Eine Reißerstory, um Auflage zu machen? Was „Computerbild“ in einer angeblichen Enthüllungsgeschichte über Unister nicht schreibt.
Kategorie: News
Text: Carsten Hennig, 03. Juli 2012
Die Rede ist von „Abzocke“, „Abofalle“ und „illegalen Service-Pauschalen“. In der aktuellen Ausgabe (30.06.) tischt das Special-Interest-Magazin „Computerbild“ eine angebliche Enthüllungsgeschichte über das Leipziger Internetunternehmen Unister auf. Auf acht Seiten will man die Schlagzeile „Das Abzocke-Imperium“ belegen. Was misslingt. „Skrupellose Methoden“ wirft man dem ambitionierten Unternehmer Thomas Wagner (34) vor, der laut eigenem Bericht mittags in einer Kantine isst und für 600 Euro mit der Freundin zur Miete wohne. Einzig, dass er wie berichtet mit einem Porsche zur Arbeit fahre, wäre ein somit Indiz für den Erfolg seiner Firmengruppe, die seit 2002 für Furore in der Touristik sorgt.
In zehn Jahren hat Wagner, dem man unternehmerisches Temperament und einen guten Sinn für gute Geschäfte nachsagen könnte, ein Firmengeflecht mit nachhaltiger Vertriebskraft nicht nur im Verkauf von Reiseleistungen geschaffen. Mit den Portalen ab-in-den-urlaub.de, travel24.com und fluege.de ist er omnipräsent, online wie im TV. Tatsächlich sorgt sein Sinn für Top-Testimonials wie Michael Ballack, Reiner Calmund und das Dschungel-Duo Dirk Back & Sonja Zietlow für Zugkraft, die sich manch anderes Internetunternehmen wünschen würde. Das weckt offenbar Neider.
Vorweg: Man darf der Unister-Gruppe von Thomas Wagner durchaus Vorwürfe machen. Zum Beispiel wegen Domains mit Namen von Hotel-Partnern, die man kurzum zum besseren Verkauf auf die eigene Firma registrierte. Oder: Man habe Zimmerpreise, die für Großhändler gelten, Endkunden angeboten. Contra heißt es da: Übervorteilung! Pro könnte es lauten: Im Web gelten die Gesetze von Schnelligkeit und Transparent. Untersuchte man die Vorfälle, kam auch zutage, dass die betreffenden Hotel schlichtweg ihre Namen als Domains nicht geschützt hatten, keinen Markenschutz beantragten oder das Vermarktungspotential brach liegen ließen. Und: Dass für ein- und dieselbe Hotelleistung zum Teil höchst unterschiedliche Preise im Web kursieren, ist oft nachgewiesen worden und ein in der Hotellerie kontrovers diskutierter Usus.
Die Coverstory („Computerbild deckt auf“) wirft etliche Fragen auf. Die Redaktion wirft der Unister-Gruppe „hinterlistige Werbe-Tricks“ vor: Man werbe bei Google gleichzeitig mit mehreren Unternehmen für Flugbuchungen. Ist das tatsächlich verboten? Der Vorwurf „Werbe-Übermacht“ dürfte sogar für etliche Dax-Unternehmen gelten. Da geht es längst nicht mehr um permanente Präsenz in den Suchmaschinen, sondern um Auslesen und Analyse von Nutzerdaten, ums „Eingemachte“. So vertrauen zum Beispiel führende Automobil-Hersteller auf verdeckte Web-Analysen des britischen Unternehmens Sophos 3, wie lange sich jemand das neueste VW-Modell im Web ansehe und dann zum jüngsten BMW-Neuling klicke. Die Erkenntnisse aus diesen Klick-Spuren sind in der Touristik noch Neuland – und würden wohl auf Werbe-Strategien nachhaltigen Einfluss haben. Von „Tricks“ würde dann keine Rede mehr sein, eher von Datenschutz oder von ethischen Richtlinien in der Werbeanalyse. Aber gab es die je?
Das Luxushotel in der Leipziger Innenstadt "entführt Sie mit seiner Geschichte und Tradition in eine andere Welt", verspricht die Marketingabteilung des Hauses – der Top hotel-Tester überprüfte diese Aussage.
Im Best Western Hotel Victoria Freiburg legt man großen Wert auf Umweltschutz: Wo es nur geht, wird Energie und Wasser gespart – dafür engagieren sich die Gastgeber Astrid und Bertram Späth.