Mitte Juni haben die Dreharbeiten über die Geschichte des berühmten Berliner Hotels begonnen. Und schon jetzt ist klar: Die Ansprüche von Uli Edel (Regie) und Oliver Berben (Produktion) an den Film sind so hoch wie die der Gäste an das Hotel.
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Text: Bettina Lintz, 23. Juli 2012
Die Zahlen sind in der Tat beeindruckend: 103 Schauspieler wurden engagiert (die Komparsen nicht mitgerechnet), neun Drehbuchfassungen geschrieben, das Atrium des Hotels und die Zimmer wurden in Berlin-Adlershof nachgebaut, der Pariser Platz auf dem Gelände der Bavaria Studios in München. Insgesamt sind 75 Drehtage geplant. Kein Wunder, dass ZDF-Fernsehfilmchef Günther van Endert nervös ist: "Als Berben vor einem Jahr mit dem Adlon kam, haben wir alle gedacht: 'O Gott, o Gott, das wird teuer ...'" Das wird es tatsächlich: Zehn Millionen Euro wird die Herstellung der 270 Sendeminuten verschlingen. Der Film ist nämlich als Dreiteiler geplant - oder, um noch einen Superlativ einzubringen - als "Historischer Event-Dreiteiler".
Die Idee ist nicht neu. Schon Anfang der 1990er-Jahre hatten Amerikaner Regisseur Edel das Projekt angetragen, "Aber", so der 65-Jährige, "die Bücher waren nicht zufriedenstellend." Tatsächlich lag darin auch jetzt das Hauptproblem: Wie erzählt man die Geschichte eines Hauses, das in der Kaiserzeit gebaut wurde, die Weimarer Republik und das Dritte Reich erlebte, 1945 in Flammen aufging und in den 90er-Jahren neu errichtet wurde, ohne sich in einer langweiligen Chronologie zu verheddern? Anekdoten allein - Charlie Chaplin, dem 1931 beim Betreten des Hotels die Hosen herunterfielen, weil ihm die Fans die Knöpfe von den Hosenträgern rissen - würden den Film nicht tragen, das war den Verantwortlichen klar. Auch nicht die klangvollen Namen der Gäste, die in den 20er- und 30er-Jahren im Adlon abstiegen: Stars wie Greta Garbo, Thomas Mann, Albert Einstein, Mary Pickford, Henry Ford, Edgar Wallace oder Enrico Caruso, aber auch Könige, Zaren und Präsidenten. Wie also haucht man der "Stein gewordenen Geschichte des 20. Jahrhunderts" (Günther van Endert) Leben ein?
Indem man ein großes Melodram hineinflicht und die Geschichte des Adlon mit der fiktiven Geschichte der Familie Schadt verwebt. Produzent Berben spricht von einer "Upstairs-Downstairs-Story", und tatsächlich kann man aus den ersten Szenen, die kürzlich vorgeführt wurden, schon auf die Zutaten schließen: Liebe und Tod, Eifersucht und Verrat, Verleugnung und Vertreibung.
Bleibt noch die Besetzung. Natürlich ist Heino Ferch dabei, der offenbar in keinem Großprojekt zur jüngeren deutschen Geschichte fehlen darf. Hier ist er Louis Adlon, der Sohn des Patriarchen Lorenz Adlon (Burghart Klaußner). Außerdem machen Sunnyi Melles und Rosemarie Fendel mit, Jürgen Vogel und Wotan Wilke Möhring, Josefine Preuß und Christiane Paul, Ken Duken und Tom Schilling, Anja Kling und Nora von Waldstätten.
Die Dreharbeiten sollen am 28. September beendet sein, damit der Dreiteiler im Frühjahr 2013 gesendet werden kann. Im August noch stehen Aufnahmen im neuen Adlon an. Und es war offenbar nicht ganz einfach, das Einverständnis von Hoteldirektor Oliver Eller zu erhalten, wie Jürgen Vogel berichtete. Überraschend ist das nicht, denn bei den Dreharbeiten zu "Emil und die Detektive" vor zwölf Jahren hat sich eine ungeplante Explosion im Adlon ereignet. Das hat man am Pariser Platz bis heute nicht vergessen. Zumal der Produzent ausgerechnet Oliver Berben hieß.
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