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»Der Eckart«

Der Witzigmannpreis erfährt 2012 eine Weiterentwicklung: »Der Eckart« würdigt Talent, Kreativität, Ausdauer und Menschlichkeit. GAD-Mitglied Frank Hornberg stellt die Auszeichnung vor.

 »Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann«, sagt Antoine de Saint-Exupéry. Diesem »less is more« folgt der vor acht Jahren von GAD-­Ehrenpräsident Eckart Witzigmann geschaffene Witzigmannpreis, der 2012 weiterent- wickelt wurde. Mit seinem, die Wortspielerei sei gestattet, »Küchenkabinett«, allen voran Otto Geisel, hat der mit Auszeichnungen überhäufte Ausnahme-Interpret der Kochkunst neue Zeichen gesetzt: »Der Eckart« ist der Witzigmannpreis der Zukunft. Er würdigt in den Kategorien »Kochkunst«, »Innovation« und »Lebenskultur« Talent, Kreativität, Ausdauer und Menschlichkeit.

Die 14-köpfige Jury, überwiegend Träger des Witzigmannpreises, tagte Anfang September. Dazu begrüßte der Vorstand des neuen Markenpartners die Gäste in der BMW-Welt München. Die BMW-Vertreter zeigten durch ihren Auftritt, dass sie Partner und nicht Sponsor sind. Erstere erkennt man bekanntlich daran, dass sie sich zurückhalten, nicht ins Rampenlicht drängen und sich harmonisch in das Ganze einfügen. Das ist nicht selbstverständlich. Und es funktioniert nur, wenn Einigkeit über die Ziele besteht.

Die Jury wählte übereinstimmend drei Persönlichkeiten, die am 15. Oktober in München die Preise in Empfang nehmen werden: ­Sha-lom Kadosh, Tel Aviv und Jerusalem, erhält den Internationalen Eckart Witzigmannpreis für Kochkunst 2012. Er wirkt mit großer Leidenschaft in Israel. Das Land hat eine enorm vielfältige Küche hervorgebracht, die Einflüsse aus 70 Kulturen zusammenführt. Kadoshs Traum: Mit gutem Essen Frieden schaffen.

Andoni Luis Aduriz, San Sebastian, erhält den Internationalen Eckart Witzigmannpreis für Innovation 2012. Er gilt als einer der besten Köche der Avantgarde. In beeindru-ckender Weise macht er sich die Errungenschaften der modernen Technik für seine Küche zunutze. Bekannt ist Aduriz für seinen sensiblen Umgang vor allem mit Kräutern und Gemüse.

Peter Kubelka, Wien, erhält den Internationalen Eckart Witzigmannpreis für Lebenskultur 2012. Der österreichische Experimental­filmer und Künstler ist der erste, der das Kochen explizit an einer Kunsthochschule als Kunst gelehrt hat. Für ihn ist Kochen die älteste bildende Kunst überhaupt.

Ein weiterer Partner fügte sich ungewöhnlich, überraschend und konzentriert ein in die Auftaktveranstaltung »Der Eckart«: Die duale Hochschule Baden-Württemberg mit ihrem neuen Masterangebot für die Branche, das Lebensmittelkultur und -kunde umfasst. Gemeinsam mit den Juroren und den Studenten aus Hotellerie und Gastronomie sowie Pressevertretern entwickelte sich ein Symposium, bei dem es um »Gemeinschaftsverpflegung« ging. Sind Mittelstandskantinen, Schulverpflegung, Alternativen zur Krankenkost Themen für die Sterneköche der Jury? Ja, denn das Kochen ist nicht nur handwerkliche Präzision und Wissen. Essen und Trinken bedeutet nicht nur Kalorienaufnahme, um Hunger zu vertreiben und Durst zu löschen. Tafelkultur ist nicht zu reduzieren auf feines Silber und Porzellan. Kochen und Gastlichkeit heißt, in einem hohen Maße Verantwortung für das soziale Miteinander zu übernehmen.

Spitzenwissen in die Breite zu vermitteln und damit der Gesellschaft zu nutzen, ist ein Aspekt, der so noch nicht in der Branche gedacht wurde. Eine Aufgabe, die die Jury an die Studierenden weitergab, liegt darin, hierzu Thesen zu entwickeln, und Möglichkeiten aufzuzeigen, das Thema »machbar« zu umreißen.

Mit der Bescheidenheit und der Herzlichkeit Eckart Witzigmanns wurde der neu ausgerichtete Preis der Fachwelt und der Öffentlichkeit vorgestellt. »Der Eckart« ist allerdings mehr als ein Preis. Er ist, wie es bei seiner Entstehung von den Protagonisten als Vision formuliert wurde – eine Herausforderung.

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