Am 1. August ist es soweit: Das Pariser Grandhotel Ritz schließt für mehr als zwei Jahre. Für rund 200 Millionen Euro soll es "fit für das 21. Jahrhundert" gemacht werden.
Kategorie: News
Text: Bettina Lintz, 27. Juli 2012
Bei der Vergabe des neuen Hotel-Labels "Palace", also "Palasthotel", im Mai vergangenen Jahres, das noch über der Fünf-Sterne-Kategorie liegt, hatten das Ritz und das ebenfalls renommierte George V das Nachsehen hinter vier anderen Luxus-Hotels; darunter dem Bristol und dem Meurice, gegenüber dem Tuilerien-Garten vor dem Louvre gelegen. Dieses nennt der Michelin-Führer 2011 gar als Topadresse im ersten Arrondissement, dem Stadtbezirk im Herzen der Stadt.
Diese Schmach konnte das Ritz nicht auf sich sitzen lassen. Schließlich beherbergt es seit jeher die Schönsten und Reichsten der Welt. Charly Chaplin stieg hier ab oder Maria Callas, um die "Norma" in der Pariser Oper zu singen; Coco Chanel lebte mehr als 30 Jahre lang in ihrer Suite, die noch immer nach der Modedesignerin benannt ist. Heute mietet die Königsfamilie von Marokko zeitweise eine ganze Etage, und auch Stars wie Madonna oder Elton John ziehen das ebenso mondäne wie geschichtsträchtige Hotel seinen moderneren Rivalen vor.
Mag das Ritz auch nicht mehr als Nonplusultra gelten, so lag die Belegungsquote im Juni bei 90 Prozent für Zimmer ab 720 Euro – mit viel Raum nach oben. Neben seinen berühmten Gästen und dem üppigen Luxus erklärt seine Geschichte das Renommee des Fünf-Sterne-Hauses.
Der Schweizer César Ritz gründete es 1898 gemeinsam mit dem Küchenchef Auguste Escoffier mit dem Anspruch, es müsse "der letzte Schrei der Eleganz sein, das erste moderne Hotel in Paris". In der ersten Etage soll sogar die erste Badewanne der Geschichte stehen. Während des Zweiten Weltkriegs nahmen es die deutschen Besatzer ein und machten das Ritz zum Sitz der Luftwaffe. Als 1976 der letzte Nachfahre der Ritz-Familie starb, kaufte es 1979 der ägyptische Geschäftsmann Mohamed Al-Fayed.
Unter Al-Fayed war es auch zuletzt umfänglich renoviert worden – das ist Jahrzehnte her. Nun werden 450 Angestellte, darunter auch Michel Roth als Küchenchef des berühmten Restaurants "Espadon", entlassen oder zeitweise freigestellt.
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