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Brauchen Hotels einen CDO?

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Anfang des Jahres verblüffte prizeotel mit der Verpflichtung eines renommierten Agenturprofis als Chief Digital Officer. Immer mehr Unternehmen setzen auf einen Transformationsbeauftragten, der unabhängig agieren kann. In den USA haben auch erste Städte einen CDO.

Marc Thomalla heißt der neue Chief Digital Officer bei prizeotel, einer Marke, die hierzulande vor allem dafür steht, dass man die Digitalisierung weitgehend verstanden hat. Kaum eine andere Kette spielt virtuoser mit den sozialen Medien. Gründer Marco Nussbaum fordert seine Mitarbeiter dazu auf, aktiv Bewertungen zu sammeln und selbst eigene Ideen für Videos und den Blog einzureichen. Er arbeitet mit Begeisterung an der Optimierung seines Onlinemarketing-Konzepts, vor allem dann, wenn Booking.com auf seinen Markennamen bucht. Ausgerechnet prizeotel mit seinen bislang drei Häusern in Hannover, Bremen und Hamburg leistet sich diese teure Stabstelle?

Marco Nussbaum folgt mit dieser Verpflichtung einem Trend, der bereits in einer Vielzahl von Branchen um sich gegriffen hat. Versandhändler Otto hat einen Hauptverantwortlichen für digitale Transformation. Technikhändler Media-Saturn beschäftigt mit Martin Wild einen Chief Digital Officer, dessen Aufgaben im Wesentlichen im Bereich Innovation liegen. Und natürlich suchen auch Marken wie Adidas nach frischem Blut in Sachen Innovation und wählen den Schulterschluss mit der Wissenschaft in Form der Universität Erlangen.

Die Ursache für diesen Trend liegt in der Erkenntnis, dass sich die Welt derzeit so schnell ändert, dass klassische Strukturen dem nicht gewachsen sind. Weder vertikale Strukturen, also zum Beispiel Fachabteilungen, die sich nach Bereichen in der Wertschöpfungskette sortieren, noch die Prozesse der Entscheidungsfindung. Weg vom Meeting hin zu mehr Selbstverantwortung lautet das neue Management-Credo, das natürlich von den Protagonisten und deren Führungsebene ein gerüttelt Maß an Risikobereitschaft verlangt.

»Ich bin frei von Umsatz- und Ergebnisverantwortung, was ich im Moment auch sehr schätze«, sagt Martin Wild, der CDO bei Media-Saturn. »Ich habe damit die Freiräume, mich auch jetzt schon mit Themen zu beschäftigen, die morgen oder übermorgen relevant werden können.« Wild beschäftigt sich aktuell mit der Einführung von Virtual Reality, die in den Saturn-Märkten zur Kücheneinrichtung genutzt wird. Damit will man das Kauferlebnis plastischer und spannender machen und der starken Onlinekonkurrenz ein werthaltigeres Kauferlebnis entgegensetzen.