie Spitzenreiter: 91 Prozent der Befragten aus dem Segment erwarten für die kommenden fünf Jahre eine positive Performance-Entwicklung. Rupert Simoner, CEO Vienna House, sieht sich durch das Ranking ebenfalls in seiner Strategie bestätigt: »Dass es Bedarf für unsere Philosophie gibt, zeigt sich in den zahlreichen hochwertigen Projektanfragen.« Anfang des Jahres hatte die österreichische Hotelgruppe unter Simoner eine neue Ausrichtung erhalten, mit der man »auf dem richtigen Weg« sei.

Dass im Budget-Segment auch das Topthema Konsolidierung eine Rolle spielt, deuteten die TREUGAST-Geschäftsführer Moritz Dietl und Michael Lidl im Gespräch auf der Expo Real an. Möglicherweise stehen also für die kommenden Monate noch Portfolio-Veräußerungen auf der Agenda. KAB