Neue Hotels: Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Neue Hotels

Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

In der rheinlandpfälzischen Landeshauptstadt tut sich was: Die Neueröffnung des B&B Mainz-Hbf und die Wiedereröffnung des früheren Central Hotel Eden als AC Hotel by Marriott machen den Anfang. Rund 650 weitere Zimmer bekommt Mainz in den kommenden zwei Jahren hinzu – mit Fokussierung auf das Areal rund um den Hauptbahnhof.

Ein Opening reiht sich an das andere: Ende 2018 soll das zentral gelegene me and all hotel der Lindner Hotels AG mit 160 Zimmern an den Start gehen. Zur gleichen Zeit ist die Eröffnung des Super 8 mit 216 Zimmern am Mainzer Zollhafen geplant. Im Jahr darauf sollen die ersten Gäste im neuen Drei-Sterne-Hotel der Novum-Gruppe nahe dem Hauptbahnhof begrüßt werden. Mit knapp 280 Zimmern, ein Drittel davon Serviced Apartments, wird das Hotel dann nach dem Hilton am Rhein (430 Zimmer) das zweitgrößte Haus am Platz sein. Alles in allem erhöht sich die Bettenanzahl in der Landeshauptstadt von 5.650 Betten im Jahr 2016 um knapp 30 Prozent auf rund 7.300 Betten. Das ist schon eine Hausnummer. Mainz, das sich aktuell mit der Sanierung des Schlosses und der im kommenden Jahr beginnenden Renovierung der Rheingoldhalle fit für die Zukunft macht, wird mit den zusätzlichen Übernachtungskapazitäten gut gerüstet sein. Für August Moderer, Geschäftsführer der mainzplus CITYMARKETING GmbH, wurde dies auch höchste Zeit: »Das Rhein-Main-Gebiet ist eine der wirtschaftlich stärksten Regionen Deutschlands. Während sich in Frankfurt die Zimmeranzahl in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt hat, hat Mainz geschlafen. Mit den geplanten Hotelprojekten wird sich die Situation aber zum Positiven wenden.« Eine von mainzplus CITYMARKETING in Auftrag gegebene Studie stellte heraus, dass die Landeshauptstadt von 1995 bis 2014 bei einem Zuwachs der Bettenkapazitäten von lediglich 15 % einen Anstieg der Übernachtungen um 52 % verzeichnete. Vor allem bei Großveranstaltungen und Kongressen, so Moderer, habe das Zimmerangebot der Landeshauptstadt nicht ausgereicht. Nun ist das ja stets das Argument der einen Seite – Stadt, Kongressveranstalter –, während die andere Seite – Hoteliers – darauf verweist, dass sie ihre Betten auch außerhalb von Messen und Großveranstaltungen füllen muss. Mit einem ausgewogenen Mix aus internationaler Konzernhotellerie (Hilton, Hyatt, Novotel, Intercity, Ibis) und großen, erstklassig geführten Privathotels (Atrium Hotel Mainz, Favorite Parkhotel) war Mainz bis dato gut aufgestellt und konnte nicht nur erfreuliche Auslastungszahlen, sondern auch hervorragende Online-Bewertungen der Vier- und Fünf-Sterne-Häuser vorweisen. Dass das Hotelportfolio der Stadt mit den neuen Hotels noch attraktiver wird, ist nicht zu bestreiten. Sowohl für Geschäftsreisende und Kongressgäste, die das zusätzliche Angebot an Drei-Sterne-Häusern nutzen werden, als auch für die stetig zunehmende Zahl an Privatreisenden und Städtetouristen, die Mainz als lohnendes Ziel entdecken. Für sie dürfte beispielsweise das me and all hotel interessant sein, das mit seinem urbanen, lässig-ungezwungenen Flair eine neue Generation von Hotels verkörpert und vor allem bei jüngeren Menschen hoch im Kurs steht. Allen neuen Mainzer Hotels gemein ist die Fokussierung auf das Übernachtungsgeschäft. Weshalb Lutz Frey, Direktor des Atrium Hotel Mainz, das als größtes Privathotel der Stadt über 2.000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche verfügt, relativ gelassen bleibt: »Auf den Tagungsmarkt setzt im Moment keiner der neuen Mitbewerber. Aber im Bereich der individuellen Übernachtungen werden wir mit den neuen Häusern konkurrieren.« Vor allem in den buchungsschwächeren Zeiten würden die vergrößerten Kapazitäten den Preiskampf anheizen. Frey sieht Probleme dann vor allem auf die kleineren, privat geführten Häuser zukommen, die mancherorts auch mit einem massiven Investitionsstau zu kämpfen haben. 

Zu diesen gehörte das ehemalige Central Hotel Eden am Mainzer Hauptbahnhof, das viele Jahre leer stand. Taubenkot übersprenkelte die historische Sandsteinfassade des Gründerzeitgebäudes von 1887, Fensteröffnungen waren mit Spanplatten vernagelt, Türen und Mauern wurden als Plakatflächen missbraucht. »Ein Schandfleck«, empörten sich Mainzer Bürger. Der Kauf und Versuch einer Sanierung durch eine Mainzer Familie schlug fehl – zu groß war der zu leistende Aufwand vor allem bei der Wiederherstellung der Haustechnik mit Elektrik, Heizung, Belüftung und Wasserversorgung. Hier war seit den 1950er-Jahren nichts mehr passiert. Umso größer war die Freude, als 2014 das libysche Unternehmerpaar Ali Muktar und Amro Huda Mohamed Fathi – schon lange in Deutschland ansässig und in Wiesbaden wohnhaft – das Gebäude kaufte und ankündigte, es als Hotel wieder flott zu machen. 2,6 Millionen Euro zahlten die neuen Eigentümer für die Immobilie, 6,5 Millionen Euro investierten sie – zusammen mit einem weiteren Anleger – in die Instandsetzung. Nicht nur das marode Innenleben des Gebäudes und die komplizierte Wiederaufbereitung der Sandsteinfassade benötigten erheblich mehr Zeit als gedacht, auch der Denkmalschutz forderte seinen Tribut. Statt August 2016 öffnete das wiederbelebte Hoteljuwel im Juni 2017 seine Pforten – mit der niederländischen Betreibergesellschaft Odyssey Hotel Group als Pächter und – als erstes Haus in Deutschland – in Franchise-Kooperation mit der Lifestyle- und Designmarke AC by Marriott. Dass sich die Mühe gelohnt hat, davon sind alle Beteiligten überzeugt. Aus dem Schandfleck ist ein Schmuckstück geworden, liebevoll und bis ins Detail hervorragend restauriert. Die Sandsteinfassade hat neue Strahlkraft, ihre fein gearbeiteten Details treten wieder eindrucksvoll zutage: die Löwenköpfe an den Konsolen unter den Steinbalkons, die in jeder Etage anders gerahmten Fenster oder die Baluster der einstigen Hotelterrasse. Im Inneren imponieren die historischen Türen mit ihren geschliffenen Glaseinsätzen, der Stuck der Decken wurde eigens aus Italien importiert und dem Original nachempfunden, die beiden gewendelten Treppenhäuser, Kleinode der Gründerzeitarchitektur, zeigen sich sorgsam aufgearbeitet. Zudem wurden die Zimmeraufteilung geändert und die Bäder vergrößert. Rick van Erp, Geschäftsführer der Odyssey Hotel Group: »Wir haben mit der Renovierung nicht bei null angefangen, sondern bei minus fünf.« Aus der Ruine entstand ein schickes Boutiquehotel mit 58 Zimmern auf fünf Etagen und zwei Meeting-Räumen, eingerichtet in dezenten Naturtönen mit teils sparsamen, teils opulenten Akzenten in Gold. 

Geleitet wird das AC by Marriott von der Frankfurterin Stephanie Nierhaus: »Wir wollen Menschen ansprechen, die Wert auf Individualität und persönliche Atmosphäre legen.« Ein 20-köpfiges Team unterstützt sie darin, nicht nur nationale und internationale Übernachtungsgäste zu gewinnen, sondern das Haus auch den »urban locals«, sprich Mainzern, schmackhaft zu machen. Die beiden Meetingräume mit ihren hohen Stuckdecken waren schon früher eine beliebte Location für Hochzeitsempfänge – das Mainzer Standesamt liegt fußläufig zum Hotel. Und der offene Bistro-Bar-Lounge-Bereich Adam & Eden, zu dem das frühere Gourmetrestaurant des Central-Hotels umgebaut wurde, trägt dem Trend zu offenen Raumkonzepten und zwangloser Kommunikation Rechnung. Stephanie Nierhaus peilt eine 60- bis 65-prozentige Belegung für das erste Halbjahr an und verrät hinsichtlich der avisierten Durchschnittsrate nur, dass diese »knapp unter der des Hyatts« liegen soll. »Wir waren gleich in den ersten Tagen schon einmal komplett ausgebucht. Das hat sich sehr gut angefühlt!«