Umbau & Renovierung

»Entscheidend ist, wie bediener­freundlich Hotels technisiert werden«

Eine noch wesentlich stärker digitalisierte, vernetzte und vor allem individualisierte Hotelumgebung prognostiziert TKS-Geschäftsführer Uwe Christian Köhnen in den kommenden Jahren und sieht die Branche vor der elementaren Herausforderung, auf Augenhöhe mit den Gästen zu sein. Darüber hinaus erklärte Köhnen im Interview, weshalb Komplettlösungen gerade für Stadthotels einen immer wichtigeren Stellenwert bei Renovierungen haben.

Tophotel: Herr Köhnen, vor etwas mehr als zwei Jahren hat TKS seine Kernkompetenz um die Technische Gebäudeausstattung (TGA) erweitert. War es der richtige Schritt zur richtigen Zeit?
Uwe Christian Köhnen: Das können wir bestätigen. Durch die Kompetenzerweiterung im Bereich der technischen Gebäudeausstattung hat sich der TGA-Anteil im Rahmen unserer Leistungen als Generalunternehmer in den vergangenen beiden Jahren verdreifacht. Wir verfügen über eine eigene Abteilung mit TGA-Ingenieuren, die von der Grundlagenermittlung, Planung, Koordination, Durchführung und Dokumentation das komplette TGA-Leistungsspektrum abdeckt, womit wir einen weiteren entscheidenden Schritt in Richtung Komplettlösung für unsere Klientel getan haben.

Tophotel: Wie hoch ist die Nachfrage hinsichtlich derartiger Generalunternehmerleistungen?
Köhnen: Der Bedarf ist hoch, speziell für bestehende Hotels in Metropolen, die einem starken Wettbewerbsdruck durch neu gebaute Hotels ausgesetzt sind. Denn gerade das, was der Gast nicht sieht, ist für den wirtschaftlichen Betrieb eines Hotels ausschlaggebend. Zwar können sich Hotels durch konsequentes Soft-Refurbishment eine frische Optik erhalten, doch nach 20 Jahren im Dauerbetrieb stehen auch in sehr gut gepflegten Hotels umfassende Maßnahmen im Bereich der Gebäudetechnik an.

Tophotel: Dank der Gebäudeautomation werden Privathäuser, aber auch Hotels immer smarter, der Zimmerzutritt via Smartphone ist da nur der Anfang. Welchen Einfluss hat diese Entwicklung auf aktuelle und zukünftige Projekte?
Köhnen: Digitalisierung ist heute neben dem Design ein wichtiges Differenzierungsmerkmal; smarte Technologien sind aus Hotels nicht mehr wegzudenken. Für viele Gäste sind sie gleichbedeutend mit Komfort, parallel werden Mitarbeiter von Routinetätigkeiten entlastet. Die Datentechnik gewinnt daher eine immer größere Bedeutung. Als TGA-Spezialisten stellen wir nicht nur die zeitgemäße Ausstattung des Hotels in allen Bereichen sicher, sondern beraten die Kunden im Sinne von langfristig sinnvollen Investitionen, zum Beispiel durch den Einbau von Bussystemen oder projektbezogenen Alternativen, wodurch Automatisierungsprozesse flexibel mit geringem Aufwand erweitert werden können. Auch wenn der Traum vom Smartphone geführten Hotel für viele Technik-Idealisten verlockend sein mag, wird es im Hotel-Business aber auch auf die von Menschen geprägte Dienstleistung weiterhin ankommen.

Tophotel: Welche neuen technischen Lösungen werden in fünf Jahren selbstverständlich im Hotel sein?
Köhnen: Der Lifestyle der Gäste wird noch stärker digitalisiert, vernetzt, individualisiert und vor allem mobil sein. Im Zimmerbereich schildern Zukunftsszenarien eine komplett auf den individuellen Gast zugeschnittene Umgebung, gespeichert auf mobilen Devices des Gastes und in jedem Hotel abrufbar. Entscheidend wird hierbei sein, wie bedienerfreundlich Hotels technisiert werden. Gern hat man in früheren Jahren Hotelzimmer mit verschiedensten Lichtszenen ausgestattet. Später wurde erkannt, dass manchmal weniger mehr ist. Entscheidend für die Hotels wird es sein, auf Augenhöhe mit ihren Gästen zu sein, ohne diese zu überfordern. Gute geführte Hotels leben von der Empathie und Motivation ihrer Mitarbeiter und wissen, wieviel Technik ihre Gäste tatsächlich erwarten.

Tophotel: Zum Interior-Design: Viele deutsche und internationale Hotelketten scheuen weder Kosten noch Mühen, um neue Lifestyle-Brands mit entsprechend aufsehenerregendem Interior-Design zu entwickeln. Gibt es seitens der Privathotellerie ähnliche Tendenzen?
Köhnen: Durch Design und Inszenierung erzählen Hotels Geschichten und machen ihre Persönlichkeit für die Gäste erlebbar. Hotelkonzept, Gäste-Mix und Design müssen stimmig zueinander sein und ohne Brüche. Dies gilt für Hotelketten und die Privathotellerie gleichermaßen. Hotelaffine Innenarchitekten und Designer können die Ideen der Kunden in atmosphärisch dichte, authentische Konzepte übersetzen, ob ausgefallen oder klassisch. Wie der Name schon sagt, sind klassisch eingerichtete Hotels hinsichtlich ihrer Einrichtung langfristiger ausgerichtet und haben auch die hierzu passende Gästestruktur.